Er blinzelte und gähnte, ohne seine Stellung zu verändern. „Rüste dich, und ziehe auf die Jagd aus,“ fuhr sie fort, „die Kammer ist leer, kein Stücklein Fleisch oder Speck im Vorrat, das Mehl in der Tonne bedeckt kaum noch den Boden, der Wein ist ausgetrunken. Schaffe neue Vorräte an, oder Schmalhans wird unser Küchenmeister sein, und den liebst du am wenigsten.“
„Schicke die Knechte aus,“ sagte er schläfrig.
„Miklot behauptet, er könne nicht zu Pferde steigen: der Stich, den er neulich ins Bein erhalten, schmerze noch zu sehr; und Janko will nicht allein reiten, er sagt, die verdammten Bauern fahndeten zu hart auf ihn, einer könne sich ihrer schlecht erwehren.“
„So laß die Knaben ausziehen und dir ein paar Hühner oder ein Schweinchen von der Weide holen.“
„Meinst du, ich würde die unschuldigen Lämmer noch einmal den Knütteln der elenden Dorfbuben aussetzen? Emmo ist kaum noch kenntlich, so haben ihm die Schufte das Gesicht zerbläut, und Balduins Rücken ist mit Beulen überdeckt, daß ich Tag und Nacht daran kühlen muß. Du magst es vergessen, daß die Knaben von ihrer Mutter Seite her aus altem, edlem Geschlecht stammen, ich habe es immer vor Augen und werde sie vor Unwürdigem zu bewahren wissen, obgleich ihr Vater nur ein landläufiger Abenteurer ist.“
Mit einem Satz war Junker Veit auf den Füßen, „Hochmütige Hexe!“ knirschte er zwischen den Zähnen, „willst du mich rasend machen?“ Sie entfloh vor seinem wilden, drohenden Blick in ihr eignes Gemach; eine Weile saß sie dort still in bebender Angst, dann lauschte sie auf die unten erschallenden Tritte. „Er rüstet sich!“ sagte sie triumphierend, „ich habe ihn aufgerüttelt. Es versteht es doch keiner, mit ihm fertig zu werden, als ich allein!“
Als am Abend dieses Tages Junker Veit und Janko mit reicher Jagdbeute heimkehrten, empfing Walburg den Gatten aufs freundlichste.
„Seid willkommen, teurer Herr,“ sagte sie mit liebevollem Lächeln, „und habt Dank, daß Ihr meine Vorratskammer so reich versehen habt. Ich wußte es ja, daß dieser starke Arm die Seinen nicht würde darben lassen.“
Er küßte sie flüchtig auf die Stirn, und der oft getrübte Friede war wieder einmal geschlossen. —
Am nächsten Mittag stieß der Türmer ins Horn. „Was siehst du?“ rief Junker Veit zu ihm hinauf.