Fig. 33.
Margaritana margaritifera.

Die Erzeugung von Perlen vollzieht sich in dem Raume zwischen Mantel und Schale und muss die Perle hier frei beweglich bleiben, so dass sie ständig in rollender Bewegung erhalten wird. Eine Perle bildet sich nur dann, wenn ein kleiner fremder Körper, ein Sandkörnchen, ein Stückchen eines abgestorbenen Schmarotzertieres u. s. w. an die erwähnte Stelle gerät. Der Druck, welchen dieser fremde Körper auf die äussere Mantelfläche ausübt, veranlasst eine stärkere Ausscheidung des Perlmutterstoffes, welcher sich in Schichten um denselben legt und allmählich den fremden Körper umhüllt. Die Entstehung der Perlen ist also gewissermassen eine zufällige, und deshalb kommt nach Beobachtungen aus den bayrischen Perlenbächen auf etwa 95–100 Muscheln nur eine Perle. Aber nicht einmal alle Perlen sind brauchbar und wertvoll, sondern nur jene, welche weisse Farbe und schönen Glanz haben. Man unterscheidet drei Klassen brauchbarer Perlen und zwar 1. Klasse: ganz helle, weisse Perlen von schönstem Glanze; 2. Klasse: weisse Perlen von minder vollkommenem Glanze; 3. Klasse: sogenannte Sandperlen, welche noch so viel Glanz und weisse Farbe besitzen, um verwertet werden zu können. Eine gute Perle ersten Ranges kommt nach v. Hessling[LXX] auf 2701, eine Perle mittlerer Qualität auf 2215 und eine schlechter Qualität auf 103 Muscheln. Ausser diesen weissen Perlen finden sich aber auch, und in grösserer Häufigkeit als diese, solche von brauner und von schwarzer Farbe. Zusammengesetzte Perlen von Stäbchenform sind sogar häufig zur Hälfte braun, zur anderen Hälfte schwarz gefärbt. Die dunklen Perlen werden als „unreif“ bezeichnet, obwohl diese Benennung durchaus nicht zutreffend ist, weil auch grosse Perlen die dunkle Farbe behalten. Die Ursache dieser Erscheinung ist jedenfalls in der Nahrung der Tiere zu suchen, welche ja auch das fettfleckige, unreine Perlmutter der Schalen erzeugt. Die aus der Urgebirgsformation kommenden Gewässer haben in der Regel eine dunkle Färbung, welche durch eine starke Beimischung von Humussäure erzeugt wird, und dieses die Bildung wertvoller Perlen sehr beeinträchtigende Verhältnis wird sich wohl nicht beseitigen lassen.

[LXX] Theod. v. Hessling: „Die Perlmuscheln und ihre Perlen“. Leipzig 1859. Ich bin im ganzen den Ausführungen dieses Autors gefolgt.

Versuche, um auf künstlichem Wege Perlen zu erzeugen, beziehungsweise durch Einschieben kleiner Kügelchen u. s. w. zwischen Mantel und Schale das Tier zur Perlenbildung zu veranlassen, haben keine günstigen Resultate ergeben.

Die Ernte der Perlenbäche gilt in Deutschland durchaus als Staats-Regal; sie wird aber gewöhnlich an Private verpachtet, welche das Fischen und die Behandlung der Muscheln ohne jede Kenntnis der Eigentümlichkeiten derselben betreiben und dadurch den Bestand an Perltieren arg schädigen.

Die deutschen Süsswasserfische
und ihre Lebensverhältnisse.

Von Dr. A. Seligo in Heiligenbrunn bei Danzig.

Herrscher im Wasser ist der Fisch. Es giebt kaum irgend einen Wasserorganismus, der ihm nicht direkt oder indirekt Nutzen bieten muss. Das Wasser ist auch ausschliesslich das Element, in welchem die Fische dauernd zu leben vermögen. Zwar können nicht wenige Fische ausserhalb des Wassers eine mehr oder minder kurze Zeit am Leben bleiben, — es giebt, besonders in den Tropen, sogar Fischarten, welche freiwillig an das Land gehen[LXXI], — aber auch in diesen Fällen kann das Luftmeer nur vorübergehend mit dem Wasser vertauscht werden, und die Fische müssten zu Grunde gehen, wenn man ihnen die zeitweilige Rückkehr in das Wasser verwehrte.

[LXXI] z. B. die Labyrinthfische und Salarias scandens Ehrenberg.