Die einzelnen Zählungen werden notiert und zwar in Form eines Protokolles. Ein solches Protokoll ist im Anhange beigegeben und aus diesem die Einrichtung zu ersehen. Folgendes möge noch zur Erläuterung desselben erwähnt sein. In der linken obern Ecke findet sich Datum und Ort des Fanges, hier also: 13. September 1887, Stettiner Haff. Über sämtliche Fänge wird ein Journal geführt, es bedeutet J. No. 1 = Journal No. 1. Daselbst finden sich die näheren Daten, die bei Erlangung des Fanges als wichtig notiert wurden, wie die Tiefe des Fanges (hier 5 m), die Temperatur des Wassers und der Luft, Windrichtung, Beschaffenheit des Fanges, ob locker, flockig, schnell absetzend; letztere Aufzeichnungen sind wichtig, da sie, wie wir oben gesehen haben, schon einen Einblick in die Zusammensetzung des Fanges erlauben.

In dem Protokolle sehen wir einige Vertikalreihen, darauf Horizontalreihen. Betrachten wir zuerst die Vertikalreihen. In der ersten Kolumne mit der Überschrift „Art der Untersuchung“ steht überall feucht, d. h. alle Platten, die durchzählt worden sind, enthielten die Organismen in Wasser suspendiert. Den Gegensatz bilden die trockenen Platten, die, wie oben erwähnt wurde, meist zum Zählen der Diatomeen verwendet werden. In unserem Fange waren Diatomeen in verhältnismässig geringer Anzahl vorhanden, Melosira, Coscinodiscus und Bacillaria zusammen etwa 100 Millionen, diesen standen von anderen Algen allein Limnochlide mit 9653 Millionen gegenüber. Letztere würden beim Trocknen bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft sein und daher die Zählung vereitelt haben, während die kieselschaligen Diatomeen nicht nur ihre Form behalten, sondern auch leichter in trockenem Zustande zu bestimmen sind.

In der zweiten Vertikalreihe sind die Vergrösserungen angegeben, bei denen die einzelnen Platten gezählt worden sind. Das stärkste der angewendeten Objektive (Vergrösserung 200) hatte einen solchen geringen Abstand von der Glasplatte oder von der Flüssigkeitsmenge (0.1 ccm), die sich auf der Platte befand, dass es nur der gleichmässigen und leichten Verschiebung des Objekttisches zuzuschreiben ist, dass das Objektiv nicht in das Wasser eintauchte. Dadurch ist einerseits einer weiteren Erhöhung der Vergrösserung ein Ziel gesetzt, anderseits würde die Zählung einer Platte mit noch stärkeren Objektiven viel längere Zeit in Anspruch nehmen und die Augen übermässig anstrengen. Beiläufig will ich noch erwähnen, dass die Zählung solch einer Platte etwa drei Stunden dauert[C]. Nach und nach nahm die Vergrösserung, bei der gezählt wurde, ab bis auf 22; mit letzterer wurden nur noch Leptodora, Milben und ein nicht bestimmtes Rädertier gezählt. Die anderen Organismen waren entweder schon zu zahlreich auf der Platte und lagen infolgedessen zu dicht an einander, oder es war schon die genügende Zahl gezählt, oder endlich reichte die Vergrösserung nicht mehr aus, die kleineren Organismen genau und schnell zu erkennen. Aus letzterem geht hervor, dass man nie ein schwächeres Linsensystem anwenden darf, ehe nicht alle Organismen genügend gezählt sind, die mit diesem System nicht mehr genau erkannt werden können.

[C] Die genaue und bis in die Einzelheiten gehende Zählung eines Fanges nimmt etwa vierzehn Tage in Anspruch bei vierstündiger Arbeitszeit.

