Von Wildenthal geht man südlich auf der Strasse nach Weitersglashütte, betrachtet daselbst die wohleingerichtete Glasfabrik und wendet sich dann, die ursprüngliche Richtung beibehaltend, nach dem böhmischen Orte Sauersack, der wegen der öden Lage und Armseligkeit seiner Häuser einen traurigen Eindruck macht. Bald kommt man jedoch wieder in angenehmere Gegend. Von Sauersack steigt man nämlich westlich in ein prächtiges Thal hinab – eine darin gelegene Försterei erinnert so recht an Wald und Waldeseinsamkeit – und geht dann, in erquicklicher Landschaft, einem munteren Bach entlang, über Nancy und Silberbach nach Graslitz, um daselbst Nachtquartier zu nehmen. – Am andern Morgen begiebt man sich über Lauterbach nach Kirchberg, besteigt den in der Nähe liegenden »hohen Stein«, welcher eine gute Aussicht darbietet, und wendet sich, nach Sachsen wieder hineinwandernd, durch Eubabrunn (1111 E.) und Erlbach (202 E.) nach Markneukirchen, dem Hauptort der erzgebirgischen Instrumentenfabrikation. Von hier fährt man mit Post (Fahrgeld 4 Ngr.) nach Adorf, von wo Bad Elster in einem Stündchen erreicht wird.
Graslitz, Stadt, an der Vereinigung des Schwader- und Silberbaches mit der Zwota, 1506´ ü. M. mit 6000 E. Hat viel Industrie: Woll- und Baumwollenweberei, Kattundruckerei, Kammgarnspinnerei und besonders Fabrikation musikalischer Instrumente (Holzblasinstrumente). Schöne Pfarrkirche mit interessantem Hochaltar. Einen Besuch verdient der benachbarte Hausberg, wo sich noch Spuren eines alten Bergschlosses befinden.
Markneukirchen, Stadt an der grossen Elster, 1575´ ü. M. mit 4000 E. Fabrikationsort für einfache und übersponnene Darmsaiten[17], für alle Sorten Streich- und Blasinstrumente und für Mund- und Ziehharmonika's. – Engelhardt sagt: »Nach den Klängen Markneukirchner Instrumente marschiren die Regimenter aller Staaten, tanzen die Balldamen aller Erdtheile, und wie sie vielen Kindern als ohrzerreissendes Spielwerk dienen, so ist andererseits kein Concert ohne sie denkbar.« Von Markneukirchen hat sich die Instrumentenfabrikation auf die umliegenden Ortschaften, wie Adorf, Schöneck, Klingenthal, Zwota und Erlbach verbreitet. – In der Umgebung Markneukirchen's zeichnet sich der Galgenberg durch eine gute Aussicht aus.
Adorf, Stadt an der Vereinigung der kleinen und grossen Elster, 1460´ ü. M. mit 3164 E. Hat zur Hebung der Instrumentenfabrikation eine besondere Musikschule. – In der Nähe die Dörfer Marienei und Würschnitz; in jenen ist 1803 der Dichter J. Mosen geboren worden und in diesem hat Ende des 17. Jahrhunderts ein Zimmergesell (Hans Wolf Löw-Kummer) die ersten Kartoffeln angebaut.
Bad Elster: s. [R. XXIII.] S. 120.
XXVIII. Route: Von Wildenthal nach Karlsfeld, Klingenthal, Schöneck und Falkenstein. (2 Tage.)
Von Wildenthal geht man, den Brückenberg rechts lassend, nach Karlsfeld und gelangt so in den Mittelpunkt des »sächsischen Sibiriens«, welches aber nicht so rauh und kalt ist, als angenommen wird. Ausser der kuppelartig gebauten Kirche, welche leicht in die Augen fällt, betrachtet man in Karlsfeld die Glas- und Uhrenfabrikation und wendet sich dann über die Wilzschhäuser, an einem netten Forsthause vorbei, nach Rautenkranz (347 E.), wo sich bedeutende Eisenwerke und eine Musterbretmühle befinden. In Rautenkrauz hat man die obere Muldengegend erreicht, welche wegen ihres Quellenreichthums und ihres trefflichen Tannenbestandes gern besucht wird. Von Rautenkranz wandert man über Tannebergsthal (341 E.), an den Lattermann'schen Eisenwerken und den Teichhäusern vorüber, nach Steindöbra (330 E.), wobei man zur Rechten den Schneckenstein (2690´) sieht, der als Fundort für weingelbe Topase bekannt ist. Von Steindöbra führt der Weg, eine gute Ansicht des originell und zerstreut liegenden Sachsenberg (2313 E.) gestattend, über Brundöbra (1739 E.) nach Klingenthal, dem diesmaligen Stationsorte. – Am nächsten Morgen nimmt man in Klingenthal die Instrumentenfabrikation in Augenschein und geht dann über Hammerwerk Zwotenthal nach Kottenheide (46 E.), um von da einen Ausflug nach dem Muldenteich zu machen, der als Ursprungsort der (weissen) Mulde Interesse hat. Darnach begiebt man sich, immer durch trefflichen Forst wandernd, über Tannenhaus nach Schöneck, wo mitten in der Stadt ein Fels (»der Stein«) steht, der eine gute Aussicht auf das Voigtland, sowie nach den reussischen Landen, nach Baiern und Böhmen gewährt. Nachmittags fährt man mit Post, fast ununterbrochen durch Nadelwald, über Hofmeister, Neudörfel und Poppengrün nach Falkenstein, womit das Tagesziel gewonnen ist.
Karlsfeld, Flecken an der Wilzsch, mit 1153 E. Der Ort ist dadurch entstanden, dass der Grubenherr Schnorr aus Schneeberg 1678 in der damaligen Waldwildniss – wahrscheinlich billiger Kohlen wegen – Eisenwerke anlegte und dadurch Ansiedler herbeizog. Die Kirche, für welche die Peterskirche als eine Art Muster gedient haben mag, ist 1688, gleichfalls von Schnorr, erbaut worden. Weil 1823 die Eisenwerke zum Erliegen kamen, so führte man 1830 die Schwarzwälder Uhrenfabrikation ein, die bis heute schwungvoll als Hausindustrie betrieben wird. Ausserdem treibt man Tischlerei, Nähterei und etwas Glasfabrikation. – Von Karlsfeld hat die Familie Schnorr von Carolsfeld ihren Namen.
Klingenthal, Flecken an der Zwota, mit 2318 E. Fertigt besonders Conzertino's, Zieh- und Mundharmonika's und hat zur Vervollkommnung der Instrumentenfabrikation eine Musikschule.
Schöneck, Stadt, 2176´ ü. M. mit 2895 E. War sonst ein Freistädtchen, weil es im Jahre 1370 von Karl IV. allerlei Begnadigungen erhalten hatte, wofür es dem Landesherrn bei jeweiligem Besuch 5 ℔ schwäbischer Heller überreichen musste. 1569 kam Schöneck mit dem Voigtlande an Kursachsen. Nach Einführung der sächsischen Konstitution sind die Vorrechte des Orts beseitigt worden. Schöneck lebt besonders von Instrumentenfabrikation, Fabrikation Plauenscher Waaren (Eingelesenes und Gemodeltes), Waldarbeit und Viehzucht. Im Jahre 1856 brannte der Ort fast völlig ab.