Und das tat er, denn er war ein strenger und gerechter Herr.
Der Komet aber zog in seiner Bahn wieder unbekümmert dahin. Er ahnte nicht, daß die Menschen solche Angst seinetwegen ausgestanden. Im bitter kalten Weltenraum schwirrte er, tausendmal schneller als die schnellsten Vögel, von der Sonne und von der Erde fort. Selbst in ihren großen Fernrohren konnten ihn die Sternforscher auf der Erde nicht mehr erkennen, denn er war endlich viele tausendmal weiter von ihr entfernt als der Mond.
Viele Jahre waren vergangen, da kam der Komet in großer Ferne an einer anderen Erde vorbei, die war wohl ein paar hundertmal größer als unsere Weltkugel, auf der die Menschen wohnen. Ja, wer mit so einem Kometen mitfliegen könnte durch die Sternenräume! Was sieht er nicht alles, was wir Menschen nie zu sehen kriegen! Da wandert er dicht am Monde vorbei und schaut hinein in die tiefen Krater und späht wohl umher, ob er nicht irgendwo etwas Lebendiges sieht, aber nichts regt sich auf der ausgestorbenen Mondwelt, und nur die Sonne glitzert an den hohen Felsenwänden. – Dann huscht der himmlische Wandersmann wieder dicht an der Sonne entlang und blickt hinein in das brodelnde Glutmeer, aus dem in hunderttausend Meter hohen Springbrunnen das wilde Flammenfeuer emporschießt, und dann späht er neugierig auf die Erde, sieht die Eisbären auf den Schneewüsten des Nordpols, sieht die Beduinen in weißen Mänteln durch die heiße afrikanische Wüste reiten. Sieht, wie sich die Erde dreht im Wechsel von Tag und Nacht und Länder und Meere im Sonnenschein glänzen. – Dann aber trifft er auf seinem Wege andere Erden in weiter Ferne, die alle rund wie Tennisbälle um die feurige Sonne wandern. Große trifft er und kleine, und auf allen ist es wieder anders. Auf manchen leben andere Menschen von sonderbarer Gestalt, und auf manchen sind sie schon ausgestorben, oder sie sind noch nicht erschienen, weil es noch so heiß auf dem Stern ist, daß man da verbrennen würde, wie der Fisch, der in kochendem Wasser leben sollte.
Ja, was sieht so ein Komet alles, der dahinbummelt durch die Sternenräume!
Eines Tages also kam unser Komet ganz dicht an einer anderen Erde vorbei, die ein paar hundertmal größer war als unsere. Ein mächtiger Ball war es. Wolken umzogen ihn, und viele Monde tanzten rings um die Weltkugel.
Der Komet war ein fürwitziger Bursche, er rückte dem Riesen so nahe auf den Leib, daß er fast seinen Wolkenring berührte. Aber es bekam ihm schlecht!
„Schönen guten Tag,“ schrie der Komet und rauschte auf den großen Burschen los.
„Bleiben Sie mir vom Leibe, Luftikus, oder es gibt ein Unglück!“ brüllte der andere.
Aber schon war es zu spät! Krach, rannten sie aneinander, daß die Funken stoben. Der Erdenstern aber hatte einen härteren Schädel, und so erging es dem Kometen erbärmlich. Er wurde in mehrere Stücke auseinandergerissen, in einzelne Wolken von Staub- und Steinmassen, die nun hintereinander her durch den Weltenraum zogen. Da war es nun aus mit der schönen Herrlichkeit des Schweifsternes. Nie wieder konnte er nun als ein schimmernder, alle Welt in Bewunderung und Staunen, in Angst und Schrecken setzender Prinz bei der Erde erscheinen, und trübselig wandelte er dahin.
Und als die Zeit erfüllt war, als er nun wieder seine große Reise vollendet und nach hundertfünfzig Jahren zur Sonne zurückkehrte, da guckten sich die Sternkundigen die Augen nach ihm aus. Sie schraubten immer stärkere Linsen in ihre großen Operngucker, aber sie konnten nichts von dem Fremdling sehen. Es ist schnurrig, sagten sie, damals war er so groß, daß alle Menschen in Todesangst kamen und glaubten, er würde die Erde zertrümmern, und nun bleibt er ganz unsichtbar. Sie wußten nicht, daß den alten Bummler auf seinem Wege ein schwerer Unglücksfall betroffen, und daß er krank und siech, gewissermaßen auf Filzschuhen durch den Sternenraum dahinzog.