In der dritten Reihe ist die Grösse der Verdünnung angegeben. Aus dem oben Gesagten erklären sich die Angaben leicht. 1:1000 heisst also, dass 1 ccm der ersten Verdünnung mit 999 ccm Wasser verdünnt wurde, so dass das Gesamtvolumen 1000 ccm = 1 Liter war. Man richtet sich am besten solche Messflaschen ein, die 1000, 500, 200, 100, 80 ccm halten, und benutzt dazu verschieden grosse Kochflaschen, die eine abgemessene Flüssigkeitsmenge so aufnehmen können, dass diese gerade noch in den Hals der Flasche hineinragt, dort bringt man mit dem Diamant eine Marke an. Dann hat man für jede Verdünnung sogleich eine Flasche bereit. Zu den letzten Zählungen ist die erste Verdünnung genommen worden, es wurden aber auch nur die grössten Tiere gezählt, so auf einer Platte, die 2.5 ccm Flüssigkeit enthielt, nur Hyalodaphnia Kahlbergensis, Daphnia longispina, Sida crystallina, Leptodora hyalina, Milben und das oben erwähnte Rädertier. Es waren im ganzen (in No. 27) 94 Individuen, so dass, trotz der grossen Flüssigkeitsmenge, die Zählung nur ungefähr eine halbe Stunde in Anspruch nahm.

Die nächste Spalte enthält die „Nummern“ der gezählten Platten. Meist genügen 22–24 Platten; in unserem Fange waren aber die grossen Formen selten, so dass, um einen einigermassen sicheren Einblick in die Massenhaftigkeit ihres Vorkommens zu erhalten, mehrere Platten allein für sie verarbeitet werden mussten (Platte 26–31). Die fortlaufenden Nummern der Platten sehen wir wieder als Kopfzahlen bei den Horizontalreihen, zu denen wir weiter unten übergehen werden.

Wir überspringen einige Spalten und sehen uns die letzte mit der Überschrift „Gebrauchtes Mass“ an. Die Zahlen dieser Rubrik besagen, eine wie grosse Wassermenge jedesmal zur Untersuchung benutzt worden ist. Aus der ersten Zeile ersehen wir, dass 0.1 ccm gezählt wurde und zwar — wie aus den daneben stehenden Reihen hervorgeht — von der Verdünnung 1:1000 bei einer Vergrösserung von 200 auf feuchter Platte. Die Flüssigkeitsmengen werden mit den oben beschriebenen Stempelpipetten abgemessen und auf die Platte übertragen. Es sind, wie das Protokoll ausweist, alle dort erwähnten Grössen in Anwendung gekommen, mit Ausnahme von 5 ccm, die nur zum Abmessen der Volumina zwecks der Verdünnung gedient hat (siehe Platte 21–25, auch 10–20).

Kehren wir nun zu der alten Reihenfolge zurück, so treffen wir die Spalte, die die Wahren Masse enthält. Diese unterscheiden sich insofern von dem „Gebrauchten Mass“, als sie nicht angeben, wie viel Flüssigkeit auf jeder einzelnen Platte durchzählt wurde, sondern der wievielte Teil diese Flüssigkeitsmenge von der ganzen betreffenden Verdünnung ist. Wie wir diese Zahlen erhalten, ergiebt sich am leichtesten an der Hand unseres Protokolls: Bei Platte 1 haben wir 1 ccm der ersten Verdünnung auf 1000 ccm (zweite Verdünnung) gebracht; würde ich hiervon 1 ccm abnehmen, so wäre dieser der 0.001. Teil der ganzen zweiten Verdünnung oder des einen Kubikcentimeter der ersten Verdünnung, den ich für die zweite benutzt habe. Zur Zählung ist aber nur 0.1 ccm verwendet, dieser ist dann nur der 0.0001. Teil der ganzen zweiten Verdünnung, enthält also auch nur den 0.0001. Teil der Organismen der ganzen zweiten Verdünnung resp. des 1 ccm der ersten Verdünnung, von dem die zweite Verdünnung hergestellt ist.

Bei Platte 10 haben wir die Verdünnung 10:100, also 0.1; davon 0.2 ccm genommen, erhalten wir 0.02 als wahres Mass.

Bei No. 21 haben wir 30:100, also 0.3, ein Kubikcentimeter davon also 0.3 wahres Mass.