Wenn er es täte? Wenn er sie des Versprechens entbinden sollte, mit dem sie sein Schweigen erkauft hatte? Schon bei dem bloßen Gedanken überlief es sie kalt, obwohl sie sehr wohl wußte, daß er es niemals tun würde.
»Nein — Sie haben mich nicht darum gebeten, — das ist wahr. Aber ich kann sehen —«
Er brach ab; sein Ton wurde sanft und liebkosend. »Mein armes kleines Lieb — mein armes kleines Mädchen! Ich liebe es so, daß ich ihm kein Haar krümmen möchte — liebe es so, daß ich mir die Hand abhauen würde, ihm zu dienen, wenn es sein müßte, und doch bin ich grausam genug, um es so aussehen zu machen!«
»Lieben?«
Die Versuchung, ihm zu widersprechen, war zu mächtig, um ihr zu widerstehen, trotz des panischen Schreckens, von dem sie sich eben erholt hatte: sie warf ihm einen Blick der Verachtung zu.
»Sie mögen vorgeben, mich zu lieben, Herr Leath, aber mehr tun Sie nicht.«
»Vorgeben? Glauben Sie, ich tue nur so? Glauben Sie das? Dann denken Sie hieran, mein Lieb, und sagen, wieviel Verstellung daran ist!«
Zu plötzlich, als daß sie ihm hätte ausweichen, zu kraftvoll, als daß sie ihm hätte wehren können, schloß er sie fest in die Arme und küßte sie zweimal mit leidenschaftlicher Innigkeit. Im nächsten Augenblick hatte sich Florence mit einem halberstickten Schrei losgerissen und floh über das Gras, ohne einen Blick zurückzuwerfen.
Leath machte keinen Versuch, ihr zu folgen. Nach einer unwillkürlichen Bewegung, sie zurückzuhalten, blieb er regungslos stehen und sah der Davoneilenden mit einem seltsamen Lächeln nach. Erst einige Sekunden, nachdem sie verschwunden, machte er kehrt und verließ den Garten von Turret Court.