„Laß uns in Ruhe, Frau Sonne,“ brummten die Menschen, „mach, was du willst, wir machen es auch!“
Da ging die Sonne am Abend mit zornrotem Gesicht unter und kam am nächsten Morgen nicht wieder. Sie feierte!
„Die Sonne ist wirklich fortgeblieben,“ meinten die Menschen, und manche machten doch bedenkliche Gesichter. „Nun wird es kalt werden,“ sagten sie, „und rabenschwarze Nacht wird es auch am Tage sein.“ „Nachts wird es helle,“ schrien die anderen, „da scheint der gute alte Mond!“
Aber als es Nacht war, blieb es stockdunkel, und auch der Mond schien zu feiern. Da gingen die Menschen zu den berühmtesten und gelehrtesten Sternkundigen und fragten, was sie von der Sache hielten, und warum der Mond nicht scheine.
„Ja,“ meinten die, „er kann nicht, denn wenn die Sonne nicht mehr ihr Licht aussendet, so bleibt auch der Mond im Dunkeln, denn er wird ja erst von der Sonne erleuchtet und strahlt nur das geliehene Sonnenlicht wieder.“
„Gut,“ schimpften die Menschen, „so soll er es lassen. Dann beleuchten wir die Städte mit unseren elektrischen Lampen und heizen mit Elektrizität.“ Da heizten sie ihre Kessel mit Steinkohlen, setzten ihre mächtigen Dampfmaschinen in Gang und machten elektrischen Strom, der durch hunderttausend Lampen ging und Haus und Stadt erhellte. Aus den Steinkohlen machten sie auch Gas. Sie erhitzten sie in großen Kesseln, so daß das Gas aus ihnen entwich, leiteten es durch Röhren in alle Häuser und brannten es an. Da konnten sie sich an Gasöfen wärmen und auf Gasöfen kochen, und sie lachten über die Sonne.
Eines Tages aber waren die Steinkohlen aufgebraucht, und da die Bergleute nicht für die anderen arbeiten wollten, sondern auch ihren Feiertag zu machen wünschten, hörte das Wasser in den Kesseln auf zu kochen und die Maschinen standen still. Da gab es auch kein Gas, kein Licht und keine Wärme mehr, und die Leute murrten.
Die anderen aber sagten: „Nur nicht verzagt, wir werden auch ohne die Sonne fertig! Haben wir keine Steinkohlen mehr, um unsere Maschinen zu treiben, so nehmen wir die Kräfte des Wassers zu Hilfe. Das Wasser strömt in tausenden Wasserfällen von den Höhen herab, da bauen wir mächtige Wasserräder und Turbinen, die dreht das herabstürzende Wasser, und sie drehen uns unsere elektrischen Maschinen. Da haben wir wieder Licht und elektrische Wärme!“
Als die Menschen aber zu den Wasserfällen kamen, da floß kein Tropfen mehr hernieder. Nicht als ob das Wasser eingefroren war, nein, es war überhaupt keines mehr in den Wasserfällen. Da gingen sie zu den Gelehrten und sagten: „Erklärt uns, wie es kommt, daß die Wasserfälle versiegt sind.“
„Ja,“ sagten die weisen Räte, „das ist ganz einfach! Die Wasserfälle kommen von den Bergen herab, weil die Sonne hoch droben den Schnee und das Eis schmilzt und wieder zu Wasser macht. Da die Sonne nicht mehr scheint, so schmilzt auch das Eis und der Schnee nicht mehr, und so kann es auch keine Wasserfälle geben. Auch der Regen, der in den Bergen niedergeht, rauscht in den Wasserfällen zu Tal. Da aber die Sonne kein Wasser mehr aus Flüssen und Meeren verdunstet, so steigt auch kein Wasserdunst mehr empor zu den Wolken, es entstehen keine Regenwolken mehr, und so gibt es auch keinen Regen und keine Wasserfälle! Das alles hat die Sonne durch ihre Wärme in Gang gebracht, aber nun, wo sie feiert, ist es aus damit.“