Auf die Entwickelung der Fische im Ei kann hier des Raummangels wegen nicht eingegangen werden[83].
Einige Fische behüten ihre Eier und Jungen eifrig vor den Nachstellungen der Feinde, so der Zander, der Schwarzbarsch, der Stichling, der die Eier in ein Nest aus Pflanzen legt, das mit aus den Harnkanälen stammenden Schleimfäden[84] befestigt ist, der Kaulkopf, der ebenfalls ein Nest im Bachgrunde bereitet, und zwar sind es meist die Männchen, welche Wache halten und selbst die Weibchen den abgelegten Eiern nicht nahekommen lassen. Der weibliche Bitterling legt seine Eier mit Hilfe seiner langen Legeröhre in die Kiemenräume der Teichmuscheln (Unioniden), wo sie bis zum Ausschlüpfen geschützt bleiben (während anderseits die Teichmuscheln bekanntlich ihre Larvenzeit als Hautparasiten der Fische und anderer Wasserwirbeltiere zubringen).
Werden die Fische an der Laichablage verhindert, so werden die Geschlechtsprodukte resorbiert, oft unter Krankheitserscheinungen[85].
Wenige Worte seien noch dem Nervensystem und den Sinnesorganen der Fische gewidmet.
Das Gehirn[86] liegt in der Schädelkapsel unter einer dicken Fetthülle, es ist im Verhältnis zur Körpermasse und zu den übrigen Teilen des Nervensystems klein. Auffallend ist, dass für das Grosshirn, an welches bei den höheren Wirbeltieren Bewusstsein und Wille gebunden erscheinen, bei dem Fisch noch gar keine bestimmte Funktion hat nachgewiesen werden können[87]. Döbeln, deren Grosshirn herausgenommen war, zeigten in keiner Weise eine Abweichung ihrer Lebensthätigkeiten.
Das Auge[88] wird von der Körperhaut überzogen, welche an dieser Stelle völlig durchsichtig ist. Die darunter liegende Hornhaut (Cornea) ist sehr flach, die Linse dagegen fast kugelrund. Die Fische gelten deshalb für kurzsichtig; für den Hecht ist eine Sehweite von etwa 65 cm nachgewiesen worden[89]. Die Regenbogenhaut (Iris) ist metallglänzend infolge der Einlagerung von Glanzkörperchen, wie sie auch sonst den Glanz der Fische verursachen. Übrigens ist die Regenbogenhaut nicht kontraktil, wie bei den höheren Wirbeltieren. Eigentümliche Bildungen des Fischauges sind die sogenannte Glandula chorioidea, ein in der Nähe des Eintritts des Sehnervs liegender, an Blutgefässcapillaren reicher Körper, und eine zweite Falte der Gefässhaut (Chorioidea) des Auges, welche die Nervenhaut (Retina) des Auges durchsetzt und an der Linse mit einer Verdickung, der Campanula Halleri, endet.
Das Hörorgan der Fische[90] liegt seitlich vom Gehirn im Grunde des Schädels in der Nähe des Hinterendes desselben, oft in einer besonderen Ausbuchtung des Schädels. Ein äusseres Ohr kommt bei den Fischen nicht vor. Das Hörorgan besteht aus mehreren häutigen Teilen, nämlich dem Säckchen (Sacculus), das eine Ausstülpung zeigt, die der Schnecke der höheren Wirbeltiere entspricht und einen oder mehrere Gehörsteine (Otolithen) von zahnschmelzartiger Substanz enthält, und dem Utriculus oder Alveus communis, an welchem sich bei den Neunaugen zwei, bei den übrigen Fischen drei „halbzirkelförmige Kanäle“ befinden, die zuweilen in Erweiterungen ebenfalls Otolithen enthalten. Im Sacculus endigen die Nervenfasern des Hörnervs in Sinneszellen, welche am äusseren Ende je eine kleine starre Borste tragen. Ähnliche in Haare ausgehende Sinneszellen finden sich auch in den sogenannten Seitenorganen. An den Seiten der Fische, mit Ausnahme der Neunaugen, findet sich nämlich eine Reihe von Poren, welche die Schuppen durchsetzen und die „Seitenlinie“ bilden. Sie führen in Kanäle, welche unter der Haut liegen. In diesen Kanälen[91] liegen im Grunde von Vertiefungen kleine Erhebungen, welche aus ebensolchen Sinneszellen bestehen, wie sie sich in dem Cortischen Organ des Hörapparates finden. Man nimmt daher an, dass diese Organe, welche keinem der Sinne der höheren Wirbeltiere entsprechen, eine ähnliche Funktion haben wie das Hörorgan, indem die Seitenorgane zwar nicht die kurzen, rasch verlaufenden Schallwellen, aber andere Druckwirkungen, wie die Bewegungen anderer Körper im Wasser, empfinden sollen.
Schon bei Erwähnung der Schwimmblase ist hervorgehoben worden, dass diese mit Luft prall gefüllte Blase bei den meisten unserer Fische mit dem Gehörorgan in Verbindung steht. Diese Verbindung wird bei den Perciden und Clupeiden dadurch hergestellt, dass Verlängerungen der Schwimmblase dicht an den Utriculus herantreten, bei den Cypriniden und dem Wels durch eine Reihe von kleinen Knochen, deren Reihe einerseits die Schwimmblase, anderseits einen Verbindungskanal der Vestibula beider Seiten berührt. Auf diese Weise dient gewissermassen der ganze Mittelkörper, soweit in ihm die Schwimmblase liegt, als eine Art äusseren Ohrs. Die Prallheit und Elastizität, welche die Schwimmblase dem Fischkörper giebt, mag auch zur Folge haben, dass die Druckwahrnehmungen der Seitenorgane deutlicher empfunden werden.
Die einander verwandten Empfindungen des Geschmacks und des Geruches werden bei den meisten Fischen anscheinend nur durch ein Sinnesorgan, das der Nase der höheren Wirbeltiere entspricht, wahrgenommen. Indessen kann man, wie J. Müller hervorgehoben hat, deshalb den Geruch der Fische mit dem Geschmack derselben nicht identifizieren, wiewohl die Geruchsstoffe im Wasser gelöst sind, denn auch bei den Luftwirbeltieren muss sich der Geruchsstoff erst im Wasser der Nasenschleimhaut lösen, um empfunden zu werden. Besondere Geschmacksorgane hat F. E. Schulze in der Mundhöhle einiger Cypriniden entdeckt, wie schon bei der Beschreibung dieses Körperteils erwähnt ist. Das Geruchsorgan[92] kommt allen Fischen zu, es ist bei den Neunaugen einfach, bei den anderen Fischen doppelt vorhanden. Es liegt jederseits zwischen den Augen und dem Mund in einem längeren oder kürzeren Hautkanal, welcher am Vorderende oft in eine häutige Röhre verlängert ist, die geschlossen und geöffnet werden kann, sodass es im Belieben des Fisches liegt, während des Schwimmens einen Wasserstrom durch das Organ gehen zu lassen und mittels desselben zu prüfen, oder dasselbe ruhen zu lassen. Das Geruchsorgan selbst ist eine regelmässig gefaltete Schleimhaut, in welcher die Sinneszellen liegen[93].
Das Tastgefühl scheint mehr oder minder um den Mund konzentriert zu sein, wo sich bei vielen Fischen längere oder kürzere „Barteln“, Tastfäden, befinden, wie bei Aalquappe, Wels, Karpfen, Barbe, Gründling, Schleihe, den Acanthopsiden und Stören.