Treuen, Stadt a. d. Trieb, 1264´ ü. M., mit 5238 E. Beschäftigt sich mit Spinnerei, Weberei und Bleicherei.

Netzschkau, Stadt, 1109´ ü. M., mit 3170 E. Hat eine regsame Weberbevölkerung, die bereits Maschinenstühle anwendet und besonders Kattun und Futtermusselin liefert.

Mylau, Stadt a. d. Göltzsch, 937´ ü. M., mit 3170 E. Besitzt mehrere Kammgarn- und Streichgarnspinnereien und ein grosses Alaunwerk. Das Schloss, von 1212–1459 böhmisch, war einst ein Lieblingsaufenthalt Kaiser Karls IV., weshalb der hintere Hof noch jetzt Kaiserhof genannt wird.

Reichenbach, Stadt, 1034´ ü. M., mit 11,713 E. Des Ortes blühende Industrie umfasst drei Branchen: Wollkämmerei, Spinnerei und Weberei. Gefertigt werden besonders Merino's, Thibet's, Circassien's und wollene Tücher. Die Peterpaulkirche, vormals dem deutschen Orden gehörig, enthält eine vortreffliche Silbermann'sche Orgel. – Reichenbach ist Geburtsort der Schauspielerin Karoline Neuber.

Zwickau, Stadt a. d. nach ihr benannten Mulde, 800´ ü. M., mit 27,395 E. Liegt in einem ziemlich weiten, von sanften Höhen umschlossenen Becken, dem sogenannten »Schwanfelde«, welches in seinem Innern 12–14 abbauwürdige Kohlenflöze birgt, die in neuer Zeit einen unberechenbaren Werth erlangt haben. – Ausser mehreren altertümlichen Gebäuden, wie dem Anker und dem Rathhause, wenden wir unsere Aufmerksamkeit den beiden gothischen Kirchen, der Marienkirche und der Katharinenkirche, zu. Letztere enthält ein gutes Altarbild von Kranach. Erstere ein mit kunstvoller Schnitzarbeit versehenes heiliges Grab, die berühmte Kindersegnung von Kranach, ein grosses Altarwerk von M. Wohlgemuth und eine ausgezeichnet konstruirte Doppelwendeltreppe. An der Katharinenkirche war Thomas Münzer von 1520–22 als Pfarrer angestellt, und Luther selbst musste nach Zwickau kommen, um gegen diesen »Schwarmgeist« zu predigen. – Das Gymnasium, im 15. Jahrhundert wegen seiner Strenge nur die »Zwickauer Schleifmühle« genannt, besitzt eine bedeutende Bibliothek mit werthvollen Handschriften. – Im Schlosse Osterstein befindet sich seit 1833 die Arbeitsanstalt für Sträflinge. – Zwickau ist die Geburtsstadt des Komponisten R. Schumann.

Reizende Vergnügungsorte sind: Das Schwanenschlösschen, der Bergkeller und das Dorf Eckersbach mit dem »Trillergut«; weite Aussichten gewähren die Oberhohndorfer und Kainsdorfer Höhen; sehr lehrreich sind Besuche der Kohlenwerke in Schedewitz, Bockwa[19] und Planitz.

Während in Zwickau die altväterischen Gebäude und die gothischen Kirchen an das Mittelalter erinnern, deuten die zahlreichen Neubauten, die Fabrikanlagen in und neben der Stadt, die Dampfessen bei den Kohlenschächten und der Bahnhof mit seinem kolossalen Verkehr zugleich darauf hin, dass man sich in einem Bezirke der modernsten industriellen Thätigkeit befindet. Diese Thätigkeit beruht zumeist auf dem vorhandenen Kohlenreichthum. Denn wie früher die Flüsse mit ihrer Triebkraft und die Wälder mit ihrem Heizstoff die Magnete für die Fabrikanten waren, so sind es jetzt die Kohlenfelder mit ihrem billigen Brennmaterial geworden. Und so hat Zwickau – dank seinen unterirdischen Schätzen – in neuerer Zeit viel Industrie bekommen und in den letzten vierzig Jahren seine Bevölkerung mehr als vervierfacht (1834: 6127, heute: 27,395 E.) und damit ein Wachsthum gezeigt, das sich nur dem junger Städte in Nordamerika vergleichen lässt.

