Und dann plötzlich sprang sie auf, schüttete alle Blumen hin, juchzte, daß der Klang durch die Luft schmetterte und bis Böen dringen mochte. Und dann lief sie davon!——Sollte er rufen? Nein!—Da sprang sie schon singend und trällernd den Hügel hinunter; ihr fiel der Hut ab, sie nahm ihn wieder auf, jetzt stand sie mitten im hohen Grase.—"Soll ich rufen? Sie sieht sich um!"——Er duckte sich tiefer. Lange dauerte es, bis er wieder hinzuschauen wagte, und dann hob er auch bloß den Kopf, sah sie aber nicht,—richtete sich auf den Knien auf, sah sie noch nicht;——stand ganz auf,—ja, sie war verschwunden!——
Er mochte nicht mehr ins Pfarrhaus. Er mochte überhaupt nichts mehr!—Darauf setzte er sich hin, wo sie gesessen hatte, und saß noch da, als die Sonne gegen Mittag stand. Auf dem See regte sich keine einzige Welle, über den Höfen zitterte schon der Rauch in der Luft, die Wachteln verstummten eine nach der andern, die kleinen Vögel schäkerten wohl noch, zogen sich aber doch allmählich in den Wald zurück, der Tau war fort, so daß das Gras gar würdig dastand, kein Lüftchen bewegte sich, und die Blätter hingen still herab, die Sonne mußte in einer Stunde auf der Mittagshöhe sein. Er wußte gar nicht, wie es kam, daß er da plötzlich saß und über ein kleines Gedicht nachsann; ein holder Ton kam und bot sich ihm dar für sein Lied; das Herz war ihm wunderlich von Weichheit voll, und der Ton kam und ging so lange, bis er ein ganzes Bild erschuf.
In der Stille, wie er es gemacht hatte, sang Arne es auch:
Im Walde klang es den ganzen Tag,
Den ganzen Tag.
Klein Knabe, hörst du das Tönen, sag',
Das Tönen, sag'?
Der Knabe schnitt sich eine Schalmei,
Eine Schalmei,
Und blies,—ob der Ton wohl darinnen sei,
Darinnen sei.
Der Ton, der meldete sich wie ein Hauch,
Wie ein Hauch,
Doch wie er gekommen, entschwand er auch,
Entschwand er auch.
Oft, wenn er schlief, er zu ihm schlich,
Er zu ihm schlich,
Und über die Stirn ihm voll Liebe strich,
Voll Liebe strich.
Doch wollt' er ihn greifen, jählings erwacht,
Jählings erwacht,
Versank der Ton in der bleichen Nacht,
Der bleichen Nacht.
"Herr, mein Gott, nimm mich dahin,
Nimm mich dahin!
Der Ton nahm ein meinen ganzen Sinn,
Meinen ganzen Sinn."
Der Herr gab zur Antwort: "Dein Freund ist er,
Dein Freund ist er!
Doch freilich—dein eigen,—das nimmermehr,
Das nimmermehr."