Schon im Jahre 1884 hat Hensen in seiner Arbeit[102]: „Über das Vorkommen und die Menge der Eier einiger Ostseefische, insbesondere der Scholle, des Flunder und des Dorsch“ ein Problem in Angriff genommen, an dessen Lösung niemand vor ihm gedacht hatte, nämlich die quantitative Bestimmung der im Meere treibenden Organismen.

Nur einmal ist, unabhängig von Hensen[LXXX], jedoch nach diesem, dieselbe Art der Forschung versucht worden von Asper und Henscher[95] 1886, welche die Organismen aus einer bekannten Wassermenge sammelten und dann die Zahl der Individuen bestimmten, die sich in einem Tropfen Flüssigkeit, von denen fünfzehn auf 1 ccm gingen, befanden. Dadurch erhielten sie einen ungefähren Überblick über die Menge der pelagischen Tiere in dem untersuchten Süsswasserbecken. Doch ist dieser Versuch nicht in eine Reihe zu stellen mit den sorgfältigen Methoden der Hensenschen Forschungen. Hensen blieb nicht bei den einfachen quantitativen Bestimmungen stehen, sondern zeigte auch, warum diese von so hoher Wichtigkeit sind. In letzter Linie kam es ihm darauf an, den Stoffwechsel des Meeres näher kennen zu lernen. Bekanntlich vermögen nur die chlorophyllführenden Wesen, also Pflanzen und Peridineen, von denen letztere noch von manchen zu den Flagellaten gerechnet werden, aus anorganischen Stoffen organische Verbindungen herzustellen; die Kraft, durch die diese Umbildung geschieht, liefert das Sonnenlicht. Dieses dringt bis höchstens 400 m in das Wasser ein und soweit finden wir auch nur chlorophyllhaltige Organismen. Dieser Fähigkeit wegen können wir auch die pflanzlichen Wesen mit Einschluss der Peridineen Nahrungsproduzenten[96] nennen. Ihnen stehen die Nahrungskonsumenten gegenüber, welche die oben erwähnte Fähigkeit nicht besitzen, also ganz von den Pflanzen abhängig sind; es sind, um es kurz zu sagen, die Tiere. Wo keine Pflanzen sind, können also auch keine Tiere sein! Da, wie oben erwähnt, die Sonne die Kraft den Pflanzen giebt, organische Verbindungen zu bereiten, so hätten wir ein Mass für die Produktion des Wassers an belebter Substanz, wenn wir alle unter einer bekannten Oberfläche — als Einheit 1 qm — vorhandenen Pflanzen bestimmen könnten. In dieser Richtung hat Hensen[LXXXI] zur ersten Orientierung eine Anzahl analytischer Gewichtsbestimmungen gemacht, denen wir folgende Daten entnehmen.

[LXXX] Hensen hat schon im Jahre 1885 mehrere Mitteilungen über sein Verfahren veröffentlicht, so in den Sitzungsberichten des physiologischen Vereins in Kiel, in den Mitteilungen des Vereins schleswig-holsteinischer Ärzte, im 8. Jahresbericht des Centralfischereivereins für Schleswig-Holstein, dann 1886 im Tagesberichte der Naturforscher-Versammlung in Berlin.

[LXXXI] Planktonwerk S. 34. (Siehe [Litteraturverzeichnis 103].)

Ein ganzer Fang (aus der Ostsee) vom Februar 1885, der reich an einer Diatomeenart (Rhizosolenia) war, enthielt unter 1 qm Oberfläche 1608.3 ccm Plankton. Davon wurden 70 ccm weiter verarbeitet. Diese enthielten 0.18 gr organische Substanz = 42.1% und 0.2575 gr = 57.9% Asche. Der ganze Fang würde also 4.296 gr organische Substanz geliefert haben. Dies ist sehr wenig, aber da die Diatomeen so zahlreich waren, so ist der beträchtliche Aschenanteil durch die Kieselsäureskelette verständlich.

Zu ferneren Analysen wurden einzelne Bestandteile des Plankton verwendet, so die Ceratien und Copepoden. Von ersteren fanden sich in 7.25 ccm Fang 12.45 Millionen. Diese enthielten 0.389 gr organische Substanz = 96.05% und nur 0.016 gr Asche = 3.94%.

Auf 1 Million Ceratien käme also 0.031245 gr organische Substanz.

Von Copepoden wurde einmal Rhinocalanus gigas zur Bestimmung benutzt. 4 ccm davon = 321 Stück ergaben 0.0527 gr = 99.4% organische Substanz und nur 0.0003 gr = 0.6% Asche.

Diese Zahlen benutzt Hensen weiter, wobei hervorzuheben ist, dass alle Angaben nur Minimalzahlen sind. Hensen hat nun nach Versuchen[LXXXII] — denen er selbst nur einen vorläufigen Wert beimisst — berechnet, dass ein Copepod zu seiner Ernährung täglich 12 Ceratien, das ist pro Jahr 4370 Ceratien bedarf. Da nun auf 1 qm Oberfläche (also einer Wassersäule, die 1 qm zur Grundfläche und die Tiefe des Wassers[LXXXIII] zur Höhe hat) ungefähr 1 Million Copepoden lebt, so bedürfen diese zur Nahrung 4370 Millionen Ceratien, welche 4370 × 0.031245 = 133.35 gr organische Substanz liefern.

[LXXXII] [ibid.] S. 95.