„Ei, thut nur nicht so unwissend,“ lachte die junge Frau, „es weiß es ja jeder, daß er Euch gar zu gern zur Frau Stadtschreiberin machte.“

„Wie mögt Ihr nur so sprechen,“ stotterte Magdalene, „Ihr wißt doch — — ich bin ja längst — — wollet mich doch mit solchen Reden verschonen, die mir wehthun, da ich mein Wort ....“

„Solltet Ihr wirklich immer noch an jenen jungen Gesellen denken, Magdalene,“ fragte in strengem Ton eine ältere Frau, die Gattin des gebietenden Bürgermeisters Friedrich Volkamer, „an jenen Adam Krafft, welcher seine Vaterstadt vor langen Zeiten verließ, da Ihr noch ein halbes Kind wart? ich kann Euch bei Euren Jahren kaum für so thöricht halten.“

„Wir haben uns damals Treue versprochen, gestrenge Frau,“ erwiderte Magdalene mit niedergeschlagenen Augen, „könnt Ihr es tadeln, wenn ich mein Wort halte?“

„Gewiß nicht, solange man vernünftigerweise auf Adams Rückkehr rechnen konnte, aber wie lange ist es denn her, seit er fortging?“

„Zwanzig Jahre werden es im nächsten Frühjahr,“ sagte Magdalene, und ein schmerzliches Zucken spielte um ihren Mund.

„Zwanzig Jahre!“ rief die lebhafte Frau Hallerin, „lieber Himmel, da war ich noch ein kleines Kind, das kaum gehen und sprechen konnte! Und die ganze Zeit habt Ihr gewartet, Base Lenchen? Heilige Agathe, welche Geduld — mir wäre sie schon zehnmal gerissen! Und wie lange denkt Ihr getreue Eva noch auf Euren Adam zu harren?“

„Bis er aus der Fremde zurückkehrt.“

„Und wenn er gar nicht kommt? wenn er längst gestorben ist, oder im Auslande Euer vergessen und eine andre Frau genommen hat?“

„Das hat er sicher nicht gethan, — und sollte er nicht mehr leben, so hoffe ich ihn im Paradiese wiederzufinden.“