Es wurde immer jammervoller mit den Menschen. „Wir wollen wieder arbeiten,“ schrien sie, „wir wollen wieder Licht und Wärme, Wolken und Wind, grüne Wälder und wogende Kornfelder, Vogelsang und Blumenduft, wir wollen die Sonne wieder droben haben im Blauen, ja die Sonne, die Sonne, die die Menschen so froh macht und glücklich und reich!“
Die Anführer aber, die all das Unglück angezettelt, die alle Maschinen angehalten, alle Arme gelähmt hatten, die sich gegen die Sonne verschworen, widersetzten sich der Menge, denn sie hatten noch Kohlen und viele gute Dinge für sich heimlich in Sicherheit gebracht und lebten herrlich und in Freuden in einer verborgenen Klause, fern im Walde.
Eines Tages aber ertrugen es die Menschen nicht länger. In ungeheuren Scharen zogen sie durch die tiefe Finsternis hinaus zu den Verschwörern, griffen sie und erschlugen sie auf der Stelle.
„Arbeiten wollen wir wieder, und die Sonne soll wieder scheinen,“ so tönte ihr Rufen mächtig durch das Land.
Als die Sonne das hörte, da erkannte sie, daß die Menschen wieder vernünftig geworden waren, und mit heiterem Strahlenlächeln stieg sie in blendender Helle über dem Horizont empor und hüllte die Welt in ihren wärmenden Mantel.
Die Menschen standen, geblendet von der Helle, unzählbar an Masse draußen und erwärmten die zitternden Glieder. Neues Leben huschte über die bleichen Gesichter. Und tausend Wunder vollbrachten die Sonnenstrahlen, Wunder, auf die die Menschen früher gar nicht geachtet hatten. Sie lösten alle Quellen aus den Banden des Eises, so daß sie murmelnd dahinsprangen, sie tauten Seen und Flüsse auf, ließen die Wellen des Meeres wieder ungehindert dahinrauschen, und Schiffer und Fischer gingen ans Werk. Die Sonne erwärmte die Luftschichten, trieb sie durcheinander, der Wind wehte wieder, die Mühlenflügel drehten sich wieder lustig im Kreise. Da wachten die Wasserfälle auf, denn hoch von den Bergen kamen die Schmelzwasser nieder. Windmüller und Wassermüller rauchten wieder ihre Pfeifen und mahlten fröhlich ihr Mehl, und Hinz und Kunz zogen tiefe Furchen mit dem Pflug in die erwärmte, dampfende Ackerscholle. Die Bäume setzten neue Knospen an, die Vögel, die die schwere Zeit überlebt hatten, kamen aus ihren Verstecken hervor und jubilierten in der Luft, und droben, zwischen den Wolken, zog der Mond, der alte Kunde, mit pfiffigem Gesicht.
Frau Sonne aber lächelte mit runden Backen herab wie eine gute, sorgende Mutter.
Da fielen die Leute nieder auf die Knie und sangen der Sonne ein Loblied, denn ihr Trotz war verflogen.»