„Sehr froh; es wird meinem Namen neuen Glanz verleihen. Wilibald Ebner von Hohenheiligen — klingt das nicht ebenso vornehm, wie einer der alten Ritternamen?“
Sie sah ihn überrascht an. „Ich glaubte, Ihr haßtet den Adel, Wilibald.“
„Ich hasse ihn, so lange er über mir steht und hochmütig auf mich herabblickt; wenn ich ihn besiegt habe, hört der Haß auf. Meine Kinder sollen nicht geringer sein, als die der stolzen Burgherren, und mein Sohn soll einen angesehenen Namen auf seine Nachkommen vererben!“
Neuntes Kapitel.
Der Sturz des Tyrannen.
Zittre, du blut’ger Tyrann! denn über dir thronet ein Rächer,
Der dich vom prangenden Stuhl stürzt in die Tiefe hinab.
Es war im März des Jahres 1477. In der Schenke zum blauen Affen ging es heute sehr lebhaft zu, Trudel und Nelleke hatten alle Hände voll zu thun, um die Gäste zu bedienen; sie flogen mit leeren und vollen Bierkrügen hin und her, während Frau Bärbel in einsamer Hoheit hinter dem Schenktisch thronte und mit Feldherrnblick das bunte Gewühl überschaute. Sie behielt jeden Trinker im Auge und schrieb auf die schwarze Tafel mit Kreide allerlei Hieroglyphen, welche jedem andern unverständlich waren, von ihr aber mit unfehlbarer Sicherheit in die Rechnung für den betreffenden Zecher übersetzt wurden. Es war ein entlassener Kriegsknecht eingetroffen, von Geburt ein Nürnberger, der in burgundischem Sold gestanden hatte und nun in die Heimat zurückgekehrt war. Er hatte viel zu berichten; der Kreis, der sich um ihn sammelte, wurde immer größer und dichter, und immer wieder öffnete sich mit schrillem Glockenton die Thür, um neue Gäste einzulassen.
Ein wenig abseits von dem großen Haufen saß an einem kleinen Tischchen Hans Fiedler. Er kam oft hierher, aber nicht, um zu zechen, sondern um zu zeichnen, denn er fand hier manchen interessanten Charakterkopf, an dem er seine Studien machte. Frau Bärbel war ihm sehr gewogen, denn sie kannte seine Großmutter von altersher und schenkte ihm stets ein volleres Maß Bier ein, als sein schmaler Beutel ihm zu bezahlen erlaubte. Während er aufmerksam die Gruppe der Männer beobachtete und ihre Gesichter festzuhalten suchte, lauschte er zugleich auf ihr Gespräch.
„Ja, ja, so ist es,“ sagte der Kriegsknecht, „Ihr mögt es glauben oder nicht, der mächtige Burgunderherzog ist tot, mausetot; die schweizerischen Eidgenossen haben ihm den Garaus gemacht. Bei Granson verlor er das Gut, bei Murten den Mut, bei Nanzig das Blut — nun ist’s vorbei mit all seiner Herrlichkeit. Ich selbst war unter denen, die seine Leiche suchten und endlich in einem Graben fanden, halb entkleidet, von Speerstichen durchbohrt, mit geronnenem Blut überströmt — ein jammervoller Anblick!“