»Ja; ich war hart am Rande der Klippe und wurde gepackt und festgehalten, ehe ich wußte, woran ich war; ich konnte mich nicht zur Wehr setzen. Der Schlag wurde zuerst nach mir geführt — ich weiß nicht, womit, und dann, ehe ich mich davon erholen kannte, wurde ich, wie gesagt, hinabgestürzt.«
»Aber, gütiger Himmel, Leath, das war Mord!« rief Sherriff entsetzt.
»Es sollte auch ein Mord sein,« wiederholte er. »Der Mensch, der mich von der Klippe hinabstieß, wollte mich aus der Welt schaffen, so gewiß, wie wir beide einander gegenübersitzen. Es war vielleicht kein überlegter Mordanschlag, das behaupte ich nicht — das glaube ich kaum. Er mag mir absichtlich gefolgt sein oder auch nicht. Ich kann es nicht sagen, und es kommt auch nicht sonderlich darauf an. Aber er beabsichtigte, mich zu töten, und glaubte ohne Zweifel, daß er es getan. Und wenn es ihm gelungen, wenn ich tot auf dem Felsen gefunden worden wäre, was würde es anders gewesen sein als ein Unfall, ein Ausgleiten im Dunkeln?« Er lachte wieder bitter auf. »Er würde sicher genug, vollkommen sicher gewesen sein! Wer hätte daran gedacht, Sir Jasper Mortlake mit dem Tode eines Menschen in Verbindung zu bringen, der mit seiner Einwilligung sein Mündel heiraten sollte?«
»Sir Jasper Mortlake?« stieß Sherriff hervor und sprang auf.
»Freilich — er und kein anderer! Ich habe sein Gesicht gesehen; dazu war es nicht zu dunkel, und hätte ich es auch nicht erkannt, so würde ich es doch gewußt haben. Er hat Grund genug, meinen Tod zu wünschen — hatte es, wie ich jetzt weiß, seitdem er mich zum ersten Male gesehen und mich haßte wegen der Ähnlichkeit, an die zu glauben er sich fürchtete. Damals konnte ich es mir nicht erklären, seitdem habe ich darüber gelacht, und ebenfalls über meine eigene Dummheit, keinen Verdacht zu schöpfen.«
»Großer Gott! Welchen Verdacht?«
»Das will ich Ihnen erzählen. Vor Ihnen wenigstens kann ich es jetzt nicht länger geheimhalten, und Sie haben ein Recht auf mein Vertrauen, um meiner Mutter willen. Aber denken Sie daran, daß es fürs erste nicht weiter geht, um ihretwillen, obwohl ich gleich jenem Menschen gegenübertreten und ihm seinen Mordversuch vorwerfen will.«
»Um — um deiner Mutter willen?« fragte Sherriff bestürzt.
»Nein — um ihret-, um Florences willen. Sie haben sich gewundert, weshalb sie versprochen hat, mein Weib zu werden; Sie haben sich gewundert, weshalb Sir Jasper seine Einwilligung gegeben hat; Sie haben sich noch über manches andere gewundert. Sie wundern sich jetzt, weshalb er versucht hat, mich zu ermorden. Hören Sie mir ein paar Minuten zu, so sollen Sie es erfahren.«