Das Plöner Stationsgebäude liegt, wie schon erwähnt, unmittelbar am Grossen Plöner See und die umgebende Naturszenerie ist so beschaffen, dass ein Zeitungsberichterstatter[CXVIII] davon gesagt hat:
[CXVIII] Berliner Tageblatt 1891 No. 154.
„Ein König könnte sich keinen herrlicheren Fleck der Erde auswählen, wenn er, der Welthändel müde, glückliche Tage im Vollgenusse eines grandiosen Landschaftsbildes verleben wollte“. Für die hier vorzunehmenden Forschungen ist die „herrliche“ Lage selbstverständlich ganz gleichgültig, aber der See ist durch seine Grösse (50 qkm = 20000 preussische Morgen) und durch seinen Organismenreichtum besonders dazu geeignet, ein Arbeitsfeld für zoologische und pflanzenphysiologische Untersuchungen zu bilden. Dazu kommt noch die Nachbarschaft anderer grosser Wasserbecken (Kleiner Plöner See, Trammersee, Behlersee, Dieksee, Kellersee, Grosser und Kleiner Eutiner See, Ukeleisee u. s. w.), sodass hierdurch zugleich die denkbar günstigste Gelegenheit zur Vornahme von faunistischen Ausflügen gegeben ist. Den Verkehr auf den einzelnen Seen vermitteln grosse Segel- und Ruderboote. Der Biologischen Station steht ausserdem noch die Benutzung eines Petroleum-Schraubenbootes[CXIX] zur Verfügung, welches eine ansehnliche Fahrgeschwindigkeit (10–15 km pro Stunde) besitzt.
[CXIX] Daimlers Patent (geliefert von der Firma Meyer u. Remmers in Hamburg).
Das Stationshaus ist ein zweistöckiges Gebäude, welches ausser den erforderlichen Arbeitsräumen (Laboratorium, Experimentierzimmer und Bibliothek) auch die Wohnung für den Direktor enthält. Im Erdgeschoss sind die Aquarien untergebracht, welche durch eine Röhrenleitung mit fliessendem Wasser aus dem See gespeist werden können. Der Mikroskopiersaal hat dreiflügelige grosse Fenster und die Arbeitstische sind mit vorzüglichen Instrumenten aus der Optischen Werkstätte von C. Zeiss in Jena ausgerüstet. Bei aller Bescheidenheit ihrer Einrichtung besitzt die Plöner Station, wie man sieht, doch Alles, was zur Ausführung von mikroskopisch-anatomischen und entwickelungsgeschichtlichen Arbeiten erforderlich ist. Mehr ist nicht versprochen worden und zu einer luxuriösern Ausstattung wären auch die Mittel nicht vorhanden gewesen. Vom 1. April 1892 ab werden die Arbeitsplätze in der Biologischen Station zu Plön für süsswasserfreundliche Zoologen und Botaniker[127] benutzbar sein.
Mit Genugthuung übermittele ich am Schlusse dieses Kapitels dem Leserkreise unseres Buches die Nachricht, dass der bekannte und verdienstvolle österreichische Zoolog, Prof. Anton Fritsch in Prag, neuerdings gleichfalls eine stabile Station für Erforschung der Süsswasserfauna ins Leben gerufen hat. Dieselbe hat ihren Stand am Unterpocernitzer Teiche bei Bechovic in Böhmen. Es ist ein festgebautes, hübsches Häuschen, welches ausser einem Arbeitszimmer von 12 qm Fläche noch einen kleinen Wohnraum von 6 qm enthält. Dieses Forscherheim hat ein Privatmann, Béla Freiherr v. Derschenyi, im Interesse der durch Fritsch so tüchtig geförderten Kenntnis der Wassertierwelt Böhmens auf eigene Kosten erbauen lassen. Überdies benutzt der Prager Forscher (schon seit Juni 1888) zu seinen Studien noch eine ortswechselnde Station in Gestalt eines zusammenlegbaren hölzernen Häuschens, welches in 2½ Stunden aufgestellt und in 1½ Stunden wieder abgebrochen werden kann[128]. Diese „fliegende Station“ steht jetzt am Gatterschlager Teich bei Neuhaus, und hier ist besonders der Assistent des Prof. Fritsch, Herr W. Vavra, während des verflossenen Jahres thätig gewesen. Unter Anderem wurde in diesem Teiche unlängst ein neuer zu den Cytheriden gehöriger Muschelkrebs entdeckt, der vorläufig den Namen Limnicythere stationis erhalten hat. Es ist der kleinste bisher bekannte Vertreter seiner Gattung.
An die Errichtung solcher eigens dem Studium der Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers gewidmeter Forschungstationen ist merkwürdigerweise erst in allerneuester Zeit gedacht worden, obgleich dieselben Gründe, welche für die Anlage mariner Stationen zum Zwecke biologischer Studien sprechen, sich auch für lakustrische Observatorien ins Feld führen lassen. Das Weitere wird nun die Erfahrung und der Erfolg lehren. Da, wo etwas Neues ins Werk gesetzt wird, tauchen stets auch einige Pessimisten auf, welche Erwägungen darüber anstellen, ob es sich wohl auch verlohnen werde, die süssen Gewässer in der von Fritsch und mir inaugurierten Weise zu durchforschen. Besonders giebt es unter den Praktikern, d. h. unter den Fischzüchtern und Fischerei-Interessenten, Leute, welche in erster Linie die Frage des „Verlohnens“ auf der Zunge haben, ohne manchmal auch nur einen blassen Schimmer von den Aufgaben zu haben, welche durch die Thätigkeit einer Süsswasserstation in Angriff genommen werden sollen. Derartigen Leuten empfehle ich folgenden Ausspruch Prof. Anton Fritschs zur Beherzigung: „Eine genaue Kenntnis dessen, was der Teich in seinem Wasser beherbergt, ist die Grundbedingung für dessen rationelle Bewirtschaftung“. Es ist zu hoffen, dass die Richtigkeit dieses Satzes in immer weiteren Kreisen zur Anerkennung gelange, und dass auch von massgebender Seite das Streben der Naturforscher gebührende Würdigung und Unterstützung finde.
Litteratur.
[121] Berl. Entomolog. Zeitschrift, 31. Bd., 1887, S. 325–334.
[122] Vergl. Wenzel Vávra, Monographie der Ostracoden Böhmens. Archiv d. naturwiss. Landesdurchforschung von Böhmen, 8. Bd., No. 3.