Was war es denn eigentlich, was sie heute gewollt hatte? Ja, das wußte sie nicht; — nein, sie wußte es nicht! Sie wußte nur, daß dort ihr Glück sei, und nun hatte sie es darauf ankommen lassen. Jetzt lag sie hier enttäuscht und betrogen in einer Weise, wie gewiß wenige vor ihr es gewesen.

Sie vermochte aber auch nicht, ihn zu entheiligen. Deshalb zog die Winterweise mit seiner Stimme vorüber, gut, voll, traurig; die wollte gleichsam alles für sie ordnen. Und gehorsam wie ein Kind legte sie sich zurecht und lauschte. Was sagte sie? Freilich, die sagte, daß die Träume zwei Sommer zusammenbänden, den, der war, und den, der sich langsam aufs neue emporarbeitete, dank den Träumen, die gewacht hatten. Sie sagte auch, daß die Träume etwas für sie seien, oft höhere Wirklichkeit, als die der Verhältnisse. Sie hatte das ja oft so empfunden, wenn sie mit ihren Blumen beschäftigt war.

Bei all ihrer Ruhelosigkeit im Bette war der Zopf an ihre Seite geraten. Wehmütig zog sie ihn herauf; noch heute hatte er ihn geküßt.

Und dann legte sie sich auf die Seite und nahm ihn zwischen die Hände und weinte.

„Mama, Mama,“ flüsterte es. Und so schlief sie ein.

Ivar Bye

Deutsch von G. I. Klett