„Du bist krank, liebe Mutter,“ sagte Margarete besorgt, indem sie die schlaff herabhängende Hand ergriff und dann leise ihren Kopf berührte, „deine Hände sind kalt wie Eis, und deine Stirn brennt wie im Fieber. Gewiß hast du zu lange gefastet.“ Sie eilte hinaus und kam bald mit einer silbernen Platte zurück, auf der ein Becher mit Wein und ein Teller mit Brot und Fleisch stand. „Iß und trink, mein Mütterchen,“ sagte sie liebevoll dringlich, „es wird dir gut thun.“

„Ich kann nicht — laß mich — laß mich allein mit meinem Jammer — o ihr Heiligen des Himmels, wie soll ich es tragen — Gott, du Barmherziger, habe Mitleid mit uns — o heilige Anna, sei nicht so grausam —“ so klang es in wirren, abgebrochnen Lauten von ihren Lippen. Tödlich erschrocken stand das Mädchen eine Weile neben ihr und suchte sie zu beruhigen, aber vergebens; die Kranke sah und hörte nichts. Endlich schlich Margarete hinaus, sagte Berthold, die Mutter sei nicht wohl, er möge getrost von dannen reiten, und eilte dann nach dem Schreibzimmer ihres Vaters. Es wagte sonst selten jemand, ihn in diesem Heiligtum zu stören, wenn es sich nicht um dringende Geschäfte handelte, daher klopfte sie nur leise an die Thür und trat schüchtern ein. „Verzeiht, lieber Vater, daß ich Euch unterbreche, die Mutter ist — — sie ist wohl krank, denn sie spricht seltsame Worte, — wollt Ihr nicht zu ihr kommen?“

Herr Wilibald sah erstaunt auf. „Die Mutter war heute früh ganz gesund, was sollte ihr plötzlich fehlen? Sie wird müde sein, rufe die Magd zu Hilfe und bringt sie zu Bette.“

„Wollt Ihr nicht selbst kommen, lieber Vater?“ bat Margarete dringend, „die Magd könnte sich unrichtige Gedanken machen, die Mutter redet so sonderbar.“

Herr Ebner stand mit etwas ungehaltener Miene auf und schloß sein Pult zu. „Du bist doch sonst mein verständiges Mädchen; wie kannst du dich heute gleich so erschrecken lassen?“

Er ging mit ihr hinauf; Frau Ursula lag noch in derselben Stellung auf ihrem Bett; bei dem Tritt ihres Gatten fuhr sie zusammen und wendete sich ab, als wolle sie sich völlig vor ihm verbergen. „Was fehlt dir, liebe Ursula?“ fragte er freundlich.

Keine Antwort — nur ein Wimmern und Stöhnen, angstvoll gestammelte Worte, die wie: „Gnade, Erbarmen!“ klangen.

„Laß uns allein, Margarete,“ sagte Herr Ebner sehr ernst, „und sorge dafür, daß uns niemand störe.“ Er ergriff Ursulas Hände. „Steh auf, liebes Weib, und sage mir, was so plötzlich über dich gekommen ist; drückt dich Leid und Sorge, so habe ich ein Recht, es zu wissen, um dir zu helfen.“

Sie richtete sich langsam empor und warf sich dann mit einer leidenschaftlichen Gebärde zu seinen Füßen nieder. „O mein Gatte, Ihr werdet mir zürnen, mich vielleicht verstoßen — ach, und es wendet doch das Schlimmste nicht ab!“

Er zog sie zu sich hinauf und schlang den Arm um sie; sie lehnte ihr Haupt an seine Schulter, und leise, oft von Weinen unterbrochen, begann sie also: