Lange versuchte man noch, sich zu verständigen, bis endlich Christian, der es vor Hunger nicht mehr aushalten konnte, mehrfach sehr deutlich gegen seinen Bauch klopfte und mit den Fingern in den weit geöffneten Mund fuhr. Er hatte die Freude, daß man ihn begriff.

„Mein Herr, der Professor, ist so zerstreut, daß er seelenruhig verhungert, ohne es zu bemerken,“ sagte er knurrig.

Alle erhoben sich. Offenbar war es auch Ruhezeit geworden, denn in den Straßen wurde es still. Man führte die Erdensöhne in ein schön durchwärmtes Gemach, mit eigenartigen Möbeln und Lagerstätten, die aus gepolsterten Säcken oder Häuten bestanden. Auf warmen Metallschalen brachte man Speisen verschiedenster Art. Sie schmeckten nicht schlecht, aber es schien nichts dabei zu sein, das aus dem Pflanzenreich stammte, und vor allem waren sie unseren Freunden zu fett.

Endlich waren sie allein, und auf ihren Lagern ausgestreckt, besprachen sie noch lange die seltsamen Erlebnisse.

„Wollen mir der Herr Professor nur mal erklären, weshalb unsere Urianbrüder so gräßliche Kerle sind?“ sagte endlich Christian und machte sich aus seinem Sacktuch eine Nachtmütze zurecht, denn ohne diese konnte er nicht schlafen. „Ich werde die ganze Nacht von ihnen träumen, wie damals, als Herr Professor mit mir in Afrika waren, wo wir den vermaledeiten Tausendteufelsbraten von Riesen-Seespinnerich sahen!“

„Ach, Christian!“ rief kopfschüttelnd der Professor, „du bleibst doch immer der alte Holzkopf, trotzdem du nun schon dreißig Jahre bei einem gelehrten Herrn Dienste tust! Wir erscheinen ihnen ebenso häßlich wie sie uns. Du mußt doch bedenken, daß jedes Geschöpf von der Natur so ausgestattet wird, wie es für seine Welt zweckmäßig ist. Darum hat der Fisch Flossen und atmet durch Kiemen, und darum hat der Vogel Flügel und haben die Raubtiere eine feine Nase, zum Wittern ihrer Beute. – Nun sieh mal, mein guter Christian: Der Uranus ist eine kalte und dunkle Welt, die ganz wenig Wärme und Licht von der Sonne erhält. So haben die Leute hier möglichst große Augen, um recht viel Licht damit einfangen zu können. Die Luft ist sehr dicht und leitet den Schall sehr kräftig. Du merktest selbst, wie mächtig unsere Stimmen droben erklangen. Die Uranusleute brauchen also keine Ohrmuscheln am Kopfe wie wir, zur Verstärkung des Schalls, und darum hat ihnen die Natur auch keine gegeben!“

„Und wie ist es mit ihren Rüsselnasen, Herr Professor? Sie könnten beinahe einen Fünfer mit vom Boden aufheben, wie der Elefant Jumbo in der Menagerie, der Herrn Professor damals die Regenschirmkrücke abriß!“

„Nun, Geschöpfen, die nicht gut sehen können, gibt die Natur dafür meist eine gute Nase. Alle Rüsseltiere sind Nasentiere, können dafür aber schlecht sehen. Wegen der Dunkelheit auf dem Uranus können die Leute hier trotz ihrer großen Augen nicht besonders viel sehen, daher brauchen sie die große Rüsselnase.

Du siehst außerdem, daß sie dick und rund sind, eine dicke Fettschicht ihren Körper bedeckt. Bedenkst du aber, daß magere Leute, wie wir beide, leicht frieren, und daß die Eskimos, die am Nordpol der Erde leben, ebenfalls fett sind und auch viel Fett essen, weil es die Kälte besser ertragen läßt, so siehst du wohl, daß alles seine Ursache hat. Die Leute sind hier ferner sehr kräftig und plump gebaut. Es hängt damit zusammen, daß auf dieser mächtigen Weltkugel alle Dinge schwerer sind und die Menschen mehr Kraft brauchen, um Steine zu heben, sich fortzubewegen und dergleichen. Da hat ihnen die Mutter Natur eben kräftigere Muskeln und Knochen gegeben!

Du siehst, alles läßt sich erklären, und wenn wir länger hier sind, werden wir alles verstehen. Eins ist wohl sicher. Auf der Oberfläche dieser Welt leben keine Menschen, denn sie ist dunkel und vereist. Sie bauten sich ihre Städte tief unten, wo es warm ist. Auch die Erdkugel ist ja im Innern noch heiß, und je tiefer man hinabsteigt in die Bergwerke, je wärmer wird es. Ebenso scheint es hier zu sein. Morgen will ich versuchen, mehr darüber zu erfahren!“