„Es kommen drei Reiter von der Stadt her; sie tragen die Abzeichen von Nürnberg und ein weißes Fähnlein, zum Zeichen friedlicher Gesinnung.“
„Viel Gutes werden sie mir nicht bringen,“ meinte der Junker, „ich glaube nicht, daß die Krämerseelen mir besonders gewogen sind. Doch man kann ja hören, was sie wollen.“
Er stieg hinab rief die beiden Knechte zu sich, ließ die Zugbrücke fallen und stellte sich am Anfang derselben auf, Janko und Miklot hinter sich, doch so, daß sie von den Ankommenden nicht gesehen werden konnten. Die Reiter hielten vor der Brücke still. „Was ist Euer Begehr?“ rief Veit ihnen zu.
„Wir sind vom wohllöblichen Rat der Stadt Nürnberg gesendet, um eine Ladung an den Junker Veit von Rotenhahn zu überbringen.“
„Ich bin es selber; sprecht aus, was Ihr zu sagen habt.“
Der vorderste Reiter zog aus dem Schaft seines hohen Stiefels ein Papier, an dem ein großes Siegel hing, entfaltete es und begann mit lauter Stimme zu lesen. Es war eine genaue Aufzählung all der Übertretungen, deren sich der Inhaber der Burg Hohenheiligen schuldig gemacht hatte, — und eine mächtige lange Reihe hatte man zusammengestellt, wovon schon die Hälfte genügt hätte, dem Übelthäter an Kopf und Kragen zu gehen. Zum Schluß ward der Junker vor das städtische Gericht geladen, um sich wegen dieser Anklagen zu verantworten.
Veit hatte mit belustigtem Zwinkern zugehört und sich behaglich den Bart gestrichen; als die Lesung beendet war, brach er in ein höhnisches Gelächter aus. „Sagt dem gestrengen Rat: auch die Nürnberger hängten keinen, sie hätten ihn denn, und mich sollen sie noch lange nicht haben! Was schert mich der Rat der Stadt? ich bin ein freier Mann auf eignem Grund und Boden und lache der städtischen Gerichtsbarkeit. Wollen die Herren mich richten, so mögen sie zu mir kommen, wir wollen sie gastlich und mit Ehren empfangen und ihnen ein lustiges Tänzlein aufspielen! Zum Zeichen aber, daß Veit von Rotenhahn nicht mit sich scherzen läßt, behalte ich diesen großmäuligen Patron als Geisel in meinem Gewahrsam.“
Damit warf er sich auf den überraschten Reiter und riß ihn vom Pferde; Janko und Miklot waren wie der Blitz an seiner Seite, und ehe der Mann sich von seinem Schrecken erholt hatte, war er schon innerhalb des Thores. Ratlos sahen die beiden Begleiter sich an; sollten sie sich gleicher Gefahr aussetzen? ihre Pflicht war es vielmehr, dem Rat diesen neuen Frevel zu melden. Sie gaben ihren Pferden die Sporen und jagten davon; rasselnd fuhr hinter ihnen die Zugbrücke in die Höhe.
Der Gefangene ward gebunden und in einen dunklen, gewölbten Kellerraum geschleppt, der sich unter den Trümmern der alten Burg weit hinzog. „Welche Absicht hast du mit ihm?“ fragte Walburg unzufrieden. „Mich dünkt, er ist nur ein unnützer Esser mehr, der uns gar keinen Nutzen schaffen, sondern die Städter nur noch mehr gegen dich aufbringen kann.“
„Wenn du nichts für ihn zu essen hast, so laß ihn hungern,“ gab Veit gleichmütig zur Antwort; „der feiste Bursche hat so lange an den fetten Fleischtöpfen der Nürnberger gesessen, daß er ohne Schaden eine Weile fasten kann. Übrigens weiß ein kluger Kopf jeden Umstand auszunutzen — wer weiß, ob mir die Stadt nicht ein erkleckliches Lösegeld für ihren Kriegsknecht bietet.“