»Ich will Harry entgegengehen, Florence. Er muß sicher bald hier sein — er versprach, zum Frühstück zu kommen, und es ist ein so wundervoller Morgen nach dem Regen, daß es mich eine Sünde dünkt, im Hause zu hocken. Willst du auch mit, liebes Herz?« fragte Cis.
Sie kam die Treppe herab und knöpfte sich die Handschuhe zu, als sie ihrer Cousine ansichtig wurde, die zwischen den Vorhängen des einen der großen, viereckigen Fenster stand, durch die die innere Halle Licht empfing. Sie war so in Gedanken versunken, während sie hinausblickte, daß sie sich erst, als die andere sie berührte, zusammenschreckend umwandte.
»Du gehst aus, Cis? Harry entgegen? Das ist recht! Du siehst so hübsch aus, Schatz!«
»So?« Cis lächelte. »Blau steht mir immer gut, aber nicht besser als dir. Willst du nicht mitkommen, Florence? Du siehst so blaß aus, und deine Augen sind so trübe. Die Luft würde dir sicher gut tun!«
»Blaß — so?« Florence fuhr sich mit der Hand über die Stirn. »Ich habe seit einiger Zeit die dumme Angewohnheit, nicht zu schlafen, das ist wohl schuld daran. Nein, ich glaube, ich gehe nicht mit, Herzchen; ich bin nicht recht aufgelegt dazu!«
»Du mußt krank sein, du warst sonst immer zu allem aufgelegt,« sagte Cis mit zärtlicher Teilnahme. »Du bist auch viel magerer geworden, Liebling; gestern habe ich noch mit Mutter darüber gesprochen. Und du siehst in dem langen, schwarzen Kleide wie eine Nonne aus. Ich wollte, du trügest es nicht.«
»So? Nun, ich sehe neben dir wohl etwas düster aus,« meinte Florence mit schwachem Lächeln. »Mache dir um mich und mein Aussehen keine Sorge, kleine Cis; mir geht es ganz gut. Vielleicht unternehme ich nachher einen Spazierritt. Wo ist Tante Agathe? Im getäfelten Zimmer?«
»Ja. Aber ich würde sie dort nicht aufsuchen, Florence; die Herzogin ist bei ihr.«
»Dann werde ich sicherlich nicht hingehen. Ihre Durchlaucht und ich haben hoffentlich das letzte notwendige Wort miteinander gesprochen. Will sie wirklich heute fort?«