„Hexe!“ murmelte er und warf ihr einen stechenden Blick zu. „Strenge dein Hirn an, einen andern Plan auszusinnen; in diesem öden Nest mag ich nicht länger bleiben.“
„So geh deiner Wege, wohin du willst; glaubst du, Frau Kunigunde werde dich fußfällig bitten, zu bleiben? sie ist unser längst überdrüssig, und der Alte auch; deine schön aufgeputzten Lügen konnten es ihm doch nicht lange verhehlen, welch ein Erzschelm dahinter steckt.“
„Weib, reize mich nicht!“ rief Veit grollend, „ich bin nicht in der Laune für Sticheleien.“
„Nur gemach, lieber Herr,“ sagte Walburg, „seid nur nicht gleich so hitzig, sondern laßt uns vernünftig über die Sache reden; was begehrt Ihr eigentlich von mir?“
„Ich wollte dir auch raten, verständig zu sein,“ brummte er. — „Sage deinem Alten, er solle uns ein Schlößchen geben, in dem wir unsre eignen Herren sind, — ich bin es müde, mir jeden Trunk Wein vom alten Daniel zu erbitten.“
„Und wovon sollen wir dort leben? Willst du ein Bauer werden und die Scholle beackern, damit wir Brotkorn gewinnen?“
„Weit gefehlt! Gieb mir nur eine Landstraße zu ritterlichem Erwerb; ein einziger, glücklicher Fang eines Nürnberger Krämerzuges macht uns für viele Wochen satt.“
„Ich will es versuchen,“ sagte Walburg nach kurzem Besinnen, „aber dann gieb auch zu, daß ich dein kluges, wackres Weib bin, das du gar nicht entbehren kannst.“
„Meinetwegen,“ versetzte Veit nachlässig, „du bist die schlechteste nicht, nur deine Zunge ist allzu spitz und giftig, und das macht mich manchmal wütend; halte sie besser im Zaum.“
Die Wünsche der Rotenhahns fanden bei dem Ritter ein willigeres Ohr, als jene erwartet hatten; selbst er hatte allmählich eingesehen, daß ein längeres Zusammenleben keinem zum Heil gereichen würde. Er besaß außer Maltheim noch Hohenheiligen, dessen Flur er an Herrn Ebner verpfändet hatte, doch gehörte die alte Burg nicht in das Pfandlehen hinein. Freilich war sie in der großen Nürnberger Fehde arg verwüstet und teilweise niedergebrannt worden, aber ein Flügel stand noch und ließ sich mit geringem Aufwand bewohnbar machen. Junker Veit ritt hinüber und fand die Lage günstig; die Burg stand am Rande des Reichswaldes, der den dürren Sandboden um Nürnberg auf Meilen weit bedeckte; bis zur Heerstraße war es nur ein mäßiger Ritt. Er sah im Geiste schon die langen Warenzüge der reichsstädtischen Kaufleute dort vorübergehn und in seine Hände fallen; in bester Stimmung rüstete er sich zum Umzuge.