Geschichtliches. Zwickau, jedenfalls eine alte sorbische Ansiedelung, hatte schon im frühen Mittelalter Bedeutung. Es wurde durch die Reichsstrasse von Nürnberg nach Leipzig, welche den Verkehr zwischen Süd- und Norddeutschland vermittelte, berührt und erfreute sich als Stapelplatz eines regen Geschäftslebens. Aber mit der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien war der Flor der Stadt dahin. Der Handel schlug andere Wege ein und Zwickau vereinsamte, wie Augsburg und Nürnberg vereinsamt waren. Die Zahl seiner Bewohner verminderte sich nach und nach von 30,000 auf 5000 und nur als schlichte Kleinstadt trat es in unser Jahrhundert ein. Doch mit Entwickelung des Kohlenbergbaues nahm es einen ungeahnten Aufschwung. Urkundlich werden die »Steinkoln« schon im 14. Jahrhundert erwähnt, aber die 1520 erlassene und bis 1740 neunmal abgeänderte Kohlenordnung schrieb die lästige Reihenladung vor, wornach der Grubeneigner nur dann ein gewisses Quantum Kohlen verkaufen durfte, wenn der Vordermann das seinige losgeworden war. Auch hatten sich die Feuerarbeiter der Umgegend im Jahre 1550 durch die sogenannte Truhenladung ermässigte Preise für die zum Handwerk erforderlichen Kohlen ertrotzt. Diese beiden Beschränkungen, sowie der Umstand, dass bis Ende des vorigen Jahrhunderts Brennholz im Ueberfluss vorhanden war, verhinderten auf lange hin die Entwickelung des Kohlenbergbaues. Als aber mit Anfang der zwanziger Jahre die Eisenwerke statt der vertheuerten Holzkohle die Steinkohle begehrten und im Jahre 1823 die Kohlenordnung sammt ihren beengenden Vorschriften fiel, auch ein rationeller Abbau eingeführt und mit 1826 die Dampfkraft zur Hebung des Grubenwassers und zur Förderung der Kohlen angewandt wurde, da wuchs die Kohlenproduktion mit ungemeiner Geschwindigkeit. Zahlen werden dies am besten bezeugen: 1820 wurden 65,000, 1830: 165,000, 1840: 780,000 Scheffel gefördert; 1850 betrug die Ausbeute 4 Millionen, 1856: 7 Millionen und 1863: schon 14 Mill. Scheffel.

Industrielles. Zwickau's grossartigste Industrie ist die Kohlenförderung selbst; doch hat das billige Brennmaterial auch manchen anderen Fabrikationszweig herbeigelockt. Das Coaksbrennen begann 1830 und hat seitdem so zugenommen, dass jährlich über 100,000 Ctr. Steinkohlen dabei verbraucht werden. Dazu gesellte sich die Ziegelbrennerei, welche im Jahre mehrere Millionen Backsteine liefert. Ferner wurde eine Porzellanfabrik, eine Fabrik für Steinzeug und Chamottewaaren und eine Glasfabrik angelegt. Das grossartigste Unternehmen aber ist die Marienhütte bei Kainsdorf, ein Eisenwerk, das sich mit jedem in Sachsen, ja in Deutschland messen kann. Hier werden Hunderttausende von Centnern Eisen geschmolzen, gegossen, gepuddelt und zu Eisenbahnschienen verwalzt. – Eine Eigenthümlichkeit findet sich bei Planitz. Da steht seit undenklichen Zeiten ein Kohlenflöz in Brand und kann trotz aller Anstalten nicht zum Erlöschen gebracht werden. Die beim Brennen entwickelte Wärme wird nun zur Heizung von Treibhäusern benutzt, in denen eine Menge seltener, besonders tropischer Gewächse gedeiht.

XXXII. Route. Von Geyer über Zwönitz, Hartenstein und Schloss Stein nach Zwickau.