Aber schon hatte der Vater auf den Mechanismus gedrückt, der den Schuß auslöste, und als der Knall verhallt war, sah man das Täubchen an der Schnur niederfallen. Johann hatte gut getroffen, oh, er war ein trefflicher Schütze, ja er war wirklich ein Kunstwerk.
Es ging ein Murren durch die Menge.
Der kleine Knabe aber brach in Tränen aus. Er war außer sich. Wütend sprang er auf den Verhaßten zu. „Herzloser, böser Mensch! Mörder, Mörder!“ schrie er ihm zu, und dann stieß er mit der ganzen Kraft seines Körpers nach ihm. Die Figur, die den einen Arm weit vorgestreckt hielt und auf einer Kante des Teppichs stand, war nicht im Gleichgewicht. So wankte sie, drehte sich und es war, als ob sie den Knaben erschlagen wollte. Sie neigte sich vornüber, ihm zu, stürzte mit ihm, über ihn zu Boden.
Das ging alles so schnell, daß der Künstler, der verblüfft daneben stand, gar nicht Zeit hatte, einzugreifen.
Erschreckt drängten sich die Menschen hinzu, zogen den Knaben unter der eisernen Figur hervor. Es war ihm weiter nichts geschehen, nur eine blutige Schramme ging quer über die Stirn. Aber das Murmeln der Menge wuchs drohend an, es wurde zu wildem Schreien, zu brausendem Rufen.
„Er hat kein Herz, nein, er hat kein Herz,“ so schrie es von allen Seiten. „Er kann Tiere und Menschen töten, er würde auch uns ohne Erbarmen töten, wenn es ihm befohlen wird. Er ist ein Bösewicht, ein Mörder!“
„Mörder, Mörder, herzloses Ungeheuer,“ tobte die Menge. Man nahm den Knaben auf den Arm, führte ihn der Mutter zu, man versprach ihm neue Täubchen. Empört und wütend, schreiend und tobend schob und drängte sich die Menge aus der Halle.
„Ja,“ sagten die Vornehmen, „er ist ein pyramidales Kunstwerk, aber ein Herz, nein, ein Herz hat er nicht!“ – „In der Tat, ein exorbitantes Phänomen,“ sagten die Gelehrten und wiegten die Köpfe, „aber cum venia zu sagen, gewissermaßen herzlos!“ Darauf verschwanden auch sie.
„Er kann alles,“ brüllten die erregten Massen, „er kann sich bewegen wie wir, er kann sehen und hören, sprechen und singen, aber er tötet, denn er hat kein Herz, kein Herz, kein Herz!“
In der Ferne verlor sich das Toben und Schreien, schließlich war es nur noch ein fernes Brausen, und dann wurde es ganz stille.