Ole sehr gespannt: „Wie denkst du über den Hof?“ — „Vorzüglicher Boden!“ — „Vorzüglicher Boden, nicht wahr?“ — „Unvergleichliche Weiden!“ — „Unvergleichliche Weiden! Wird es wohl gehn?“ — „Es soll der beste Hof im ganzen Bezirk werden!“ — „Der beste Hof im ganzen Bezirk! Glaubst du das, meinst du das?“ — „So wahr ich hier stehe.“ — „Ja, habe ich das nicht gesagt?“ — Sie sprachen beide gleich schnell und paßten zueinander wie zwei Wagenräder. — „Aber Geld, siehst du, Geld, ich habe kein Geld!“ — „Ohne Geld geht es langsam, aber es wird schon gehn!“ — „Es geht! Freilich wird es gehn! Aber hätten wir Geld, ginge es schneller, meinst du?“ — „Ungleich schneller!“ — „Ungleich schneller? Hätten wir doch Geld! Nun ja, wer nicht mehr alle Zähne hat, kann auch kauen; wer mit Ochsen fährt, kommt auch ans Ziel.“
Die Mutter stand da und blinkte Thore zu, der sie kurz, aber häufig von der Seite angesehen hatte, während er sich mit dem Oberkörper hin und her wiegte und mit seinen Händen über die Knie hinabstrich; der Schulmeister zwinkerte ihm zu, Thore öffnete den Mund, räusperte sich ein wenig und nahm einen Anlauf, aber Ole und Öyvind sprachen unaufhörlich durcheinander, lachten und lärmten, so daß kein andrer zu Worte kommen konnte.
„Ihr müßt einen Augenblick schweigen, Thore hat auch etwas zu sagen,“ fiel ihnen der Schulmeister in die Rede; sie halten inne und sehen Thore an. Endlich beginnt dieser ganz leise: „Auf dieser Stelle ist es immer so gewesen, daß wir eine Mühle gehabt haben; in der letzten Zeit war es so, daß wir sogar zwei gehabt haben. Diese Mühlen haben immer, jahraus, jahrein, einen kleinen Groschen eingebracht; aber weder mein Vater noch ich haben von dem Gelde gebraucht, ausgenommen damals, als Öyvind fort war. Der Schulmeister hat das Geld verwaltet, und er sagt, es hätte da, wo es untergebracht ist, gute Zinsen getragen. Aber nun wird es wohl das beste sein, wenn Öyvind es für Nordistuen bekommt.“ — Die Mutter stand hinten in ihrer Ecke und machte sich ganz klein, aber sie betrachtete Thore mit strahlender Freude, der sehr ernsthaft dasaß und beinahe dumm aussah. Ole Nordistuen saß ihm mit weit geöffnetem Munde gegenüber. Öyvind war der erste, der sich von seiner Überraschung erholte. „Ist es nicht, als ob das Glück mich verfolgte!“ schrie er, ging durch das Zimmer auf den Vater zu und klopfte ihm auf die Schulter, daß es klatschte. — „Du, Vater!“ sagte er, rieb sich die Hände und ging weiter.
„Wieviel Geld mag es wohl sein?“ fragte endlich Ole den Schulmeister, aber leise. — „Es ist gar nicht so wenig.“ — „Einige Hundert?“ — „Ein wenig mehr.“ — „Ein wenig mehr? Öyvind, ein wenig mehr! Gott bewahr mich, was für ein Hof soll das werden!“ Er erhob sich und lachte laut.
„Ich muß dich zu Marit hinaufbegleiten,“ sagt Öyvind; „wir nehmen den Wagen, der draußen steht, dann geht es schnell.“ — „Ja, schnell, schnell! Willst du auch immer alles schnell haben?“ — „Ja, schnell und wie toll!“ — „Schnell und wie toll! Akkurat so wie ich in meiner Jugend, akkurat so!“ — „Hier ist die Mütze und der Stock, jetzt jage ich dich fort!“ — „Du jagst mich fort? Ha ha! Aber du kommst mit, nicht wahr, du kommst mit? Kommt ihr andern auch mit! Heute abend müssen wir beisammensitzen, solange Glut in der Kohle ist; kommt mit!“ — Sie versprachen es, Öyvind half ihm auf den Wagen hinauf, und sie fuhren davon, nach Nordistuen. Da oben war der große Hund nicht der einzige, der sich wunderte, als Ole Nordistuen mit Öyvind Pladsen auf den Hof gefahren kam. Während Öyvind ihm vom Wagen herunterhalf und Gesinde und Tagelöhner sie angafften, kam Marit auf die Diele heraus, um zu sehen, weshalb der Hund so anhaltend bellte, blieb aber wie festgewurzelt stehn, wurde glühendrot und lief wieder hinein. Der alte Ole rief indessen so entsetzlich nach ihr, sobald sie in die Stube gekommen waren, daß sie wieder zum Vorschein kommen mußte. — „Geh hin und putz dich, Mädchen, hier steht der, der den Hof haben soll!“
„Ist das wahr?“ ruft sie, ohne es selber zu wissen, so laut, daß es schallt. — „Ja, es ist wahr!“ antwortet Öyvind und klatscht in die Hände. Da dreht sie sich auf dem Absatz herum, wirft das, was sie in der Hand hat, hin und läuft hinaus; Öyvind ihr nach.
Bald kommen der Schulmeister, Thore und seine Frau; der Alte hatte Licht angezündet und ein weißes Tischtuch über den Tisch breiten lassen. Wein und Bier wurde gereicht, und er selber ging unablässig umher, hob die Beine noch höher als gewöhnlich, aber doch beständig den rechten Fuß etwas höher als den linken.
Ehe diese kleine Erzählung aus ist, muß noch berichtet werden, daß Öyvind und Marit fünf Wochen später in der Kirche des Sprengels getraut wurden. Der Schulmeister leitete selbst an diesem Tage den Gesang, da sein Hilfsküster krank war. Seine Stimme klang jetzt ein wenig dünn, denn er war alt; Öyvind aber meinte, es tue gut, ihn zu hören. Und als er Marit die Hand gegeben und sie an den Altar geführt hatte, nickte ihm der Schulmeister vom Chore herab zu, gerade so, wie Öyvind es gesehen hatte, als er bei jenem Tanzfest so traurig dasaß; er nickte wieder, während ihm die Tränen in die Augen traten.
Jene Tränen bei dem Tanze waren der Ursprung von diesen gewesen, und zwischen ihnen lag sein Glaube und seine Arbeit.
Hier endet die Geschichte von dem fröhlichen Burschen.