Von Eibenstock geht man zunächst nach dem an der Mulde gelegenen Schönhaider Hammer und von da nach Schönhaide (4704 E.), dem grössten Dorfe des westlichen Erzgebirges. Der Ort ist über eine Stunde lang und wird, da er sich eine Berglehne hinanzieht, weithin gesehen. Neben der Weissstickerei trifft man hier noch zwei eigenartige Erwerbszweige: nämlich Bürstenbinderei und Blechwaarenfabrikation. – Der Weitermarsch führt über Schnarrtanne (593 E.) und die Schnarrtanner Höhe, welche eine prächtige Aussicht auf das Voigtland gewährt, nach Auerbach. Bei Auerbach befindet man sich im Bezirke des Pech- und Russhandels, für welchen besonders zwei Walddörfer, Beerheide und Brunn, das Material liefern. Von Auerbach geht man über Rodewisch (3386 E.), wo sich Sachsens einziges Messingwerk befindet, nach Lengenfeld und hat damit das Tagesziel erreicht.
Schönhaide, stadtähnliches Dorf mit 4704 E. Sitz der Pleinfabrikation, d. h. der Tambourirstickerei nach fortlaufenden, nicht abgezählten Mustern. Ferner wird die Verfertigung von Bürsten und Pinseln schwunghaft betrieben, so dass manche Geschäfte 100 Sorten Pinsel, Bürsten, Borstwische und Borstbesen führen. Endlich liefern Blecharbeiter allerlei Küchengeräthe, dann Ofenröhren, Giesskannen, Kuchenbleche u. s. w. – Die Schönhaider Bürstenbinder gelten für das lustigste Völkchen des ganzen Erzgebirges.
Auerbach, Stadt an der Göltzsch, 1417´ ü. M. mit 4477 E. Beschäftigt sich mit Weberei und Fertigung genadelter Mulls und gestickter baumwollener Waaren.
Lengenfeld, Stadt an der Göltzsch, 1220´ ü. M. mit 4716 E. Hat Fabrikation von Tuchen und dichten Baumwollenstoffen.
XXXI. Route: Von Elster über Oelsnitz, Falkenstein, Auerbach, Lengenfeld, Treuen, Herlasgrün, Netzschkau und Reichenbach nach Zwickau.
(Eisenbahnroute.)
Man geht von Elster nach Mühlhausen und fährt von da mit dem Dampfwagen bis Oelsnitz, um diese Stadt in Augenschein zu nehmen. Sie hat eine herrliche Lage, besitzt aber ausser dem neuen Rathhause und der alterthümlichen Stadtkirche keine hervorragenden Gebäude. Berühmt ist sie indess als Hauptsitz der Perlenfischerei, welche seit Jahrhunderten in der Elster und deren Nebenbächen betrieben wird. Die Elsterperlen wurden früher sehr theuer bezahlt, sind aber nach und nach im Preise so gefallen, dass für die jährliche Ausbeute nur noch einige hundert Thaler gelöst werden. – Von Oelsnitz kann man mit der Eger-Reichenbacher Bahn leicht die Städte Falkenstein, Auerbach, Lengenfeld und Treuen besuchen, wir aber fahren noch über Herlasgrün hinaus bis Netzschkau, um von da einen Abstecher nach der berühmten Göltzschthalbrücke zu machen. Dieselbe ist in ¼ St. erreicht und gewährt, besonders von der tiefsten Stelle des Thales aus gesehen, einen grossartigen Anblick. Ihre Höhe beträgt 139 Ellen, ihre Länge 1018 Ellen; die Spannweite des mittleren grossen Bogens misst 154 Ellen. Diese Riesenbrücke, zu der allein zwanzig Millionen Ziegel erforderlich waren, ist würdig der römischen Viadukte und wird für alle Zeiten den kühnsten Bauwerken der Welt beigezählt werden. – Nunmehr geht es an der Göltzsch aufwärts bis Mylau und dann links ab, auf gut gebahntem Wege, nach Reichenbach, einer bedeutenden Industriestadt. Nachdem man sich hier umgesehen, fährt man mit dem Dampfwagen über Neumark, wo die Greizer Bahn einmündet, nach der Kreishauptstadt Zwickau, welche viel Interessantes darbietet.
Oelsnitz, Stadt a. d. Elster, 1144´ ü. M., mit 5728 E. Sitz der Voigtländischen Halbwollweberei. Seit dem Brande von 1859 fast ganz neu erbaut. ¼ St. von der Stadt liegt das Schloss Voigtsberg, in welchem sich eine Zweiganstalt des Zwickauer Arbeitshauses befindet.
Falkenstein, s. [R. XXVIII.] S. 132; Auerbach und Lengenfeld, s. [R. XXIX], S. 137.