Die tobten lustig in Hof und Feld umher und fragten nicht viel nach Wind und Wetter. Für Berthold war kein Baum zu hoch, kein Bach zu breit, kein Streich zu gewagt, und Hans war ein unschätzbarer Gefährte, doch blieb er stets der Verständigere, und seine überlegene körperliche Kraft bewahrte den Gespielen vor manchem Unfall. Als die Jahreszeit vorschritt, Wind und Sonne den unergründlichen Schmutz der Landstraße zu trocknen anfingen, kam Ulrich zuweilen herübergeritten — Burg Maltheim lag kaum eine Stunde weit vom Annenhof entfernt — und nahm an den Spielen der beiden teil. Fand er sie nicht zu Hause, so war er auch nicht traurig, er gesellte sich gern zu Frau Ursula oder zu Margarete, die ihm besonders lieb war; ihr erzählte er allerlei phantastische Geschichten, die ihn beschäftigten, oder beantwortete die altklugen Fragen, die in dem sinnigen Köpfchen auftauchten, und freute sich, wenn die Kleine ihn mit Jubel empfing und ihm mit ernstem Vertrauen zuhörte.

„Sage, Ulrich,“ fragte sie eines Tages, als beide auf den steinernen Stufen vor der Hausthür saßen und sie ihr weißes Kätzchen liebkoste, „kommen die Tiere auch in das Paradies?“

„Nein, Gretel, das kann nicht sein; da kommen nur erlöste Seelen hinein, die den rechten Glauben haben.“

„Das ist aber traurig; soll ich meine Miez und meinen Vogel dort missen? ich habe sie doch so lieb und sie mich auch.“

Ulrich schaute träumerisch vor sich hin. „Eigentlich kann es auch nicht sein,“ sagte er sinnend, „denn die Tiere können lieben und hassen, gut und böse sein, sie müssen also eine Seele haben, und eine Seele kann nicht sterben, sagt Pater Benedikt. Ja, Gretel, wenn ich’s recht bedenke, müssen die guten Tiere auch ins Paradies kommen und dort in Frieden und Eintracht miteinander leben.“

„O, das ist schön!“ rief die Kleine froh, „wo sollten auch all die lieben Hündchen und Kätzchen bleiben, die hier immer um uns sind? Aber, Ulrich,“ hob sie wieder zweifelnd an, „werden sie in dem Frieden auch recht glücklich sein? Sieh, meine Mieze ist nie so zufrieden, als wenn sie ein Mäuschen jagen und fangen kann; zuerst weinte ich darüber und wollte es ihr wehren, aber Mütterchen schalt mich thöricht und sagte, das sei Katzenart, davon könne sie nicht lassen. Wie soll es damit im Paradiese werden?“

Aus diesem Dilemma wußte Ulrich keinen Ausweg, und beide versanken wieder in tiefes Nachdenken. „Ich hab’s!“ rief Margarete plötzlich mit glänzenden Augen, „die bösen Mäuschen werden ins Paradies geschickt, damit die guten Katzen sie dort greifen können; so haben sie ihren Lohn und jene ihre Strafe. Nicht wahr, Ulrich, so ist’s recht?“

„Wohl möglich, du kleine Weisheit,“ versetzte er, indem er mit aufrichtiger Bewunderung in das strahlende Gesichtchen blickte, das gespannt zu ihm aufsah; „wie kommen nur all die großen und klugen Gedanken in diesen kleinen Kopf?“ —

Ein andermal erzählte er ihr die Geschichte der Sündflut und malte ihr in den lebhaftesten Farben den Untergang aller lebenden Wesen aus, mit Ausnahme der wenigen, welche in der Arche rettende Aufnahme fanden. Die grauen Augen seiner Zuhörerin wurden immer größer vor angstvoller Spannung, endlich schimmerten sie feucht von verhaltenen Thränen. „Warum mußten denn alle die armen Menschen so grausam ertrinken?“ fragte sie.

„Weil sie böse waren und den Geboten des Herrn nicht gehorchen wollten,“ erwiderte Ulrich.