Nach der allgemeinen Gestaltung und nach den klimatischen Verhältnissen hat das Gebiet des Kingani drei voneinander getrennte Eigenthümlichkeiten in Bezug auf die Pflanzenbedeckung: der schmale Küstensaum producirt außer Getreide eine große Anzahl tropischer Früchte, er zeichnet sich durch Kokospalmen und Kopalwaldungen aus, in denen das halbfossile Harz in ungeheuerer Menge und von besonderer Güte ausgegraben wird; das Plateauland ist wegen der ausdörrenden Hitze und der Lateriteigenschaft des Bodens mit wenigen Ausnahmen gänzlich unfruchtbar und die Thalsohle des Kingani wegen seiner morastigen Beschaffenheit höchstens für vereinzelte Reisculturen verwerthbar; die Gebirgsgegenden von Ukami und Kutu strotzen von der Fähigkeit, die reichsten Früchte dem Anbau zu gewähren, liefern aber theils wegen der mächtigen Urwälder, theils wegen geringer Bevölkerung und herrschender Fieberluft kaum viel mehr als den Bedarf der täglichen Nahrungsmittel.

Nur in Bezug auf Kutu muß hervorgehoben werden, daß der in Sungomero gebaute Taback sehr gesucht ist und bis an die Küste verschickt wird und daß in seinen Waldungen Schätze von Kautschuk verborgen liegen.

Charakteristisch für das ganze Gebiet ist das Nichtvorhandensein von Rinderheerden; entweder gedeiht kein Futtergras, sondern nur das harte, hohe schilfartige, mit Giftpflanzen in ungeheuerer Menge untermischte, oder die Tsetsefliege vernichtet mit ihrem tödlichen Stich jede aufwachsende Zucht.

Man findet, je nach der Beschaffenheit der Bezirke, Felder von Reis, Zuckerrohr, Taback (besonders in Kutu), den Stechapfel (Datura stramonium), Reis, Hirse, Sesam, Erdnüsse, Bohnen, süße Kartoffeln, selbst Ananas und Orangen (doch nur an der Küste); wild wächst der Bang (Hanf), die Baumwoll- und die Ricinusstaude. An Bäumen wird sorgsam gepflegt die Kokospalme, der Mango- und der Melonenbaum. Mit der Einführung der Oelpalme wurde bei Dar-es-Salaam ein halbgelungener Versuch gemacht. Die Wälder bestehen in der Küstenniederung besonders aus Mangrove- und Kopalbäumen, im Gebirge aus Fächerpalmen, Wollbäumen, Mimosen, Tamarinden und gummireichem Schlinggewächs.

Erprobte Culturfähigkeit des Bodens zeigt sich an der Küste, an ein paar Stellen des Plateaurandes längs des Kingani und in den Thälern des Gebirges.

Wild ist selbst in den weiten Savannen Usaramos wenig vorhanden. Wer vom Jagdglück begünstigt ist, kann bei Kidunda am Kingani und am obern Gerengere hie und da Heerden von Antilopen, Zebra und Büffeln antreffen. Auch dem Leoparden kann man begegnen, höchst selten dem Löwen. Desto massenhafter erscheint im Kingani das Flußpferd und das Krokodil, und im Ufergestrüpp eine Menge von Schlangen, doch von ungefährlicher Natur.

Außer den gefürchteten riesigen Ameisenzügen ist die Hauptplage des Landes die Tsetsefliege; sie herrscht verderbenbringend namentlich in Ukami (aber nicht in Mrogoro); sie verschont nur die Menschen, Ziegen und säugenden Kälber.

Als Hausthier trifft man überall Ziegen und Hühner; Schafe jedoch in geringerer Anzahl.

Die einzelnen Landschaften und ihre Bevölkerung.

Usaramo.