Aus dem Dorfe Kleinbobritzsch bei Frauenstein stammt der berühmte Orgelbauer Silbermann. Er war der Sohn eines Zimmermanns und sollte Buchbinder werden; dazu hatte er aber keine Lust und so begab er sich nach Strassburg, um von einem dort wohnenden Vetter die Orgelbaukunst zu erlernen. Später kehrte er nach Sachsen zurück. 47 noch vorhandene Orgelwerke verkündigen seinen Ruhm; seine bedeutendste Schöpfung mag die Orgel im Strassburger Münster sein.
Die Strasse, welche von Frauenstein nach Dresden führt, heisst die Butterstrasse, weil auf ihr die erzgebirgischen Bauern ihre Butter nach der sächs. Hauptstadt zu bringen pflegen. – Die Gegend hat ausser guter Viehzucht trefflichen Flachsbau, weshalb auch zu Oberbobritzsch, Mulda und Lichtenberg Flachsbereitungsanstalten eingerichtet worden sind.
Sayda, Stadt, 2092 F. ü. M., mit 1639 E. – 1842 bis auf wenige Häuser niedergebrannt, doch seitdem sauber wieder aufgebaut. – Im Mittelalter war Sayda ein wichtiger Speditionsort für Waaren, welche von Leipzig nach Böhmen gingen. Zu jener Zeit wurde es von vielen Juden, die ein besonderes Viertel, die sogenannte Judenstadt, inne hatten, bewohnt. Die damaligen Festungswerke sind längst verschwunden. – Auf einer Höhe vor der Stadt gute Aussicht in das Obergebirge.
V. Route: Vom Mückenthürmchen nach Teplitz.
Vom Mückenthürmchen nicht auf der bequemen Chaussee, sondern auf steilem Fusswege, welcher die Halden von Zinnbergwerken berührt, hinab nach Obergraupen, dem Abbilde eines ächten Gebirgsdorfes, und dann nach der Stadt Graupen, welche in einem malerischen Engpass gelegen ist. Die Bergstadt Graupen ist eine der lohnendsten Partien im ganzen Erzgebirge und bietet prächtige Aussichtspunkte dar. Von der Ruine Rosenburg hat man einen überraschend schönen Blick auf Graupen, Mariaschein, Kulm, Teplitz, das Mittelgebirge und die Thalwände des westlichen Erzgebirges. Aehnlich, immerhin aber etwas verändert, wird man die Rundschau auf Wilhelmshöhe (Andenken an die öfteren Besuche Friedrich Wilhelm des III.) und Heinrichsruhe finden. Nur 10 Minuten unterhalb Graupen liegt die stattliche und berühmte Wallfahrtskirche Mariaschein.
Man kann über Mariaschein nach dem gleichnamigen Bahnhof gehen und mit dem Dampfwagen (in ¼ St.) nach Teplitz fahren; genussreicher aber ist es, in Graupen den Tollysteig zu erfragen und sich durch den Probstauer Garten und den Turner Park nach Teplitz zu begeben.
Graupen, Stadt 980 F. ü. M., mit 1600 E. Alterthümliche Bauart; die Bewohner treiben Bergbau und Strumpfwirkerei. – An die Rosenburg knüpft sich eine Erzählung von der Gräfin Dohna und dem Ritter Gotsche (Schaf-Gotsche).
Mariaschein, Dorf mit Jesuitenkloster und Seminar. Die im Renaissancestyle erbaute Kirche enthält ein wunderthätiges Marienbild, zu welchem jährlich Tausende aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz wallfahrten.
Teplitz, Stadt an der Saubach, 643 F. ü. M., mit 8000 E. Im breiten fruchtbaren Bielathale, welches das Mittelgebirge vom Erzgebirge scheidet, am Fusse des Wachholderberges reizend gelegen. Die Nähe trefflicher Parkanlagen, die Anwesenheit aussichtsvoller Höhenpunkte und der Anblick mehrerer Gipfel des Erz- und des Mittelgebirges machen die Gegend äusserst angenehm. – Die heissen Quellen[8], (21–38½ °R.), schon um 762 entdeckt, werden fast nur zum Baden benutzt und mit besonderem Erfolg gegen Rheumatismus, Gicht und Lähmung angewandt. Als Bäder sind zu nennen: das Stadtbad, das Fürstenbad, das Sophien- oder Judenbad, das Stephansbad, das Steinbad und das Sand-(Militair-)Bad, wozu in dem angrenzenden Dorfe Schönau noch das Schlagenbad und Neubad kommen. An schönen Gartenanlagen und aussichtsvollen Punkten ist Teplitz, wie schon erwähnt, sehr reich. Man besuche daher den Schlossgarten (Besitzer: Fürst von Clary-Aldringen), wo sich Mittags zum Concert die Badewelt zu versammeln pflegt, das Schiesshaus und die Schlackenburg, mit origineller künstlicher Ruine, ferner die Königshöhe, den Hügel bei der protestantischen Kirche und den Mont de Ligne und endlich den Schlossberg (1221´) mit den umfassenden Trümmern der Burg Daubrawskahora, welche einst dem Grafen Kinsky, dem Schwager Wallensteins, gehörte. – Als weiterer Ausflug ist besonders ein Besuch des Milleschauers (2600´) zu empfehlen. – In Teplitz noch sehenswerth: der Gottesacker mit dem Grabe J. G. Seume's († 1810).