„Aber morgen schon kann der Komet mit der Erde zusammenstoßen und alles in Trümmer schlagen und verbrennen,“ sagten manche.
„Nein,“ riefen die Sterngelehrten, „er steht zehnmal weiter als der Mond von der Erde und zieht nun langsam fort. Bald wird er verblassen und ganz klein werden, ferner und ferner wird er wandern und im Sternenraum verschwinden.“
„Aber wo kommt der wunderbare Fremdling des Himmels her und wo geht er hin?“ forschten die kurfürstlichen Räte.
„Seht,“ antworteten die Sternkundigen, „der Komet läuft schon viele Jahrhunderte lang immer rundum einen mächtig weiten Weg um die Sonne. Alle hundertfünfzig Jahre kommt er wieder und besucht sie, und dann muß er auch an der Erde vorbei. Vor hundertfünfzig Jahren war er schon einmal da, und auch damals haben die Menschen geglaubt, daß die Welt untergehen wird, aber sie steht heute noch. Seht nur in den alten Geschichtsbüchern nach, da werdet ihr es finden.“
Der Kurfürst ließ alle alten Chroniken und Historienbücher kommen und erkannte, daß die Sternkundigen recht hatten. „Aber so erzählt uns,“ befahl er, „was so ein Komet für ein sonderbarer Stern ist, und ob er uns schaden kann!“
„Großmächtiger Herr Kurfürst,“ sagten die Gelehrten, „der Kometstern ist nichts weiter als eine viele tausend Meter dicke Wolke von Steinen. Die meisten Steine sind nicht größer als eine Erbse, aber es sind auch welche darunter, so groß wie ein Wagenrad. Wenn die Wolke der Sonne nahe kommt, wo es erschrecklich heiß ist, dann fängt sie an zu glühen, und leuchtende Gase bilden sich aus den Steinen, die hinter der Wolke als ein wundervoller, schimmernder Schweif herziehen, wie der Rauch hinter dem Kohlenfeuer. Wenn aber der Komet wieder von der Sonne fortzieht, dann wird er wieder kalt und leuchtet nicht mehr, und der schöne Schweif nimmt ein Ende!“
„Das läßt sich hören,“ sagte der Kurfürst. „Jetzt aber geht und beruhigt unser Volk. Es wird sich ja bald zeigen, ob ihr recht gesprochen habt, denn dazu seid ihr da, und ich bezahle euch Jahr und Tag euer Gehalt, daß ihr die Sterne studiert. Habt ihr aber falsch gesprochen, so wird ein peinliches Gericht über euch gehalten werden. Und nun geht!“
Da verbeugten sich die Sterngelehrten tief und verließen den kurfürstlichen Hof. Der Kurfürst aber ließ in allen Städten anschlagen, was die Sternkundigen von dem Kometen berichtet, und befahl jedermann, wieder in Ordnung zu leben und fleißig zu arbeiten, und wo noch ein Tänzer und Dudelsackpfeifer, ein Tagedieb und Prasser sich blicken ließe, dem solle der Stadtvogt mit einem nicht zu dünnen spanischen Rohr das Sitzleder gerben, daß es eine Art habe. Ja, solches befahl der hohe Herr bei strenger Strafe!
Da bekam denn so mancher wegen des leuchtenden Kometen ein christlich gemessenes Schock spanischen Pfeffers, aber das war auch das einzige Unglück, das der Schweifstern fürder anrichtete. Langsam wurde er immer kleiner und blasser, und endlich sah man ihn nur noch als ein winziges Wölkchen am Sternenhimmel verschwinden, genau so, wie ihn der Turmwächter hatte kommen sehen.
Da erkannten der Kurfürst, seine Räte und alles Volk, daß die Sternkundigen wahr gesprochen hatten. „Gut,“ sagte der Fürst, „so will ich euch zur Belohnung noch ein größeres Fernrohr bauen lassen, damit ihr die Sterne so deutlich betrachten könnt wie nie zuvor.“