»Das will ich um deinetwillen hoffen.« Fräulein Mortlake empfand ein gut Teil Angst und Scham vor Ihrer Durchlaucht der verwitweten Herzogin von Dunbar, da sie ein schüchternes kleines Geschöpf war, und sah fast ebenso ängstlich aus, als hätte sie selbst gewagt, der hochgeborenen Dame Trotz zu bieten.

»Ich möchte, sie teilte sich nicht mit meinem Vater in die Vormundschaft über dich, Florence,« sprach sie. »Ein Vormund ist genug.«

»Liebste, ich bin oft der Meinung, daß einer schon zu viel ist.« Florence setzte sich wieder in ihren Stuhl, verschränkte die Hände im Nacken unter dem vollen, lose verschlungenen Knoten ihres kastanienbraunen Haares und fuhr langsam fort: »Es ist recht lästig, das muß ich zugeben. Aber siehst du, die Herzogin hat bei mir Gevatter gestanden, und so hätte sie es wohl nicht gern gesehen, wenn sie übergangen worden wäre. Und mein Vater mag wohl der Ansicht gewesen sein, daß Frauen nicht viel von Geschäften verstünden. Er hielt es im Interesse meiner Angelegenheiten für besser, ihr einen männlichen Vormund an die Seite zu stellen, und da war es natürlich, daß seine Wahl auf Sir Jasper, den Mann seiner einzigen Schwester, fiel. Ihre Durchlaucht waren unbedingt froh, mich los zu sein, und jetzt, seitdem ich mündig bin, kann ich überhaupt tun, was mir beliebt — was meinen Aufenthalt betrifft wenigstens.«

Der Ton ließ darauf schließen, daß die Sprecherin in anderer Hinsicht nicht tun könne, was ihr beliebte.

»Hast du — hast du es der Herzogin erzählt, Florence?« fragte Cis, anscheinend ganz ohne allen Zusammenhang, mit gedämpfter Stimme.

»Nein, mein Herz. Ich beschloß, damit noch zu warten. Teils weil ich der Ansicht war, mein Brief sei sowieso schon hinreichend, um ihr auf die Nerven zu fallen, — von der Laune, in die er sie versetzen wird, gar nicht zu reden. Teils weil ich es für möglich hielt, sie könne ihren Doktor samt seinen Verordnungen und Pontresina ganz und gar vergessen und in höchsteigener Person hier auf der Bildfläche erscheinen, um ihre Ansicht kundzutun. Ihre Ansichten sind mir gewöhnlich langweilig.«

Sie brach geflissentlich von dem Gegenstande ab und fragte: »Wo ist Roy heute morgen, Cis?«

»Ausgeritten, glaube ich. Nein, ich weiß es sogar bestimmt. Er sagte beim ersten Frühstück, er wolle nach Arborfield hinüberreiten.«

»Und Harry zum zweiten Frühstück mitbringen!« setzte Florence gleichmütig hinzu. »Weshalb sprichst du nicht zu Ende, Cis?«

Sie lachte, während sie in das Porzellangesichtchen schaute, dessen zarte Farbe dunkler wurde.