Im Zuchthaus wurde er vom ersten Tag an aller Liebling. Sie hatten Mitleid mit dem schönen, lieben Jungen; sie wetteiferten darin, etwas für ihn zu tun, damit er vorwärts käme, wenn er einst entlassen würde.

Hier, im Trontheimer Zuchthaus, wurde er auch konfirmiert. Hier las, rechnete und schrieb er, und noch eh er heraus kam, war ihm eine Stelle als Laufbursche bei einer der ersten Familien der Stadt gesichert. An dem neuen Platz wiederholte sich dasselbe, — alle nahmen sich seiner an. Sein Unterricht wurde fortgesetzt, er bekam hübsche Kleider; es machte ihnen Spaß, ihn zierlich gekleidet zu sehen, so schön, wie er war. Ja, er erhielt eine Guitarre geschenkt und lernte darauf spielen, denn er hatte Stimme und begleitete sich nun selbst. Die guten Feen, die in dieser Weise Rosen auf seinen Weg streuten, waren natürlich hauptsächlich Damen; auch ein Liebesverhältnis spielte dabei mit.

Und bald mehrere.

Er erlebte in dieser Richtung die wunderlichsten Dinge, von denen ich je gehört habe. Ich bin wohl der Einzige, zu dem er davon gesprochen hat; aber auch da fast nur in Andeutungen. Näheres darüber zu erzählen, habe ich nicht das Recht. Ich glaube, daß diese seine Gabe, zu schweigen, eben weil sie aus rücksichtsvoller Güte geboren war, die Frauen zu ihm hinzog, — mehr noch als seine Schönheit; mehr noch als andre erotische Eigenschaften, die wie ein Geheimnis unter ihnen umgingen. Über derartiges können Frauen ja nicht schweigen.

Nach außen hin war dies sicherlich seine glücklichste Zeit. Aber wenn ich später darüber nachgedacht habe, ist mir mehr und mehr der Glaube gekommen, daß er da einen Knax fürs Leben bekommen hat.

Man darf ja wohl annehmen, daß die Knabenträume, die er mir erzählte, aus Kräften in ihm entsprangen, aus einer Energie, die später nicht zur Reife gedieh. Ich gebe jedoch zu, daß ich sein Geschlecht nicht kenne und es deshalb so genau nicht wissen kann. Nicht alle Träume sind eine Selbstprophezeihung von Kräften; sie können auch nur als Erinnerungen aus der Vergangenheit des Geschlechts mittreiben.

Später, als ich ihn traf, war er ohne starken Lebensdrang, ohne sonderliche Unternehmungslust; und unter all der Liebe, in deren Mitte er lebte, war keine, die seinen Sinn ganz erfüllte. Seine Schwärmerei war damals, mit einem oder dem andern seiner Freunde unter den Kapitänen hinauszukommen. Eine Reise nach Hamburg, Bremen, Kopenhagen, Schweden machen, oder andre Städte in Norwegen besuchen zu können. Ich erwähne dies besonders, weil es besonders charakteristisch ist.

Die Sache war nämlich die: er wußte nicht, oder wollte nicht wissen, wohin.

Es war, als müßte ein andrer kommen und bestimmen. Er verließ Trontheim und kam nach Christiania, wo man den hübschen Menschen in einem Laden sehen konnte. Rasch hatte er einen neuen Kreis von Freunden und Freundinnen; aber immer dieselbe Unentschlossenheit.

Da liest er in der Zeitung, daß seine Bewunderung aus den Kindertagen, der Mann mit der weißen Haut und dem schwarzen Haar, im ersten Hotel der Stadt wohnt!