Sie schwiegen eine ganze Zeit, schließlich fuhr Baard fort:
"Ich warb wieder um sie. Sie sagte nicht ja, nicht nein, und da dachte ich, es würde später besser werden. Wir heirateten uns; die Hochzeit war unten im Tal bei einer Base, die sie beerbte. Wir fingen groß an, und unser Hab und Gut hat sich noch weiter vermehrt. Unsere Höfe lagen nebeneinander, und nun wurden sie vereinigt, wie es von klein auf mein Wunsch gewesen war.—Aber vieles andere ging nicht nach meinem Wunsch."—Er saß lange wortlos da; Arne dachte eine Weile, er weine; das war aber nicht der Fall. Nur seine Stimme war noch sanfter denn gewöhnlich, als er nun fortfuhr:
"Anfangs war sie still und sehr traurig. Ich konnte ihr nichts zum Troste sagen, und so schwieg ich. Später nahm sie manchmal dies unstete Wesen an, das Du vielleicht auch bemerkt hast; es war doch wenigstens eine Veränderung, und so schwieg ich auch dazu.—Aber einen wirklich frohen Tag habe ich nicht gehabt, seit ich verheiratet bin, und das sind jetzt an die zwanzig Jahre."———
Hier brach er den Pflock in zwei Stücke; dann saß er eine ganze Zeit und sah die Stücke an.
"——Als Eli heranwuchs, dachte ich, sie habe mehr Freude als hier, wenn sie unter Fremden wäre. Ich habe nur selten etwas gewollt; das meiste ist aber schief gegangen,—und dies auch. Die Mutter saß und sehnte sich nach dem Kinde, wenn auch nur das bißchen Wasser zwischen ihnen lag, und schließlich merkte ich: da drüben die Pfarre ist auch nicht das richtige, denn die Pfarrersleute sind so recht gutmütige Hanswurste; aber ich merkte es zu spät. Sie ist jetzt wohl weder Vater noch Mutter zugetan!"
Die Mütze hatte er wieder abgenommen; jetzt fielen ihm die langen Haare in die Augen; er strich sie weg und setzte sich mit beiden Händen die Mütze auf, als wolle er gehen; aber als er sich zum Haus umwandte, um aufzustehen, blieb er noch und fügte mit einem Blick nach dem Fenster der Bodenkammer hinzu:
"Ich hielt es für das beste, Mathilde und sie nähmen nicht Abschied voneinander;—aber das war verkehrt. Ich sagte ihr, der kleine Vogel sei tot, denn meine Schuld war es doch, und da hielt ich es für richtiger, es einzugestehen; aber das war auch verkehrt. Und so ist es mit allem. Ich habe immer das beste gewollt, aber immer ist es zum Unsegen geworden, und jetzt ist es soweit gekommen, daß Frau und Tochter schlecht von mir reden und ich hier allein und verlassen herumlaufe."
Eine Magd rief zu ihnen hinauf, das Essen werde kalt. Baard stand auf. "Ich höre die Pferde wiehern", sagte er; "sie müssen wohl vergessen sein"; damit ging er in den Stall, um ihnen Heu zu geben.
Zwölftes Kapitel
Eli war sehr schwach nach ihrer Krankheit; die Mutter saß Tag und Nacht bei ihr und kam niemals nach unten; der Vater machte oben seine gewohnten Besuche auf Socken und legte die Mütze draußen vor der Tür ab. Arne war noch immer auf dem Hof; er und der Vater saßen abends zusammen; er hatte Baard sehr liebgewonnen; Baard war ein belesener, scharf denkender Mensch, hatte aber sozusagen Angst vor dem, was er wußte. Wenn nun Arne ihm zurechthalf und ihm manches erzählte, was er noch nicht gewußt hatte, dann war Baard sehr dankbar.