„Der weiße Winter

Hat rote Rosen.“

Auf der andern in zierlicher, runder Schrift: „Im Walde heute muß ich an Sie denken. A. A.“ Das war alles.

Aber so ist er. Er sagt nicht mehr. Wenn er an einem Fenster vorbeikommt, in dem eine solche Karte liegt, so denkt er doch an mich. Und er denkt nicht allein an mich, sondern er schickt mir einen Gedanken. Oder irrte sie? Ella war bescheiden; dies ihr gegenüber konnte doch nicht mißdeutet werden? Die Weihnachtskarte, .... war sie nicht ein Vorbote? Die beiden jungen Paare darauf, und die Worte, .... er meinte doch wohl etwas damit?

Sie sah seine entzückten Augen wieder; sie hüllten sie nicht allein ein, sie liebkosten sie. Sie dachte nicht zurück, sie dachte nicht vorwärts, sie atmete nur weit auf, lebte. Noch in der mondhellen Nacht lag sie auf ihrem Bette — nicht nur ganz wach, sondern durchstrahlt. Jetzt, jetzt, jetzt, flüsterte es. Hätte sie am Traum ihres Lebens festgehalten, auch als die Wirklichkeit so grausam schien, sie hätte bestanden; weil sie unsicher darin geworden, war alles unsicher geworden. Aber je größer das Leiden gewesen, je größer würde vielleicht die Seligkeit werden! Sie schlief in etwas Kreideweißem ein, das sie mit hinein in ihre Träume nahm; sie erwachte leichten, hellen Wolken entgegen, die sich zerstreuten vor den zusammenströmenden Gedanken an das, was ihrer heute harrte. In der Nacht war das Ganze fertig geworden; sie erwachte mit der vollsten Sicherheit. Heute würde es geschehen. Er hatte nicht ein Wort gesagt; diese seine Schüchternheit liebte sie von allem am meisten an ihm. Gerade das war das sichere Pfand. Heute geschah es.

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