Westlich von Dar-es-Salaam, 20 km entfernt, befindet sich das hübsch auf einer sanften Erhebung gelegene Pugu, wo eine Station der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und ihr gegenüber auf steil abfallender Höhe eine Niederlassung der bairischen katholischen Benedictiner-Mission errichtet worden waren. Man hat den Versuch gemacht, in dieser freundlichen Gegend Taback zu pflanzen.
Auch inmitten der öden monotonen Hochfläche (südwestlich von Liwali) wird der Reisende von einer üppigen Landschaft überrascht: es ist Mkamba mit gutbewaldeten Höhen, mit Mango-, Melonen- und Orangenbäumen, mit Korn, Gemüse- und Reisfeldern.
Kopal wird, wenn auch nicht in der Masse wie an der Mrima, doch immerhin die Arbeit lohnend bei Tumba, Makutaniro und westlich von Mkamba ausgegraben.
Bevölkerung.
Die Bewohner der Mrima vom Kingani bis zum Rufidschi sind aus denselben Elementen zusammengesetzt, wie diejenigen an der Küste von Useguha (siehe S. [140]): aus den Wamrima und Suaheli. Die Dorfhäuptlinge der Wamrima heißen „Jumbe”; sie sind es, welche die aus dem Innern kommenden Karavanen mittels Tributforderungen und Ueberfahrtszöllen, so namentlich an der großen Fähre über den Kingani bei Bagamoyo, auf das Unverschämteste ausgebeutet haben und eine Veränderung der politischen Verhältnisse als ihren persönlichen Nachtheil betrachteten. Die Wamrima im Bezirk Kwale (südlich von Dar-es-Salaam) vom Mbesi bis Mangatani standen, als sie Elton 1874 besuchte, unter einem einheitlichen Herrscher, Kimwere; die Jumbe hatten als Rathgeber einen „Jemader” zur Seite. Bedurfte der Jumbe erhöhtes Einkommen oder verlockten ihn die von den Indern in Aussicht gestellten Verkaufspreise, so befahl er seinen Unterthanen in die Wälder zu ziehen und Kopal zu graben. Niemals duldete er, daß die Inder selbst oder die Dorfbewohner aus eigenem Antrieb die Kopalreichthümer sich verschafften. Er besaß das ausschließliche Monopol der Kopalgräberei und strich für seine Person einen beträchtlichen Antheil am Gewinn ein. Beim Export mußte noch ein 20% betragender Zoll an den Sultan entrichtet werden. So blieb den Arbeitern, d. h. den gewöhnlichen Dorfbewohnern, selbst nur ein mäßiger Lohn.
In Bagamoyo und Dar-es-Salaam sind als gebietender Theil die Araber von Sansibar ansässig; zu ihnen gesellen sich als Händler, Unterhändler und Zollbedienstete die Inder; an den Küstenplätzen südlich von Dar-es-Salaam liegt in den Händen der letztern fast ausschließlich der ganze Handel mit dem Binnenland und Sansibar.
Die Wasaramo am Kingani waren zu Burton’s Zeiten der Schrecken der Karavanen; wurden ihre Forderungen nicht vollauf befriedigt, so erklärten sie sofort den Krieg; zuweilen überfielen sie auch die Reisenden plötzlich und hinterlistig. Das dürfte sich nach den Berichten aus neuerer Zeit wesentlich verändert haben; der friedfertige Charakter der Eingeborenen in der Mitte des Plateaus, in Mkamba und Kikonga, wie Thomson ihn schildert, scheint auch bei dieser Bevölkerung, mindestens bei jener am untern Kingani, die Oberhand gewonnen zu haben. Uebrigens ist ihnen stolzes Selbstvertrauen auf eigene körperliche Kraft und geistige Findigkeit in höherm Grade verblieben als den benachbarten Wakutu.
Die Wasaramo sind gut gebaut, dunkelbraun bis tiefschwarz, von ausgeprägtem Negertypus. Sie tragen Baumwollzeuge um die Lenden, die Reichern weiße Hemden und Fes, die Frauen ein Busentuch, Perlhalsbänder und um die Handgelenke Messingspangen. Man sieht bei ihnen häufig einen eigenthümlichen Halsschmuck (Mgoweko), eine Art von Cravatte von rothen, gelben, weißen und schwarzen Perlen, mit Holzstücken dazwischen. Das Haar wird mit rother Erde steif pomadisirt. Sie kennen weder Beschneidung noch Tätowirung. Ihre Hauptbewaffnung bestand früher aus Speeren und vergifteten Pfeilen; jetzt trifft man auch bei ihnen Feuergewehre, wenn auch in geringer Menge an. Daß sie von jeher einen höhern Grad von Cultur erreichten, beweisen die Wohnungen der Häuptlinge und Wohlhabenden: sie sind aus Lehm, viereckig, mit zweiseitigem Strohdach und einer Veranda, im Innern in Zimmer abgetheilt.
Die Wasaramo betreiben Ackerbau und Kopalgräberei; ja sie verdingen sich nicht nur als Träger, sondern auch zur Arbeit an die Küste. Eine Anzahl von mehrern, aus 5–6 Hütten bestehenden Ansiedelungen steht unter einem Häuptling, dem „Fasi”, dem ein erster Rathgeber, Mwene Goha, beigegeben ist. Eine weiter ausgebildete politische Organisation existirt nicht.
1857 haben sich flüchtende Wadoë bei Makutaniro und Degela-Mora am obern Kingani niedergelassen; ob sie sich erhalten oder ganz verschmolzen, ist nirgend erwähnt. Ebenso wenig wissen wir von den Makamba und Wafangara, die Burton als Unterabtheilungen der Wasaramo bezeichnet, die aber in keinem andern Reisebericht wieder auftauchen.