Die Zurückbleibenden waren plötzlich sehr ernst geworden; eine böse Ahnung hatte sich in ihr Lachen und Scherzen gemischt, und still war's einen Augenblick im Hause wie nach einem großen Schrecken. Die Mutter, die in der Küchentür alles mitangehört hatte, sah Öyvind bekümmert an; die Tränen waren ihr nahe, aber sie wollte ihm das Herz nicht durch irgend ein Wort noch schwerer machen. Als sie alle schweigend hineingegangen waren, setzte sich der Vater ans Fenster und sah Ole mit tiefernsten Blicken nach. Öyvinds Augen hingen an jeder seiner Mienen, denn mit dem ersten Wort, das er sprechen würde, mußte sich die Zukunft der beiden jungen Menschen entscheiden. Setzte Tore sein Nein gegen das Oles, so war kaum daran vorbeizukommen. Seine Gedanken liefen geängstigt von einem Hindernis zum andern; er sah einen Augenblick nichts als Armut, Widrigkeiten, Mißverständnisse und gekränktes Ehrgefühl, und alles wankte und wich vor seinen Augen. Seine Unruhe wuchs, weil die Mutter so dastand, die Hand an der Klinke der Küchentür, ungewiß, ob sie den Mut finden würde, dazubleiben und die Aussprache abzuwarten, bis sie zuletzt alle Courage verlor und hinausschlich. Öyvind sah unverwandt seinen Vater an, dessen Auge scheinbar nicht wieder in die Stube zurückfinden konnte; der Sohn wagte nichts zu sagen, denn der andere mußte erst mit seinen Gedanken zu Ende sein. Aber gerade jetzt hatte seine Seele den Kreis der Angst durchlaufen und raffte sich wieder auf: "niemand als Gott allein vermag uns schließlich zu trennen", dachte er bei sich selbst und blickte auf die gerunzelten Brauen seines Vaters;—jetzt kam's wohl bald. Tore seufzte schwer, erhob sich, sah auf und begegnete dem Blick seines Sohnes. Er blieb stehen und sah ihn lange an.—"Mein Wille wäre, daß Du von ihr ließest, denn man soll sich nie etwas erbetteln oder ertrotzen. Willst Du aber nicht von ihr lassen, so kannst Du mir's gelegentlich sagen; vielleicht kann ich Dir dann helfen." Er ging an seine Arbeit, und sein Sohn folgte ihm.

Am Abend aber war Öyvind mit seinem Plan im reinen; er wollte sich um die Stelle des Amtsagronomen bewerben und den Direktor und den Schulmeister bitten, ihm dabei behilflich zu sein. "Bleibt sie fest, dann werde ich sie mir mit Gottes Hilfe durch meine Arbeit erringen."

Er wartete diesen Abend vergebens auf Margit, aber er sang, während er dort auf- und abging, sein Lieblingslied:

Hoch den Kopf, du frischer Gesell!
Schwand eine Hoffnung, wird dir schnell
Vor Augen die neue glühen
Und flugs entflammen und sprühen.

Hoch den Kopf, blicke weit und frei!
Etwas ist da, das ruft: "komm herbei!"
Mit tausend Zungen, die preisen
Den Frohmut in sieghaften Weisen.

Hoch den Kopf; denn im Herzensgrund
Blauet auch dir ein Himmelsrund,
Drin Jubelchöre und Schwingen
Bei Harfenakkorden klingen.

Hoch den Kopf und sing es heraus!
Nie erstickst du des Frühlings Braus;
Doch, wo die Kräfte gären,
Da treiben die Halme bald Ähren.

Hoch den Kopf, laß Paten dir fein
Droben die Hoffnungsstrahlen sein,
Die Welten umwölben, die beben
In jedem Fünklein Leben.

Elftes Kapitel

In der Mittagspause war's; auf den großen Heidehöfen schliefen die Leute. Das Heu lag auf den Wiesen aufgeworfen und die Rechen staken in der Erde. Vor dem Scheunentor standen die Heuwagen, das abgezäumte Sattelzeug lag daneben, und die Pferde waren eine Strecke weiter angebunden. Außer ihnen und ein paar Hühnern, die auf die Äcker hinausgelaufen waren, war weit und breit kein lebendes Wesen zu sehen.