»Das tut mir leid,« sprach Leath. »Fräulein Mortlake ist ein allerliebstes kleines Geschöpfchen, und ich weiß, Sie halten viel von ihr. Wollen Sie ihnen beiden von mir sagen, ich hoffte, sie würden mit der Zeit freundlicher gegen mich gesinnt werden?«
»Ja — das will ich tun.«
Florence lehnte sich zurück und schloß die Augen. Sie war sich einer Regung der Dankbarkeit bewußt. Er hätte ihr die Sache viel schwerer machen können; sie fühlte zwar, er würde unerbittlich darauf bestehen, daß sie ihr Wort halte — warum sollte er auch nicht? — aber er war zartfühlend, rücksichtsvoll und freundlich gewesen.
Sie widerstrebte nicht, als er wieder ihre Hand nahm, und verbarg, so gut sie konnte, den Schauder, der sie durchbebte, als er die Lippen darauf drückte. Das konnte sie ertragen. Aber sie öffnete gleich darauf die Augen wieder, entzog ihm ihre Hand und erklärte, daß sie Kopfschmerzen von der Sonne habe und nicht länger im Freien bleiben könne.
»Das sollen Sie auch nicht.«
Er stand auf, als sie sich erhob, und blickte in das blasse, müde Gesichtchen mit den dunklen Schatten unter den Augen, dem Schmerzenszug um die zarten Lippen.
»Armes Kind!« entfuhr es ihm plötzlich. »Wie elend Sie aussehen — wie ein Schatten Ihres lieblichen Selbst! Und daran bin ich wohl schuld? Ich — gütiger Himmel! Sind Sie sehr unglücklich, Florence?«
»Unglücklich?« Sie warf ihm einen Blick zu. Hohn und stumme Vorwürfe lagen darin. »Brauchen Sie die Sache noch schlimmer zu machen dadurch, daß Sie mich darnach fragen?«
»Noch schlimmer? Ist es so schlimm?« Er hielt jetzt ihre beiden Hände und blickte mit düsterer Zärtlichkeit auf sie herab. »Ja — ich bin wohl brutal — ich weiß, daß Sie mich dafür halten! Ich müßte Sie wohl freigeben, — das müßte ich eigentlich! Ein guter Mensch würde das tun.« Er hielt inne und holte tief Atem. »Nun, ich fürchte, ich bin kein guter Mensch. Sie sind mein. Ich kann es nicht tun!«
»Ich — ich habe Sie nicht darum gebeten,« sprach Florence mit schwacher Stimme.