Und der Satyr fuhr fort: »Götter – die Erde habt ihr geschaffen, und kennt sie nicht! Der blaue Olymp, die neblichte Unterwelt, Tempel, Gräber, Wälder, Städte, Adler, sie werden und vergehen! Etwas aber dauert über dem allen, das nie jemand gekannt hat und nie jemand kennen wird, ob auch alle, alle davon träumen. Die Zukunft wird mehr davon offenbaren, bis endlich des Menschengeistes unaufhaltsame Eroberungen alle Schranken brachen – alle, die heute noch sind. Darum rufe ich euch zu: Freie Bahn dem Menschengeist! Gebt ihn frei! Überall Licht! Überall Raum für den Genius!«
Indem er so stand und sang, war er grösser geworden als Polyphem, grösser als Typhon, grösser als die Titanen, grösser als der Berg Athos: und rings um ihn her war Finsternis …
Das war kein Satyr mehr, der da sang – das war eine Landschaft, von allen Meeren herauf zu den Felsen, von den Felsen empor zum Himmel … die Tiere aber, deren seltsam staunende Augen noch eben aus dem Äther hervorlugten, zogen nun friedlich weidend über die Landschaft hin …
Des Satyrs Hörnerpaar war zu zwei unermesslich hohen Bergspitzen geworden, und die Leier an seiner Brust zu einem gewaltig breiten Bergstrom, der in tausend rauschenden Wasserfällen schäumend ins Meer hinab sich ergoss …
»Wer bist du?« frug Jupiter.
»Ich bin Pan« …
RUTH
Boas hatte sich zum Schlummer hingestreckt. Er war allzu müde geworden. Den ganzen Tag hatte er gedroschen. Nun ruhte er sich bei seinem Korn aus. Weites Land rundum deckten seine Weizen- und Roggenfelder.