Der einfache Mann im hölzernen Röckchen schwieg. Er war noch müde und hätte lieber weiter geschlafen, als sich zu unterhalten.
Der Diamant ärgerte sich. Ein unhöflicher Kerl, dachte er. Ich glaube, er weiß gar nicht, mit wem er es zu tun hat. Und dann strahlte er um so heller und sagte geziert:
„Gestatten Sie, daß ich mich Ihnen vorstelle. Mein Name ist Baron Diamant. Ich stamme aus Südafrika. Meine Frau ist eine geborene Gräfin Perle. Uralter Adel. Sie ist nahe verwandt mit dem Herrscher des Weltmeeres Neptun.“
„Ich heiße Bleistift,“ sagte der andere, „ich bin hier nur einfacher Angestellter im Hause, mache meine Arbeit und kümmere mich sonst nicht viel um die Leute.“
„Das muß doch furchtbar langweilig sein, so nur immer arbeiten für andere Leute. Mein Fall wäre das nicht!“
„Langweilig ist das gar nicht!“ entgegnete der Bleistift. „Meine Tätigkeit ist sehr interessant, denn alle neuen Pläne, die mein Herr hat, erfahre ich zuerst, und das sind Sachen, die nachher in der ganzen Welt besprochen werden. Die Geldleute und die Zeitungsmänner warten schon darauf, was wir wieder Neues vorhaben, und hundert Ingenieure und Tausende von Arbeitern werden zu tun bekommen, wenn das erst alles bekannt wird, was ich heute morgen geschrieben habe. – Sehen Sie, da drüben liegt mein ärgster Feind, der Herr Federhalter. Der wütet sich, daß er diese Arbeiten nicht machen durfte, denn bei uns ist eben die Arbeit die Hauptsache, und bei Ihnen das Vergnügen.“
„Jeder nach seinem Stande,“ meinte hochnäsig der Baron von Diamant. „Ich habe auch einen Feind und Neider, das ist der Herr von Rubin. Manchmal steckt ihn mein Herr auch an den Finger, aber er ist lange nicht so elegant wie ich, und in die ganz vornehmen Kreise wird er nicht eingeführt, denn er funkelt nur wie ein Blutstropfen, ich aber brilliere in allen Farben des Regenbogenlichtes, und jeder sieht auf den ersten Blick meine hohe Herkunft und meinen enormen Wert!“
„Ja, ja, das haben Sie schon einmal gesagt,“ meinte der Bleistift, „aber eigentlich sind Sie doch zu nichts nütze, und unser Herr hätte Sie nicht kaufen können, wenn wir hier alle nicht tüchtig gearbeitet und viel Geld verdient hätten.“
„Gott ja, es muß auch Arbeiter geben, und wir können nicht alle vornehme Herren sein,“ entgegnete der Diamant, „aber Arbeit ist nun mal nicht für mich. Das ist eintönig. Sie machen hier nur immer dasselbe und erleben nichts. Ich aber bin in der großen Welt gewesen und habe das Leben kennengelernt und weiß, wie es zugeht!“
„Erzählen Sie mal, wie es da draußen ist,“ sagte der Bleistift, „so etwas höre ich ganz gern, denn ich bin vor lauter Arbeit nicht dazu gekommen, die Welt zu sehen!“