Aber frei von Erdenschmerzen!
Ohne Fleisch und Blut geboren,
Seelchen, zum Olymp erkoren,
Unschuldsvoll und wonnereich,
Bist du bald den Göttern gleich.
Die Pennbrüder
Es dunkelte, die Gaststube drüben war erleuchtet, und es lärmten die zum Bier erschienenen Gäste. Was in ihren Taschen klimperte, mußte ja wohl vertan werden. Jetzt trat aus dem Hause, eine brennende Laterne in der Hand, Onkel Pofke — so nannte man den Gastwirt, dem der Preußische Adler gehörte nebst dem als Gefängnis an das Amt vermieteten Bau. Der niedrige Dachraum über den drei Zellen war von Onkel Pofke zu einer Herberge für Reisende hergerichtet — zwei Groschen die Schlafstelle. Hatten die Pennbrüder bei Tage ihren Draht zusammengeholt, so ließen sie abends was draufgehn.
Besagter Onkel also kam drüben aus dem Gasthause mit brennender Laterne und ging zur Kegelbahn, die neben meinem Gefängnisse war. Da sein Gesicht beleuchtet war, konnte ich ihn beobachten. Der Graukopf mochte ein Sechziger sein, war aber noch kräftig und behende. Sein glattrasiertes, faltiges Gesicht hatte einen biedern und gemütlichen Ausdruck, seine Nase war rot, eine sogenannte Tulpe, listig waren die Schweinsäugelchen. Die Laterne an einen Haken der Kegellaube gehängt, betrachtete er einen Gegenstand, den er zwischen den Fingern hielt. Als ein Gast aus der Kneipe zu ihm trat und vertraulich raunte, antwortete der Onkel abweisend: „Wenn ick doch sage, der Stein is unecht! Det bisken Jold lohnt nich. Eene Mark achtzig will ’ck uff deine Zeche anrechnen.“ — „Wat?“ entgegnete der Pennbruder patzig. „Eens achtzig for so’n teiret Andenken? — an meine verflossene Braut? Nich in de Hand!“
Jetzt kamen johlend drei andere Gäste nebst dem ältesten Jungen des Amtsdieners: „Also los, der Ring wird ausjeschoben! Flott, Bengel! Kejel uff! Un hinten de Laterne anjestochen!“ Wie nun die Kegelbahn hell genug war und Onkel Pofke mehrere Glasnäpfe mit Weißbier hergeschafft hatte, trat der erste Kegler vor, ein Bursche mit einer hohen, etwas glucksenden Stimme. Die Kegelkugel in der Hand wiegend, streckte er das linke Bein vor, knickte mit dem rechten ein und holte zum Wurf aus. Forsch rollte die Kugel, die Kegel prasselten, der Junge rief: „Achte um!“ Der König war allein stehn geblieben, das war ein guter Wurf. „Hurra!“ johlten die Kegelbrüder, und der Erfolgreiche trällerte im Fisteltenor: