Von Geyer geht man auf der Chaussee durch den Geyerschen Wald nach Stadt Zwönitz und wendet sich hier, Lössnitz links lassend, nach Lenkersdorf und Affalter, um die bei diesen Orten vorkommenden Schieferbrüche in Augenschein zu nehmen. Nunmehr begiebt man sich nach Hartenstein, dem Hauptorte der gleichnamigen Schönburger Rezessherrschaft. Man besteigt allda das Schloss und wandert dann auf angenehmem Pfade, durch prächtigen Laubwald, nach der Prinzenhöhle, welche jedenfalls ein alter verlassener Stollen, aber dadurch von Interesse ist, dass in ihr Kunz von Kaufungen's Genossen, von Mosen und Schönfels, sich mit dem Prinzen Ernst fast 3 Tage lang versteckt hielten und von ihr aus sich ergaben. Sie liegt oberhalb des rechten Muldenufers und ist von dichtem Laubholz umgeben, nicht weit von ihr ist indess eine Platte, welche eine gute Aussicht nach dem jenseitigen Thalhang, auf das Dorf Wildbach und die Ruine Eisenburg, gewährt. Wir steigen nun zum Flusse hinunter und wandern stromabwärts nach Schloss Stein, das wegen alterthümlicher Bauart und reizender Lage einen längeren Aufenthalt verdient. Später fahren wir auf der Eisenbahn, an Wiesenburg mit seiner Ruine, an Kainsdorf mit seinen Schmelzhütten und an Hohendorf mit seinen Essen vorbei nach der alten Schwanenstadt Zwickau, unserem Tagesziele.
Geyer s. [R. XV.] S. 94.
Zwönitz, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1630´ ü. M, mit 2693 E. Hat Klöppelei, Weberei und Strumpfwirkerei, besonders aber Schuhmacherei.
Hartenstein, Stadt am Thierfelder Bache, 1152´ ü. M., mit 2506 E. Beschäftigt sich mit Ackerbau, Weberei, Strumpfwirkerei, Klöppelei und Nähterei. – Zur Herrschaft Hartenstein gehörten früher auch die Aemter Grünhain und Crottendorf, beide sind aber schon 1559 durch Kauf an das Kurhaus Sachsen gekommen. – Hartenstein ist Heimathsort des Dichters Paul Flemming († 1643).
XXXIII. Route: Von Zwickau über Glauchau und Hohenstein-Ernstthal nach Chemnitz.
(Eisenbahnroute.)
Man besteigt in Zwickau den Dampfwagen und fahrt zunächst bis Glauchau, um diese wichtige Fabrikstadt in Augenschein zu nehmen. Darnach benutzt man den Zug bis Hohenstein-Ernstthal, weil diese Schwesterstädte sowohl wegen ihrer reizenden Lage als wegen ihrer Industrie Beachtung verdienen. Und endlich lässt man sich durch die Lokomotive bis Chemnitz, der Grossindustrie-Stadt, bringen, welche von den Erzgebirgern nicht ohne Stolz das sächsische Manchester genannt wird und rücksichtlich ihrer Industrie jedem Besucher genug des Interessanten darbietet.
Glauchau, Stadt an der Zwickauer Mulde, 801´ ü. M., mit 22,022 E. Sitz der Schönburgischen Regierung. Enthält zwei gräfliche Schlösser und in der einen Kirche eine Silbermann'sche Orgel. Seine schwunghafte Industrie, die – gleich der von Meerane – wesentlich wollene und halbwollene Kleider- und Mäntelstoffe liefert, hat ein rasches Wachsthum der Bevölkerung ermöglicht. In der Färberei soll Glauchau sogar Chemnitz überholt haben.
Die Städte Hohenstein, 1217´ ü. M., mit 5638 E., und Ernstthal, 1064´ ü. M., mit 3768 E., sind so nah' an einander gelegen, dass in der »Schnabelgasse« die eine Häuserreihe zu Hohenstein und die andere zu Ernstthal gehört. Beide Ortschaften treiben Buntweberei und Strumpfwirkerei. Hohenstein ist, ähnlich wie Buchholz, terassenförmig gebaut und bietet namentlich an der obern Seite des Marktes und am Schiesshause einen prächtigen Blick auf das obere Erzgebirge. Viel umfassender ist allerdings die Sicht auf dem nur eine Stunde von der Stadt entfernten Kapellenberg, da man hier nicht nur das Obergebirge, sondern auch die Muldenländer, sowie die Gegend von Schleiz, Altenburg, Rochlitz, Leipzig, Wurzen und Oschatz sehen kann. – Mineralogisch ist das Terrain bei Hohenstein-Ernstthal dadurch wichtig, dass hier das grosse Zwickauer Kohlenbecken mit dem nördlich von ihm auftretenden Glimmerschiefer raint, welcher an mehreren Stellen verschiedene Einlagen und besonders Serpentin aufweist. – Nicht weit von Hohenstein befindet sich ein Stahlbad, mit dem eine Kaltwasserheilanstalt verbunden ist. – In Hohenstein ist der Erfinder des Pianofortes L. G. Schröder und der Philosoph und Naturforscher Schubert geboren.
Chemnitz, Stadt am gleichnamigen Flusse, 894´ ü. M., mit 68,229 E. Bietet landschaftlich wenig, um so mehr aber industriell dar und kündigt sich schon durch sein Aeusseres, besonders durch die massenhaften, vielstöckigen, kasernenartigen Gebäude und die grosse Schaar von Dampfessen, als Fabrikstadt an. Von Alterthümlichen ist in Chemnitz wenig zu finden. Ausser den geringen Resten der Stadtmauer deuten nur einige Häuser am Markte mit ihren Lauben und eigenartigen Giebeln und die Kirchen auf die Vorzeit hin. Fast alles Andere ist jüngeren, wenn nicht jüngsten Ursprungs. Denn abgesehen von den Erneuerungen, welche durch Feuer und durch Wegreissen veranlasst worden sind, hat sich der Ort in letzterer Zeit so erweitert, dass seine Vorstädte die anliegenden Dörfer zu umfassen drohen. Von den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich noch aus: die Post, das Theater, die Börse, das St. Georgs-Hospital, die Kaserne und der Bahnhof. Das Schloss, so sehr seine Lage und Umgebung gefällt, ist mit Ausnahme der wohl erhaltenen gothischen Kirche ohne Bedeutung. – Das Sehenswertheste in Chemnitz sind die verschiedenen industriellen Etablissements, wie die Aktienspinnerei, die sächs. Maschinenfabrik (früher Richard Hartmann), die Chemnitzer Werkzeug-Maschinenfabrik (früher Zimmermann), die Buntwaarenfabriken, die Druckfabriken, die Türkischgarnfärbereien und dergl. mehr. Unter den Privatgebäuden verdient das Haus des Maschinenfabrikanten Zimmermann den Preis und liefert selbiges zugleich den Beleg, dass man in Chemnitz bereits begonnen hat, neben der Zweckmässigkeit auch die Schönheit zu betonen. – Chemnitz ist der Geburtsort des grossen Philologen Heyne († 1812).