"Sei still, Erik!" sagte der Propst; "Du verwirrst uns nur."—"Ach ja, das mag wohl sein", sagte Erik und fing wieder an:

"Wenn euch mit heuchlerischem Sinn
Ein anderer will führen hin
Zum breiten, glatten Sündenpfad,
Den wählt euch nicht als Kamerad——"

"Nun hör' aber auf, Erik!—Das Lied ist ja recht schön, aber alles zu seiner Zeit und am rechten Ort."—"Ja, ja, Herr Pfarrer, das stimmt,—alles zu seiner Zeit und am rechten Ort:

"Schenk' jede Stunde heute
Dem Höchsten früh und spät
Ein jeder Herzschlag läute
Wie Glocken zum Gebet—"

"Nein, nein, Erik, dann würde ja auch das Gebet zur Versuchung; Du müßtest Katholik werden und ins Kloster gehen!"—"Gott behüte!" sagte Erik und riß die Augen weit auf, machte sie dann wieder zu und fing an:

"Wie Staub und Schlacken zu echtem Gold
Ist kathol'sch—"

"Hör' mal, Erik, wenn Du nicht ruhig sein kannst, so geh gefälligst mit dem Rest hinaus.—Wo waren wir denn stehen geblieben?" Ödegaard aber hatte mit großem Behagen Erik angehört und wußte es nicht mehr. Da kam es friedlich aus den vielen Tüchern heraus: "Ich sagte, es könne doch keine Muße und keine Frucht der Arbeit in etwas sein, das—"—"Jetzt erinnere ich mich: das eine Versuchung in sich trägt,—und dann kam Erik und bewies uns, daß auch im Gebet eine Versuchung liegen kann.—Wir wollen also überlegen, was jene Dinge sonst für Folgen haben können. Ist Euch aufgefallen, daß fröhliche Menschen besser arbeiten als schwermütige? Woher kommt das?"

Lars merkte, worauf das hinausging, und sagte deshalb: "Fröhlich macht der Glaube."—"Ja, wenn es ein heller Glaube ist; aber weißt Du nicht, daß der Glaube so finster machen kann, daß die Welt um uns her zu einem Zuchthause wird?"

Die blonde Frau seufzte unaufhörlich, so daß die vielen Tücher dadurch in Bewegung kamen; Lars blickte sie auch scharf an, und da schwieg sie.—Ödegaard fuhr fort: "Ein ewiges Einerlei, sei es Arbeit, Gebet oder Vergnügen, macht dumm und finster. Du kannst den Acker umgraben, daß Du zu einem Tier wirst, beten, bis Du ein Gewohnheitsmönch bist, spielen, bis Du eine schlappe Spielpuppe bist. Aber mische es einmal! Der Wechsel stärkt Sinn und Gedanken; dabei gedeiht Deine Arbeit, und Dein Glaube wird licht."—"Wir wollen uns also jetzt aufs Fröhlichsein verlegen!" sagte der junge Mensch und lachte.—"Ja, dann würdest Du für Dein Teil eine Gemeinschaft mit andern Menschen finden; denn erst in der Freude sieht man das Gute bei andern und liebt es. Man kann aber Gott nur lieben, wenn man seinen Nächsten liebt."

Da nicht sogleich ein Widerspruch erfolgte, versuchte Ödegaard zum zweitenmal die Schlinge zusammenzuziehen und sagte: "Die Dinge, die freimachen, also daß der Heilige Geist in uns wirken kann,—denn in den Gefesselten kann er nicht wirken,—die Dinge, die uns helfen, müssen einen Segen in sich tragen,—und das tun diese Dinge." Der Propst stand auf, er hatte seine Pfeife schon wieder auszuklopfen.