Rache? — Nicht ein Wort der Rache, nicht ein Wort der Bosheit findet sich in der Schilderung, um die es sich hier handelt. Derartiges verdunstet mir, wenn ich vor dem Ernst der Aufgabe stehe. Ja, mehr noch: ich wehre mich dagegen, ganz entschieden. Um sicher zu gehen, lasse ich mindestens ein Drittel von dem, was das Bild verschlimmern könnte, weg und rücke den Rest in das Licht des Verstehens vom psychologischen Gesichtspunkte aus. Ihr, die Ihr das Modell kennt, wißt alle, daß ich auch diesmal so verfahren bin. Ich werde später darüber öffentlich etwas schreiben, falls kein anderer es kann oder will.
Tausend Grüße an Euch alle!
Euer Freund Vater.
p. t. Schwaz, Tirol, 25. September 1894.
Liebe Bergliot, was ist denn das für ein Unsinn, daß Du uns etwas von dem Gelde, das wir für Deinen Gesang ausgelegt haben, zurückbezahlen willst! Das ist doch Deine Mitgift. Es wird sich mit der Zeit schon zeigen, daß diese Mitgift sehr bedeutend ist. Es freut uns sehr, daß Du glaubst, diese Zeit sei bereits gekommen.
Ich freue mich über die Drontheimer Wahl; aber wenn ich das Wachsen der Rechten in Akershus und im Westland sehe, dann merke ich wohl, daß die Wahlen im ganzen nicht nach Wunsch ausfallen. Leider! Eine falsche Taktik wird von den besten Reden nicht aufgewogen. Es sieht ja aus, als könnten wir in einem ganzen Menschenalter diese Bezirke nicht gewinnen. — Das ganze Ausland ist gegen uns. Ich glaube auch nicht, daß wir dem Ausland das Verständnis beibringen können, ehe wir unserer Unabhängigkeit ein Ziel stellen, das alle fassen. Dieses kann einzig sein: Schiedsgerichte für alle vorkommenden Fälle, und ein Ansuchen deswegen in allererster Linie bei Rußland. Wenn das Ausland einsieht, daß es das ist, dem die Schweden sich widersetzen, werden ihm die Augen aufgehen. Wie lange soll ich diese Weise herleiern, ehe ich die Leute mitkriege?
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, schon jetzt kann ich aus den Wahlen sehen, daß die Rechte sich behauptet. Die Linke bringt es zu keiner Zweidrittel-Majorität; und dann begreife ich nicht, was Ihr daheim wollt, besonders wenn auch Ibsens reisen. Ich werde die Reise nach dem Süden für Euch bezahlen, falls sie jetzt stattfindet, d. h. diesen Herbst. — Nimm Dich in acht vor Arlbergs allzu offnen Vokalen; im übrigen hat er selbst eine brillante Gesangsmethode gehabt. Ob er irgendeinen hervorragenden Schüler hat, weiß ich nicht. Ich glaube, das einzige, was Deiner Stimme fehlte, wäre mehr Kraft in den Stimmbändern, und die käme durch Elektrisieren und bei größerer körperlicher Gesundheit. — Aber Ihr versteht das ja besser, weil Ihr kundige Leute zu Rate ziehen könnt.
Ich stimme im wesentlichen mit Sigurd in der Beurteilung Bismarcks überein. Nur schwärme ich nicht, wie er, für das Große, bloß weil es groß, für das Interessante, bloß weil es interessant ist. Dafür bezahle ich einmal Entree oder zweimal und bin fertig damit. Napoleon ist für mich um vieles bedeutsamer geworden, seit seine Psychologie so offenkundig vor allen liegt, daß wir den tiefen menschlichen Zusammenhang sehen, den Zusammenhang des Herzens, des Charakters mit den gärenden, schaffenden Mächten der Zeit nach allen Seiten hin. Etwas Ähnliches ist es mit Bismarck; das ist es, was ihm immer Bewunderung sichern wird.
Dein B. B.