Der Kingani (auch Rufu und zwischen Kidunda und Usungula Mpezi genannt) wälzt sein rothbraunes, süßlich schmeckendes Wasser von Usungula in vielfach geschlungenem Lauf mit nordöstlicher Richtung dem Meere zu. Seine Breite schwankt im untern Lauf je nach der Jahreszeit zwischen 15 und 45 m. Die Thalebene, die bei Kiranga Ranga eine Breite von 11 km besitzt und bei Dunda auf 4 km sich verengt, erweitert sich bei der Fähre von Bagamoyo und Bikiro bis zu 13 km. Seine Ufer sind schlammig. Er wird eingeschlossen von den Plateaurändern von Ukwere auf der linken Seite (105 m) und von Usaramo auf der rechten Seite (allmählich ansteigend von 22 und 38 m bis zu 58 m bei Dundunguru). An seiner Mündung schließen sich mit Mangrovewaldungen dicht umsäumte Lagunen an. Er ist bis Dunda zu jeder Jahreszeit schiffbar, zur Regenzeit noch 20 km weiter stromaufwärts.

Klima.

Das niedrige, weitausgedehnte Plateau von Usaramo gestattet dem feuchten Küstenklima den Zutritt bis tief in die Thäler von Kutu, die Hochfläche von Ukwere hingegen hält die vom Meer aufsteigende Feuchtigkeit von dem Tiefland von Ukami ab. An der Küste weht von 9 oder 10 Uhr vormittags angefangen tagsüber der Seewind, nach Sonnenuntergang bringt der Landwind entsetzliche Schwüle. Man bemerkt noch in Sungomero am Vormittag und am Abend die Seebrise. Der über die erhitzte Ebene streichende Wind begegnet im Innern den vom Gebirge herabfließenden kühlern Luftströmungen, weshalb in Kutu mit Ausnahme einiger Wochen im Januar fortwährende Feuchtigkeit herrscht und häufige Niederschläge sich einstellen. An der Küste und nahe landeinwärts tritt zwischen der großen Regenzeit (März bis Mai) und der kleinen (October und November) eine ausgesprochene andauernde Trockenzeit ein. Wird einerseits Kutu durch den Wechsel von Seewind und Bergwind fast unaufhörlich in Dunst gehüllt, dem sehr empfindlichen plötzlichen Austausch zwischen Schwüle und Kälte ausgesetzt und durch die aus faulender Vegetation aufsteigenden Giftgase in eine nie versiegende Brutstätte des Fiebers verwandelt, so genießt Ukami, dank Ukwere und den eigenen Bergen, nicht nur den befruchtenden Segen intermittirenden Regens fast in allen Monaten, sondern auch eine gleichmäßigere, angenehmere Temperatur und besitzt deshalb weit günstigere Gesundheitsverhältnisse als Kutu und der größere Theil von Usaramo.

Um einen ziffermäßigen Vergleich der Temperaturen anzustellen, kann man nur die Aufzeichnungen Burton’s[12] und die Tabellen von O. Kersten in Bezug auf Kutu, Usaramo und Sansibar benutzen; und auch bei Burton genügen allein die Angaben über Sungomero den Anforderungen annähernd erschöpfender Genauigkeit; denn für Usaramo sind es zu wenig Beobachtungstage und die hier gebrauchte Ortsangabe „auf dem Rückmarsch” ist zu allgemein. Thomson[13] hat wol auch eine Reihe von Thermometerablesungen angegeben, aber sie dürften bei dem Mangel der Stunde, ja in den meisten Fällen der Tageszeit überhaupt, nur in ganz beschränkter Weise einige Verwerthung finden.

Mitteltemperaturen für Usaramo und Kutu im Vergleich
mit Sansibar.



Monat.Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.R.°R.°


V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renz

JanuarSansibar292122,821,423,520,43,1
(Februar)Kondutschi, an der Küste12029,721
JanuarPlateau von Usaramoca. 30–60101931,622,634,618,616
JanuarSungomero in Kutu1532317,929,421,734,618,616
V. 10 U.N. 4 U.N. 6 U.
AugustSansibar2819,420,621,816,65,2
(Juli)Kaole, an der Küste321,421,7
AugustSungomero153718,920,823,6185,6

Temperaturen in der Thalebene und im Gebirge vom Kutu.



Monat.Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.R.°R.°


V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renz

December (Ende)Mabruki-Paß u. Kirengwe600 u. 2044 18,727,522,4
Jan.(Anf.)Sungomero153 4 1832,722,1
Juli(Anf.)Mabruki-Paß u. Kirengwe600 u. 204 7 15,318,522
Aug.(Anf.)Sungomero153 720,8

Anmerkung. Die Aufzeichnungen Burton’s für das Festland sind nicht genau um 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags gemacht, sondern bei „Sonnenaufgang” und „Sonnenuntergang”. Die Temperaturen auf dem Mabruki-Paß Anfang Juli stammen von J. Thomson, der sie „am Morgen, Mittag und Abend” notirte.

Betrachtet man die Durchschnittstemperatur im Monat Januar für Sansibar und Sungomero, so springt der bedeutende Unterschied in die Augen; in Sansibar steigt und sinkt während des Tages und der Nacht das Thermometer kaum um 2° R., in Sungomero dagegen kühlt sich die starke Mittagshitze rasch in zwei bis drei Stunden um 7,1° R. und während der Nacht noch um 4,2° R. ab. Noch deutlicher zeigen sich die starken Differenzen, wenn man die Schwankungen der Temperatur nicht im Monatsmittel, sondern an einzelnen Tagen, wie bei Burton zu finden ist, beachtet.