Falkenstein, Stadt an der Göltzsch, 1751´ ü. M., mit 4881 E. – Hauptort für die Fabrikation »brochirter« Gardinen. – In der Nähe der Löcherstein, durch welchen man zweimal den Himmel sieht.

XXIX. Route: Von Schwarzenberg nach Eibenstock.

1. Ueber Jägerhaus und Sosa. – Man steigt von Schwarzenberg auf der Eibenstocker Strasse aus dem Schwarzwasserthale hinaus und gelangt, Bermsgrün links lassend, nach dem sogenannten Jägerhaus, bei welchem sich unsere Strasse mit der Schneeberg-Johanngeorgenstädter Strasse kreuzt. Vom Jägerhaus, das in der Nähe des Ochsenkopfes gelegen ist, geht es anfangs allmälig, dann rascher abwärts nach dem Dorfe Sosa (1780 E.), wo sich Fusssteig und Fahrstrasse nach Eibenstock von einander trennen. Während die Chaussee über Unterblauenthal (286 E.) nach genannter Stadt führt, leitet der Fussweg hinab zum »Zimmersacher«, einem an der Bockau gelegenen Weiler, und von diesem eine sehr steile Anhöhe, »die Kniebreche«, hinaus, um dann fast eben Eibenstock erreichen zu lassen.

Eibenstock, Stadt auf einem wellenförmigen Plateau, 1975´ ü. M., mit 6362 E. Ist Hauptsitz des Tambourirens, d. h. des Stickens mit der Häkelnadel, welches Clara Angermann vor ungefähr hundert Jahren (1775) daselbst eingeführt hat. Bei dieser Art zu sticken wird das zu verzierende Gewebe (Tüll, Mull oder Musselin) auf einfachem, sägebockartigem Gestelle ausgespannt und von geschickter Frauenhand mit Fäden so durchflochten, dass diese Sterne, Blumen, Ranken u. s. w. in Weiss oder Bunt darstellen. Kinder werden sodann gebraucht, den überflüssigen Maschengrund hinwegzuschneiden. – Um Eibenstock herum, sowie in dem westlich sich anschliessenden Voigtlande regiert überhaupt der Stickrahmen, wie in anderen erzgebirgischen Orten der Klöppelsack. – Von dem grossen Brandunglück des Jahres 1856 hat sich die Stadt völlig erholt und fehlt ihr zu weiterem Aufschwung nichts, als dass bis in ihre Nähe endlich die von den Einwohnern schon längst begehrte Eisenbahn geführt werde.[18]

2. Ueber Aue und Bockau. – Von Schwarzenberg fährt man mit dem Dampfwagen an den Dörfern Sachsenfeld (600 E.) und Lauter (2684 E.) und dem Blaufarbenwerke Nieder-Pfannenstiel vorüber nach dem Städtchen Aue, welches an der Vereinigung des Schwarzwasser- und Muldenthales reizend gelegen ist. In der Stadt wollen mehrere wichtige Etablissements in Augenschein genommen sein und in der Umgebung verdienen einen Besuch das Dorf Zelle (979 E.) mit Klösterlein, dessen Namen von dem früheren Augustinerkloster Neuzelle (im Gegensatz zu Altzelle bei Nossen) herstammt, und die Zeche »Andreas«, welche bis vor Kurzem die Masse zu dem Meissner Porzellan geliefert hat, nunmehr aber erschöpft ist. Wenn man diesen Ansprüchen genügt hat, beginnt man die Wanderung nach Bockau. Der Weg führt in dem romantischen Muldenthale aufwärts, berührt die Argentanfabrik und Schmelzhütte, geht an der Hirschteufe und dem Teufelswehr vorüber, mitten durch den Wald, immer am Flusse hinauf und stösst zuletzt auf die bedeckte Muldenbrücke, welche – rechts unten erblickt man das Schindler'sche Blaufarbenwerk – nach dem links gelegenen Bockau hinüber leitet. Von Bockau begiebt man sich über Unterblauenthal nach Eibenstock.

