„Schwerlich!“ versetzte Walburg. „Doch ist er ein ansehnlicher Geselle, und mir ist, als müßte ich ihn von früher her kennen.“

Sie grübelte darüber nach, wo sie ihn schon gesehen haben könnte; die dunkle Erinnerung vermischte sich mit Bildern aus ihrer Jugend — jetzt hatte sie’s: es war Klaus Zworrer, der Ehemann jener Frau Barbara, welche schon im Dienst ihrer Stiefmutter gestanden, als sie selbst noch als Mädchen auf Maltheim lebte. Walburg hatte sich bei ihrem langen Besuch im Vaterhause genau nach allen Umständen erkundigt, welche sich an die wunderbare Genesung der kleinen Irmgard knüpften; sie hatte erfahren, daß Barbaras Gatte gerade damals für kurze Zeit ein Gast auf der Burg gewesen war. Vielleicht ließ sich von dem Manne etwas herausbringen, was darauf Bezug hatte, und seine Gefangennahme erwies sich wirklich als eine nutzbare That ihres Ehegemahls, vor dessen schlauen Anschlägen sie eine große Ehrfurcht empfand.

Nachdem der Gefangene zwei Tage lang ohne Speise und Trank in seinem dunklen Gewahrsam gelegen hatte, stieg Frau Walburg selbst zu ihm hinab, in einer Hand eine Laterne, in der andern einen Krug Bier und ein Brot im Arm. Sie stellte alles in einiger Entfernung vor dem Manne nieder, so daß er es, vermöge seiner Bande, nicht erreichen konnte und betrachtete ihn aufmerksam. „Gebt mir zu essen,“ stöhnte er mit trockner Kehle, „ich verschmachte vor Hunger und Durst.“

„Ihr sollt alles erhalten,“ versetzte sie, „doch müßt Ihr Euch dafür erkenntlich zeigen.“

„Was kann ich thun?“ röchelte er „elend gefesselt und halb tot?“

„Ihr seid der Ehemann jener Frau Bärbel, die früher im Dienst der Herrin auf Maltheim stand?“

„Ja, der bin ich.“

„Wollt Ihr mir aufrichtig und ohne Rückhalt einige Fragen beantworten?“

„Alles, was ihr wollt — nur gebt mir zu essen und zu trinken.“

Sie schnitt ein Stück Brot ab, füllte einen kleinen Becher mit Bier und reichte ihm beides; er ergriff es mit Gier und verschlang es mit tierischem Heißhunger. „Mehr, mehr!“ stöhnte er.