Höhlen-Mollusken.
In den Kalkgebirgen, vorzugsweise in den Juraformationen, finden sich ausgedehnte Höhlen, in denen Bäche und im Karstgebiete sogar Flüsschen auf weite Strecken unterirdisch dahinfliessen. Es ist selbstverständlich sehr schwierig, diese unterirdischen Wasserläufe auf ihre Fauna zu untersuchen; gewöhnlich sind die in denselben lebenden Mollusken nur in leeren Gehäusen im Geniste oberirdischer Bäche und Flüsse zu bekommen. Nur in seltenen Fällen ist es geglückt, lebende Tiere zu erbeuten, welche sämtlich einem für die Höhlenfauna eigentümlichen Genus Vitrella Cless. ([Fig. 32]), Bythiospeum Brgt., angehören. Die Untersuchungen derselben durch Wiedersheim[LXVIII] und Rougemont[LXIX] haben ergeben, dass diese Höhlen-Mollusken blind sind, ebenso wie die Tiere anderer Tierklassen, welche die gleichen Aufenthaltsorte bewohnen. Die Tiere, welche seit vielen Generationen nur im Dunkeln leben, haben die Augen nicht mehr nötig. Rougemont hat lebende Tiere der Vitrella (Rougemonti Cless.) aus dem Brunnen des Anatomiegebäudes in München heraufgepumpt, welche gleichfalls augenlos waren.
[LXVIII] Beiträge zur Kenntnis der württ. Höhlenfauna.
[LXIX] Etudes des faunes des eaux privées de lumière.
Fig. 32.
Vitrella pellucida.
Die unterirdischen Wasserläufe werden fast ausschliesslich von Vitrella-Arten bewohnt, von denen jeder derselben eine ihm eigentümliche Art zu besitzen scheint. Ausser diesen kleinen, zierlichen, am meisten an das Genus Hydrobia erinnernden Deckelschnecken fand sich in der Uracher Höhle (schwäbische Alp in Württemberg) eine Ancylus-Art, Ancylus fluviatilis, und in Krainer Höhlen einige Valvata-Spezies. Diese Arten sind kleine, verkümmerte Formen mit dünner, farbloser Schale und geben dieselben somit wieder ein merkwürdiges Beispiel von der Anpassungsfähigkeit der Mollusken.
Die Perlenmuschel.
Die kalkarmen Bäche unserer Urgebirgsformationen beherbergen eine grosse und sehr dickschalige Muschel, Margaritana margaritifera ([Fig. 33]), welche einen sehr wertvollen Schmuck, nämlich die Perlen, liefert. Die Muscheln stecken oft in sehr grosser Anzahl in sandigen Stellen so völlig im Sande eingesenkt, dass nur an den flottierenden Cirren der Atemöffnung sich das Vorhandensein der Muscheln erkennen lässt.
Die Perlenmuscheln haben in ausgewachsenem Zustande eine nierenförmige Gestalt und erreichen eine Länge von 120 mm. Sie haben eine dunkle, fast schwarze Oberhaut, sind in der Regel um die Wirbel stark zerfressen und ihr Perlmutter ist gewöhnlich durch schmutzig-gelbe Fettflecken verunziert.