Crustacea:

Leptodora hyalina Lilljeb.
Daphnella brachyura Liév.
Hyalodaphnia cucullata Sars., var. apicata Kurz.
Bosmina coregom Baird.
Bosmina cornuta Jur.
Cyclops simplex Pogg.
Diaptomus gracilis Sars.

Rotatoria:

Asplanchna helvetica Imhof
Anuraea longispina Kellic.
Anuraea cochlearis Gosse
Polyarthra platyptera Ehrb.

Dazwischen kommt auch noch in grossen Mengen ein zur Flagellaten-Gattung Dinobryon gehöriges Wesen (vergl. Fig. 35 im ersten Bande dieses Werkes) und das ebenfalls zu den Geisselträgern gehörige Ceratium hirundinella vor. Ein feines Schwebnetz aus Müllergaze, mit dem wir vom Boote aus bloss zehn Minuten lang die oberflächlichen Wasserschichten der Seenmitte abfischen, enthält nach Ablauf dieser kurzen Zeit einen förmlichen Brei auf seinem Grunde, welcher lediglich aus den soeben namhaft gemachten Krebs-, Rädertier- und Flagellaten-Spezies besteht.

Die nähere Erforschung der Lebens- und Ernährungsweise dieser pelagischen Tiere, welche in staunenswert grosser Individuenzahl unsere Binnenseen bevölkern, wäre — wie schon betont — eine sicher zu wichtigen Aufschlüssen führende Arbeit, welche von einer biologischen Süsswasserstation in Angriff genommen werden könnte. Freilich würden zur Bewältigung einer solchen Aufgabe keineswegs nur Wochen und Monate, sondern zweifellos mehrere Jahre erforderlich sein. Was wir bis jetzt über die Biologie jener rastlos schwimmenden Wesen wissen, ist durch die verschiedensten Forscher bei Gelegenheit von Ferienreisen, in Sommerfrischen u. s. w., wodurch die Betreffenden zufällig in die Nähe grösserer Süsswasseransammlungen gelangten, festgestellt worden. Hin und wieder (ich erinnere nur an die ausgezeichneten Forschungen Prof. Aug. Weismanns über Daphniden) sind solchen Gelegenheitsstudien die schönsten und weittragendsten Resultate zu verdanken gewesen. Aber eben darum, weil sich solche Untersuchungen schon öfters als im hohen Grade lohnend erwiesen haben, erscheint es geboten, dieselben fortzusetzen und sie so zu organisieren, dass wertvolle Ergebnisse nicht bloss vom Zufall abhängen, sondern vielmehr mit einiger Sicherheit erwartet werden können.

Eine andere Frage vom allgemeinsten wissenschaftlichen Interesse wäre die nach der Winterfauna unserer Landseen, d. h. eine Ermittelung derjenigen Tiere, welche während der Kältemonate unter der Eisdecke im Wasser ausdauern und weiter leben, während andere beim Eintritt der niedrigen Temperatur hinsterben, nachdem sie den Fortbestand ihrer Art durch die Produktion und Ablage von Dauer-Eiern (vergl. Bd. I S. 367) gesichert haben. Dass verschiedene Infusorienspezies, Spaltfusskrebschen und mancherlei Würmer in unseren Teichen während des Winters zu finden sind, weiss man schon seit längerer Zeit; aber auf diese wenigen Thatsachen beschränkt sich gegenwärtig unsere Kenntnis, sodass es angezeigt wäre, sich einmal näher darüber zu unterrichten, welche Tiere (bezw. niedere Pflanzen) es denn sind, deren Lebensfunktionen unter der Einwirkung von Kälte so gut wie gar keine Beeinträchtigung erfahren. Diese Aufgabe könnte gleichfalls auf das Programm einer nahe am Seeufer befindlichen Station gesetzt werden, und sie wird wohl auch einer solchen reserviert bleiben, da es vollkommen unthunlich ist, derartige Untersuchungen ausserhalb des Bereichs einer den Forscher sowohl wie das von ihm aufgefischte Material vor Frost schützenden Unterkunft vorzunehmen.

Ein reiches und anziehendes Arbeitsgebiet für den in unmittelbarer Seenähe stationierten Zoologen würde selbstredend auch die Beobachtung der Wasserinsekten und der Larvenzustände von solchen Landkerbtieren sein, welche ihre Eier ins Wasser ablegen. Es ist nicht zu bezweifeln, dass Studien dieser Art, wenn sie auf eine grössere Anzahl verschiedener Objekte ausgedehnt werden, interessante Aufschlüsse in allgemein biologischer Hinsicht zu liefern im stande sind. Ich erinnere hier nur an die schöne Untersuchung, welche Dr. E. Schmidt-Schwedt unlängst (1887) über Atmung der Larven und Puppen des Schilfkäfers (Donacia crassipes) veröffentlicht hat[121], und an die auf den Gehäusebau der Phryganiden-Larven (vergl. diesen Band [S. 94] und ff.) bezüglichen Beobachtungen der bekannten Naturforscherin Fräul. Marie v. Chauvin.

Ein nicht minder grosses Interesse würde die Erforschung jener eigentümlichen Fortpflanzungsverhältnisse darbieten, welche bei einigen unserer verbreitetsten Süsswasserturbellarien (Stenostoma leucops, Microstoma lineare) abwechselnd in der Form von geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung auftreten. Man weiss zwar, dass zu Beginn der kalten Jahreszeit die letztere an die Stelle der ersteren tritt, aber man ist noch sehr wenig darüber informiert, durch welche histologischen Vorgänge es zu einer Hervorbildung männlicher und weiblicher Zeugungsorgane in den bis dahin geschlechtslos gewesenen Würmern kommt, die sich nur auf dem Wege der Querteilung (vergl. Bd. I, S. 259) fortpflanzten. Dasselbe Problem liegt auch in betreff gewisser Anneliden, z. B. beim gemeinen Wasserschlängelchen (Nais) vor, und es wäre im hohen Grade wertvoll, über den Modus der geschlechtlichen Differenzierung in beiden Würmergruppen genauere Angaben zu erhalten. Dass wir solche noch vermissen, liegt an der Schwierigkeit der Materialbeschaffung. Befindet man sich nicht in nächster Nachbarschaft eines Sees oder grösseren Teiches, so ist es ganz unmöglich, den rechten Moment wahrzunehmen, um die genannten Tiere in den geeigneten Stadien einzusammeln.

In solchen und ähnlichen Fällen hängt der Fortschritt unseres Wissens im wesentlichen nur von der rechtzeitigen und bequemen Erlangung der Beobachtungsobjekte ab. Und das ist der Hauptpunkt, welchen ich bei Motivierung der Notwendigkeit von permanenten Stationen für die Erforschung der Süsswasser-Lebewelt nicht oft genug betonen kann.