Aue, Stadt an der Mündung des Schwarzwassers in die Mulde, 1062´ ü. M., mit 2040 E. Die berühmte Tausend-Gülden-Stube ist 1859 durch Feuer leider zerstört worden. Im Auerhammer hat Dr. Geitner zur Herstellung des von ihm erfundenen Argentans eine besondere Fabrik errichtet.

Bockau, grösstes Arzneidorf Sachsens, mit 1894 E. Hatte früher viel Laboranten, welche Räucher- und Zahnpulver, Pflaster, Pillen, Tropfen, Liquor, »Stockdumm«, Karmelitergeist, Universalbalsam und namentlich Schneeberger Schnupftabak fabrizirten und durch Hausirer mit sogen. Buckelapotheken im Lande vertreiben liessen. Seit Verschärfung der Medizinalpolizei ist das eigentliche Arzneigeschäft in Verfall gekommen, doch baut der Ort noch allerlei Heilpflanzen, wie Angelikawurzel (jährlich 1000 Centner), Baldrian, Rhabarber und Huflattich, auch bereitet er noch manche von der Polizei nicht beanstandete Mittel, wie allein 20,000 Schachteln Schneeberger Schnupftabak.

3. Ueber Niederschlema und Schneeberg. – Von Schwarzenberg mit der Eisenbahn über Lauter und Aue nach Niederschlema, um die daneben gelegenen Blaufarbenwerke, die bedeutendsten Sachsens, ja Deutschlands, in Augenschein zu nehmen. Genannte Werke fertigen aus dem Kobalt eine prächtige blaue Farbe, welche je nach der Nuancirung Smalte, Zaffer, Safflor oder Eschel genannt wird. Die Bereitung dieses Farbestoffs – anfangs hiess er das blaue Wunder – soll zu Anfang des 16. Jahrhunderts durch den Franken Weydenhammer aufgebracht und einige Jahrzehnte darnach durch den böhmischen Glasmacher Schürer verbessert worden sein. Ehe der Kobalt zur Farbengewinnung gebraucht werden konnte, war er wegen seiner üblen Eigenschaften bei den Hüttenleuten als »Silberräuber« und als Berggeist »Kobel« verrufen und wurde als nutzlos auf die Halden gestürzt. – Von Schlema bringt uns der Dampfwagen in wenig Minuten nach der angesehenen Bergstadt Schneeberg, deren Umgebung, Marktplatz und Kirche Beachtung verdienen. Später fahren wir mit Post über das benachbarte Neustädtel, über Zschorlau, Burkhardtsgrün und Sachsengut nach Eibenstock.

Schneeberg, Stadt, 1456´ ü. M. mit 8000 E. Verdankt seine Gründung – sie geschah 1477 – dem Bergbau, da man 1471 nicht weit von der jetzigen Hauptkirche mächtige Silberadern erschürft hatte. Am ergiebigsten war die Georgenzeche, in welcher Herzog Albrecht der Beherzte (April 1477) an einer über 400 Centner schweren Erzstufe gespeist haben soll. Auch heute wird noch etwas Bergbau getrieben und erhalten die Gruben nach wie vor ihr Aufschlagwasser aus dem bei Neustädtel gelegenen Filzteiche. Dieser sprengte 1783 die Dämme und richtete dadurch in Zschorlau und Auerhammer grosses Unheil an. – Hauptbeschäftigung in Schneeberg ist dermalen Spitzenklöppelei und Weissstickerei, wobei indess letztere das Uebergewicht zu erlangen scheint. – Die Stadtkirche, die grösste protestantische Kirche Sachsens, ist im gothischen Style erbaut und enthält am Altar das umfangreichste Gemälde von Kranach dem Aelteren. Auf dem Thurme befindet sich eine 159 Centner schwere Glocke, die sog. Donnerglocke. – Einen Besuch verdient wegen der schönen Aussicht »Herders Ruhe« am Glössberge.

XXX. Route: Von Eibenstock über Schönhaide und Auerbach nach Lengenfeld.