Die Ritter und Edeldamen und das Volk harrten schon in festlichem Schmuck draussen vor dem Schlosse.
Als aber die Sonne rotglühend niedersank, waren alle Klippen und Höhen am Meer mit Raubvögeln bedeckt. Seltsam! Die Gabelweihe hockte dort, der furchtbare Seeadler, der gefrässige Taubenhabicht, alle gierig nach Menschenfleisch … und neue Schwärme kamen in wilden Zügen hinzu, Abkömmlinge sicherlich der alten Raubvögel, der römischen Adler über dem Zirkus, dort, wo die kupferne Wölfin stand und ihnen zuheulte, jener Adler, die dem Marius folgten und den Sulla kannten … ihre Abkömmlinge hockten nun kreischend auf den Riffen und Felsgraten … angefressene Menschenschädel hatten sie irgendwo liegen gelassen, nur um eiligst nach Final fliegen zu können … von Galgen waren sie weggeflogen, von zersplitterten Masten gescheiterter Schiffe, die mit schwarzverwittertem Tauwerk und Hunderten von Leichen draussen im Meer festsassen … und von Lazarethen kamen sie her, wo die Kranken schneller starben, als sie begraben werden konnten … und alle waren freudig erregt und schrieen schon von ferne, wenn sie Final, die stolze Feste, erspähten: »Dort lohnt sich unser Flug! Sputet euch! Dorthin kommt ein Kaiser!!«
Er war gekommen. Die Glocken hatten geläutet. Fanfaren hatten geschmettert. Volksjubel hatte gelärmt. Freudenfeuer hatten geloht. Alle Türme hatten übers Meer geleuchtet wie riesige Flammenbrände. Unter den Bäumen des Schlosses war in langen Tischreihen das Bankett gerüstet. Alles war zu einem jauchzenden Freudenfest bereitet worden … Und wer hatte so seinen Einzug gehalten? Satan und seine Orgien! Erst Mord und Brand … dann ein zügelloses Gelage. Der Böse feierte da sein Fest, in dem besiegten, geplünderten, verwüsteten Final. Gesungen wurde da, aber Angstschreie gellten dazwischen. Neben des Herdfeuers friedlicher Glut raste der Hölle wüstes Geflacker. Die Türme brannten. Alles war zum Skelett einer anklagenden Ruine geworden. Dort oben hatte der Rabe gesessen …
Eine mächtige Eiche hatte Feuer gefangen und stand in hellen Flammen. Es sah aus, als leuchtete ein fackeltragender Riese zu dem höllischen Treiben!
Rot dampften die Pflastersteine von Menschenblut, das sich mit dem Windgebraus mischte. Wenn die Scheiterhaufen aufloderten, blinkte der Widerschein im Gold und Silber der Tischgeräte. Da tafelte er nun, der Kaiser, mit seinem Gefolge. Die Klingen, die noch eben gemordet hatten, zerteilten jetzt friedlich den Braten von Lämmern, Hasen und Fasanen. Trommeln, Hörner und Posaunen einten sich zu einer wahnwitzigen Musik. Man sang und schrie und trank und frass und kotzte sich. Weiber sah man zwischen Priestern und Rittern und Landsknechten, Bischofshüte und Bischofskreuze zwischen blutbefleckten Wurfspeeren und Hellebarden.
Auf einem Thronstuhl zuoberst an der langen Tafel sitzt Ratbert, bleich und befriedigt. Griechische Sänger singen vor ihm, preisen ihn als Cäsar, König, Sieger, Genius und Gott: und dazwischen tönt aus der Tiefe herauf das Todesröcheln der Überlisteten … Die Luft ist verpestet vom Dunst warmen Blutes und frischer Leichen … die Schmausenden suchen den Gestank mit Essenzen und Gewürzen in Silberschalen und mit Weihrauch zu verscheuchen, der frommen Gefässen entströmt. Bluthunde stehen im Dunkel und nagen an Knochen … Wenn die Eiche auflodert, glaubt man ein Menschenantlitz zwischen den gefletschten Hundezähnen zu sehen …
Pagen und Kriegsknechte, noch erhitzt von dem Gemetzel, warten bei der Tafel auf. Unter dem klaren Abendhimmel brennt in blaulohenden Schalen der Trank der Liebe, der Willkommtrunk. In Gläsern funkeln Würzweine, und Schaumweine perlen und brausen … Alle Lippen trinken und küssen, umschwült von glutheisser, schwerer Luft, durch die der Gemordeten grauenvolle Geister racheheischend schweben …