Ukami.
Die Heimat der Wakami grenzt im Norden und Nordwesten längs des Gerengere an Useguha und Ukwere, im Südosten, dem Mgeta entlang, an Usaramo; der unbewohnte höchstgelegene Theil des Uruguru-Gebirges trennt im Süden von Kutu ab, wie im Westen die Kigambwe-, Kihindo- und Mguruwandege-Gebirge von Usagara.
Schönheit der Gegend, Reichthum der Vegetation und Cultivation des Bodens culminiren in den zwei Parallelthälern des obern Gerengere bei Simbamweni und Mohale. Von Süden und Westen überragen die malerischen Häupter des Uruguru- und Kigambwe-Gebirges die sanft nach Norden verlaufenden Höhenzüge; die schönbewaldeten Abhänge sind bis in die Höhe von 1000 m mit kleinen Dorfschaften übersäet und senden frisch und klar rieselnde Bäche in die Tiefe hinab; die Thalsohle schmücken blumenreiche, Honig liefernde Wiesen, ein seltener Anblick in Ostafrika, und auf den Feldern gedeihen außer Korn, Mais und Bohnen das Zuckerrohr und die Banane. Das Klima gilt im allgemeinen als gesund. Zwei Feinde bedrohen dies Eden: Ueberschwemmungen, die nicht regelmäßig, aber doch häufig mit verheerender Gewalt eintreten, und die Tsetsefliege, welche das Aufblühen einer ersprießlichen Rindviehzucht verhindert. Doch der Ruf des Wohlstandes dieser Gegend war von jeher ein so mächtiger Reiz gewesen, daß ungefähr vor vierzig oder funfzig Jahren ein Stamm der Waseguha von Magubika (westlich von Saadani) unter Führung des Häuptlings Kisabengo aufbrach und nach hartem Kampfe und mit Unterstützung des Sultans Said Soliman von Sansibar sich zum Herrn des Landes machte. Kisabengo legte seine Residenz am Ufer des Mrogoro an, umgab die Wohnhäuser seiner Familie, seiner Rathgeber und vornehmsten Unterthanen mit einer 4 m hohen steinernen Mauer, die mit Thürmen an den Ecken und mit Thoren an den Seiten, durch kunstvoll geschnitzte Thüren verschlossen, sichern Schutz gewährte. Um diese burgartige Wohnstätte des Fürsten siedelten sich an tausend Hütten der Eingeborenen an; eine niedrige Lehmmauer begrenzte und schützte auch sie. Als Kisabengo starb (wahrscheinlich 1867), hinterließ er drei Kinder. Das älteste von ihnen, seine Tochter Simbamweni (d. i. die Löwen-Fürstin), übernahm die Herrschaft und nach ihr ist der Hauptort von Ukami benannt. Ihr ältester Bruder, Kingo Mkuba, ließ sich in Usagara nieder; der jüngere, Kingo Mdogo, verblieb am Mrogoro. Simbamweni, verheirathet mit Mwane Gomera, trennte sich von ihrem Mann und verlegte ihren Wohnsitz nach dem benachbarten, am Tongeni gelegenen Mohale (zuweilen Kunguhera oder Kingruira genannt), sodaß gegenwärtig der Ort Simbamweni oder Mrogoro die Residenz von Kingo Mdogo geworden ist. Nahe auf einem Hügel wurde die französische Missionsstation Mrogoro gegründet.
Von Mrogoro geht die Karavanenstraße durch lichtes Gehölz über den Gerengere und über die hügelige Einsattelung der Kihindo-Berge nach der Makata-Ebene in Usagara.
Um in östlicher Richtung von Mohale nach Musondi am mittlern Gerengere zu gelangen, hat man vor Kiroka einen dichtbewaldeten, steilzerklüfteten Engpaß zu überschreiten, dessen Untergrund aus Quarz und glattem Sandstein besteht. Bei Kongasa befindet man sich mitten in der Gebirgswelt des hohen Uruguru; auf dem schwarzschlammigen Thalboden wird Reis in großer Menge, an den Abhängen Hirse und Korn gebaut. Von dem mächtigen Kungwe- (oder Kira-)Berge senkt sich das Gelände allmählich zum Gerengere hinab als stark gewelltes, schwierig gangbares Hügelland, das zuerst als dürrer Granitboden von Akaziengehölz bekleidet wird und von 12–15 m tiefen Schluchten durchzogen ist, später von einem 12 km breiten Wald von Wollbäumen, Tamarinden und Mimosen überdeckt ist und zuletzt in einer sumpfigen Strecke endet.
Das Gebirge tritt längs des Gerengere bis zur Mündung des Longwe hart an dessen Ufer heran; zwischen diesem und dem Mgeta liegt eine gegen 20 km breite unbewohnte Savannen-Ebene.
Bevölkerung.
Um die Wakami als einen ursprünglichen Stamm aufzufassen oder sie den Waseguha oder Wasagara als Unterabtheilung einzuverleiben, geben die bisherigen ethnographischen Berichte keine genügenden Anhaltspunkte. Man kann nur annehmen, daß sie, verborgen in einem ziemlich hohen Gebirgsland, vom Völkerverkehr getrennt im Norden durch steinige Steppenwildniß, im Süden durch ungangbare Bergeshöhen, sich jedenfalls einen concentrirten Stammescharakter allmählich hätten erwerben müssen, wenn sie nicht durch den massenhaften Andrang von Karavanen und durch fortwährende Sklavenjagden in ihrer eigenartigen Entwickelung gestört worden wären. Was man von ihnen weiß, beschränkt sich darauf, daß sie scheu, gutartig und sehr fleißige Ackerbauer sind, daß ihre meist aus 15–20 Hütten bestehenden Dörfer im Waldgestrüpp versteckt und außerdem durch befestigte Thore geschützt liegen; daß ihre ärmlichen, von Ungeziefer wimmelnden runden Hütten aus Flechtwerk und Erde gemacht sind und sich einer Veranda als einziger Annehmlichkeit erfreuen. Einen Vortheil würden sie, wenigstens den umwohnenden Stämmen gegenüber, dadurch besitzen, daß sie ein einheitliches Stammesoberhaupt in der Person der Fürstin Simbamweni haben. Allein diese Landesmutter scheint sich weniger um die Wohlfahrt ihrer Unterthanen zu bekümmern, als um die Vermehrung ihres eigenen Reichthums, ihres arabischen Prunkes und um die Erhaltung der ihr so nothwendigen Gunst des Sultans von Sansibar. Sie hat ihre Macht jenseit der Kihindo-Berge und über die Makata-Ebene hinaus bis nach Rudewa und Farhani in Usagara ausgedehnt.
Kutu.
Die Grenzen von Kutu ergeben sich im Norden und Westen durch das Uruguru- und Rufutu-Gebirge, im Süden größtentheils durch die Wasserscheide des Mgeta und Ruaha-Rufidschi; im Osten aber kann sie nur willkürlich durch eine Linie angenommen werden, die von Kidunda südlich nach dem Plateaurücken gezogen wird. Mgunda sowol, wie Behobeho, müssen trotz ihrer Lage am Südabhang der Wasserscheide wegen der ansässigen Wakutu zur Landschaft Kutu gerechnet werden.