„Es sollte doch mit dem Teufel zugehen,“ meinten die Menschen, „wenn wir uns von der Sonne unterkriegen lassen würden! Wißt ihr, was wir jetzt machen? Wir benutzen den Wind. Der Wind treibt uns große Windmühlen, und mit ihrer Kraft drehen wir unsere Räder und elektrischen Maschinen. Auf, laßt uns große Windmühlen bauen.“
„Ach du lieber Gott,“ meinten ärgerlich die Zimmerleute und die Schmiede, „da geht ja die Arbeiterei schon wieder los!“
Aber die anderen entgegneten, das müßte nun mal auf kurze Zeit so sein, und wenn die Windmühlen erst fertig wären, könnten wieder alle feiern.
Da bauten sie denn bei Tag und Nacht mächtige Windmühlenflügel und große Triebwerke und froren jämmerlich dabei, denn es wurde immer kälter auf Erden. Endlich aber war auch dieses Werk getan, und nun brauchte nur noch Wind zu wehen, dann drehten sich die großen Flügel, drehten sich mit ihnen die mächtigen Räder und elektrischen Maschinen, und dann gab es wieder elektrische Kraft und Licht und Wärme. Aber sie warteten und warteten, doch es kam kein Wind. Kein Blättchen regte sich, kein Staubkörnchen wirbelte auf.
Da gingen die Menschen wieder zu den Gelehrten und sagten: „Nun erklärt uns, wann endlich einmal Wind wehen wird!“
Die Weisen aber seufzten schwer und rückten an ihren großen Brillen, und endlich sagten sie: „Es wird überhaupt kein Wind mehr wehen, solange die Sonne nicht scheint, denn die Sonne ist es, die den Wind und den Sturm macht. Sie erwärmt an manchen Gegenden die Luft mehr als an anderen. Da steigt die warme Luft empor, fließt von einem Erdort zum anderen, und dieses Strömen der Luft, das ist der Wind. Wenn die Luftmassen schnell dahinströmen, dann ist es Sturm, und wenn sie langsam ziehen, dann säuselt es nur so ein wenig in den Zweigen. Da nun die Sonne die Luft nicht mehr erwärmt, so strömt sie auch nicht mehr, und ihr habt eure Windmühlenwerke umsonst gebaut.“
Da schimpften die Menschen von früh bis abend und fuhren sich gegenseitig in ihrer Wut in die Haare, aber davon wollten die Windmühlen sich auch nicht drehen. „Ihr müßt wieder hinabsteigen in die Gruben und neue Kohlen aus dem Gestein herausschlagen,“ riefen die Leute den Bergarbeitern zu, aber diese weigerten sich, denn sie wollten nicht schaffen, wenn die anderen feierten. „Wir aber wollen nicht erfrieren!“ brüllten die Menschen, und so gab es überall Aufruhr und Streit und blutige Köpfe. Die Leute holzten alle Wälder ab, um das Holz zu verbrennen und sich eine warme Suppe und eine warme Stube zu machen, aber viele erfroren bei dieser Arbeit im Freien.
Es wurde immer kälter und kälter auf Erden, und es war ein Leben wie am Nordpol. Das Meer war hundert Meter dick in die Tiefe gefroren, so daß kein Schiff nach fernen Ländern fahren konnte, Getreide und andere Dinge zu holen. Kein Fischer konnte ein Netz auswerfen. Die Tiere des Waldes verendeten vor Kälte, die Vögel fielen erfroren aus der Luft herunter, ihr Blut war zu Eis erstarrt. Der Erdboden war bis in die Tiefen hinein gefroren und fest wie ein Felsen, kein Pflug konnte ihn durchdringen. Tiefe, schaurige Dunkelheit lag über der Welt, nur die fernen Sterne glitzerten aus der eiskalten Höhe auf die unglückliche, von der Sonne verlassene Erde.